Thermojacke in der Wüste - Christina Honsel erlebt bei der WM den ganz normalen Wahnsinn

Leichtathletik

Eine Thermojacke bei 40 Grad im Schatten? Für Hochspringerin Christina Honsel ist das bei der Weltmeisterschaft in Doha ganz normal.

Dorsten

, 30.09.2019, 11:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thermojacke in der Wüste - Christina Honsel erlebt bei der WM den ganz normalen Wahnsinn

Das WM-Stadion in Doha/Katar bot bei der Leichtathletik-WM gute Bedingungen. Außerhalb sah es anders aus. © Leistner, Andreas

Christina Honsel, eins der heißesten Themen bei der WM in Doha sind die Temperaturen. Wie erleben Sie das als Athletin?

Das ist natürlich schon extrem. Marathonläufer und Geher sind ja schon extra mitten in der Nacht gestartet. Sonst wäre das nicht aushaltbar gewesen.

Es gab aber auch so genug Athleten, für die die Belastung zu groß war. Haben Sie das live mitbekommen?

Nein. Beim Marathon war ja gar kein deutscher Läufer dabei. Bei den Gehern waren es drei, und mit zweien habe ich vorher gesprochen. Für sie stand fest: Wer hier in Doha ins Ziel kommt, der ist schon ein Gewinner. Sie hatten sich auch ganz speziell auf den Wettkampf hier vorbereitet - in der Sauna und in Räumen mit 40 Grad Innentemperatur.

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Im Stadion soll es dagegen erträglich sein ...

Ja, da sind es um die 25 Grad. Das ist vollkommen in Ordnung. Das Problem ist, dass wir zwischen der Aufwärmhallle, Callroom und Stadion hin und her pendeln. In der Trainingshalle sind es 20 Grad, im Callroom 40. Da ist man dann nassgeschwitzt.

Wie verhält man sich da am besten?

Wir hatten tatsächlich Thermojacken an, wie man sie sonst nur im Winter trägt.

Vom Wetter zum Wettkampf. Der lief für Sie ja nicht so wie erhofft. Bei 1,85 m war schon Schluss ...

Ja. Das Einspringen lief noch sehr gut. Da bin ich locker über 1,80 m gesprungen. Um sicher rein zu kommen, bin ich dann mit 1,70 m in den Wettkampf gestartet. Das lief auch noch glatt. Aber dann weiß ich auch nicht. Ich habe keinen Druck mehr auf die letzten drei Schritte bekommen und hatte große Probleme mit dem Anlauf.

Thermojacke in der Wüste - Christina Honsel erlebt bei der WM den ganz normalen Wahnsinn

Christina Honsel schied bei der Qualifikation am Freitag schon bei 1,85 m aus. Ihre Besthöhe liegt bei 1,92 m. © Leistner, Andreas

Beim letzten Versuch über 1,85 m war ich viel zu schnell und bin viel zu nah an der Latte abgesprungen. Ich konnte gar keine Höhe mehr entwickeln, und das war‘s dann.

Wie groß war die Enttäuschung?

Ich war schon sehr geknickt. Ich hätte hier gerne eine gute Leistung gezeigt. 1,80 m springe ich eigentlich immer. Wenn es höher gehen soll, muss es halt passen, und das war am Freitag leider nicht der Fall.

Was haben Sie nach dem Ausscheiden gemacht?

Ich bin im Innenraum geblieben und habe die Qualifikation weiterverfolgt. Ich dachte, bevor ich raus auf die Tribüne gehe und schmolle, bleibe ich lieber hier drin und genieße es. Und das war auch besser so. Wer weiß, ob ich jemals wieder in den Innenraum eines solchen Stadions komme?

Gab es denn Kontakte zu den Topstars?

Nein, nicht direkt. Ich habe mit einigen anderen Athletinnen gesprochen, die auch ausgeschieden waren. Die anderen will man ja nicht stören.

Wie sieht es denn abseits der Wettkampfstätten aus? Trifft man da andere Athleten?

Eigentlich nicht. In unserem Hotel wohnen einige aus den USA. Die sieht man aber so gut wie nie. Die Athleten verteilen sich ja auf viele Hotels, eine Atmosphäre, wie sie vielleicht in einem Olympischen Dorf herrscht, gibt es hier deshalb nicht.

Wie sehen die Tage dann aus und wie geht es für Sie weiter?

Tagsüber machen wir nicht viel. Frühstück, Physio, nachmittags vielleicht am Pool - vorher ist es zu heiß dafür. Abends sind wir dann im Stadion, und am Mittwoch geht es für mich dann wieder zurück nach Deutschland.

Dann wünschen wir bis dahin noch viel Spaß in Doha, und dass es nicht der letzte internationale Wettkampf war!

Vielen Dank!

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