Zwischen Coronavirus und Zweitliga-Aufstieg - Dorstener spielt beim MSV Duisburg

dzFussball

Der Dorstener Joshua Bitter ist Profi-Fußballer beim Tabellenführer der Dritten Liga, dem MSV Duisburg. Mit seinen 23 Jahren hat er ein ganz genaues Bild vom modernen Fußballprofi.

Dorsten

, 29.03.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viele Kinder träumen davon, nur wenige schaffen den Sprung. Der Dorstener Joshua Bitter ist einer der wenigen. Seit dem vergangenen Sommer spielt der 23-Jährige beim Tabellenführer der Dritten Liga, dem MSV Duisburg – und etablierte sich schnell als Stammspieler. Seine fußballerische Karriere begann einst beim FC RW Dorsten. Ob sie beim FC da bereits ahnten, dass es Bitter einmal mit bekannten Größen der Fußballbranche wie Norbert Elgert und Co. zu tun bekommen würde?

“Als ich in Dorsten begann, war ich fünf oder sechs Jahre alt“, erinnert sich Bitter. Doch trotz seiner jungen Jahre deutete sich sein Talent schnell an. Bereits nach drei Jahren zog es ihn zu keinem Geringeren als dem FC Schalke 04. Satte elf Jahre verbrachte der Verteidiger bei Königsblau.

Kader FC Schalke 04

Joshua Bitter (2. Reihe von unten, 4.v.l.) gehörte auch zum erweiterten Profi-Kader beim FC Schalke 04. Auf einen Einsatz in der Bundesliga brachte er es in dieser Zeit nicht. © picture alliance / dpa

„Von der U9 bis zur Profiabteilung habe ich alle Mannschaften bei Schalke durchlaufen“, sagt Bitter. Bis 2018 schnürte er die Schuhe für den Bundesligisten. Einer, der ihn besonders geprägt hat, war der U19-Trainer auf Schalke, Norbert Elgert. Durch die Fußballschule des 63-Jährigen, der in den 90er-Jahren auch mal den SV Schermbeck und den FC Rhade trainierte, liefen Nationalspieler wie Manuel Neuer und Mesut Özil. Viele weitere Spieler, die heute in einer der drei deutschen Profiligen oder im Ausland aktiv sind, können ebenfalls auf Lehrjahre unter Elgert zurückblicken. Der Coach gilt als der „erfolgreichste Jugendtrainer Deutschlands“. Ein Angebot des Deutschen Rekordmeisters Bayern München schlug er aus.

„Er ist nicht besser als ein normaler Bürger, nur weil er mehr verdient.“
Joshua Bitter über den modernen Fussballprofi

Auch Bitter schwärmt von Elgert: „Norbert Elgert ist sehr akribisch. Er ist ein Perfektionist.“ Genau diese Einstellung versucht der Trainer, den die Spieler siezen, auf seine Talente zu übertragen. „Er sagt dir, dass du nie aufhören sollst, an dir zu arbeiten, und vermittelt dabei ein gutes Bild des modernen Profifußballs.“

Was den modernen Profi auszeichne? „Er darf nie aufhören, an sich zu arbeiten. Das ist das erste“, sagt Bitter. „Dazu sollte er immer bodenständig sein, immer wissen, woher er kommt. Er ist nicht besser als ein normaler Bürger, nur weil er mehr verdient.“ Bitter versucht, diese Eigenschaften täglich vorzuleben. Dazu zählt auch ein professionelles Verhalten neben dem Platz: die richtige Ernährung, regelmäßiges individuelles Training und ein professioneller Tagesablauf.

Auf dem besten Wege zurück in Liga 2

Gerade das ist aber momentan schwierig. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie trifft auch die Fußballer hart – gerade die des MSV Duisburg. Die Zebras – vergangene Saison aus der 2. Bundesliga abgestiegen – befinden sich unter Trainer Thorsten Lieberknecht auf dem besten Wege zurück in die zweithöchste Spielklasse. Nach 27 Spieltagen führen die Duisburger die Liga mit 47 Punkten vor Waldhof Mannheim und der SpVgg Unterhaching mit jeweils 44 Punkten an. „Die aktuelle Pause ist sportlich schade, da wir an erster Stelle stehen“, so Bitter.

Und der Dorstener, der sich dem MSV im vergangenen Sommer nach einem Jahr in der Reserve bei Werder Bremen anschloss, hat erheblichen Anteil an der starken Saison. In 25 von 27 Spielen stand er auf dem Platz. Meist läuft er als rechter Verteidiger in der Viererkette auf. Im DFB-Pokal schnupperte er außerdem schon Bundesliga-Luft. In der zweiten Runde trat Duisburg gegen die TSG Hoffenheim an. Bitter stand bei der 0:2-Pleite über 90 Minuten auf dem Platz.

„Die Gesundheit steht an erster Stelle. Menschen sind gefährdet, da gibt es wichtigere Sachen als Fußball.“
Joshua Bitter über die Coronavirus-Krise

Die aktuelle Ungewissheit nagt an Bitter und seinen Teamkollegen. „Momentan ist alles sehr schwierig“, sagt er. In manchen Momenten ertappe er sich beim Gedanken, wie es weitergeht. Doch Bitter ist sich auch bewusst, dass Fußball – gerade in solch schwerer Zeit – nicht alles ist. „Alle stecken in dieser Situation, nicht nur wir Fußballer. Die Gesundheit steht an erster Stelle. Menschen sind gefährdet, da gibt es wichtigere Sachen als Fußball.“

Das Video-Interview nahm der MSV Duisburg nach dem bis dato letzten Spiel gegen den FC Magdeburg (1:0-Sieg) auf.

Ihm hilft die gute menschliche Ausbildung, die er erhalten hat, durch die Zeit zu kommen. Bitter achtet sehr drauf, seine professionellen Gewohnheiten zu behalten, auch wenn er derzeit nicht auf dem Platz steht. „Ich will daran festhalten, laufen zu gehen.“ So gut es geht, hält er sich zuhause fit. „Die Situation kann man mit einem Vorbereitungsplan in der Sommerpause vergleichen“, sagt er.

Improvisation ist gefragt

Waldläufe stehen da an erster Stelle. Weil er derzeit nicht ins Fitnessstudio kann, improvisiert er bei seinen physischen Übungen. „Wasserflaschen dienen zu Hause als Gewichte. Man muss das Bestmögliche rausholen“, so Bitter.

Übungen mit dem Ball sind derzeit dagegen nur eingeschränkt möglich. Der deutsche Nationalspieler Toni Kroos machte auf Instagram zwar schon vor, wie man auch in den eigenen vier Wänden ein paar Dribbelübungen machen kann. „Aber meine Wohnung kann man nicht mit der von Toni Kroos vergleichen“, sagt Bitter lachend. Ab und zu halte er den Ball hoch, er könne auch ein bisschen im Garten bei den Eltern spielen. „Aber wieder richtig auf dem Platz zu stehen, kann ich kaum erwarten.“

„Ich bin noch jung und habe meine ganze Karriere noch vor mir. Wenn alles gut läuft, stehen alle Türen offen.“
Joshua Bitter über seine Ziele

Wenn – wie derzeit geplant – die Saison im Mai fortgesetzt werden soll, will er bestens vorbereitet sein. Ihn und den MSV Duisburg erwartet dann ein Schlussspurt, der es in sich haben wird. Bitters Ziel ist jedenfalls klar: „Nach oben kommen.“ Und damit meint er nicht nur den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der sollte nur ein erster Schritt sein. Denn obwohl er sich in Duisburg „sehr wohl fühle“, hofft Bitter darauf, irgendwann einmal in der Bundesliga oder der englischen Premier League zu spielen. „Ich bin noch jung und habe meine ganze Karriere noch vor mir. Wenn alles gut läuft, stehen alle Türen offen.“

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