Seit einigen Jahren studieren sie beide in den USA – und spielen dort Fußball. Durch die Coronavirus-Pandemie stehen sie allerdings vor einer ungewissen Zukunft.

Rhade

, 21.07.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer in der vergangenen Woche beim Trainingsauftakt der Fußballerinnen des SSV Rhade genau hinschaute, entdeckte zwei außergewöhnliche Spielerinnen.

Die Rede ist von Vivien Grosser und Milena Ricken. Beide spielen nämlich eigentlich mit einem Stipendium Fußball in den USA. Durch die Corona-Pandemie mussten allerdings beide ihren Sommeraufenthalt in Deutschland verlängern.

„Das war zwar nicht ganz gewollt, Rhade bietet aber auch eine gute Möglichkeit, um Fußball zu spielen“, sagt Vivien Grosser. Die 19-Jährige ist keine Unbekannte bei den Rhaderinnen. Bereits in der U17 spielte sie für den SSV.

Vor zwei Jahren ging es für Grosser in die Vereinigten Staaten

„Vivien hat damals einen großen Anteil daran gehabt, dass wir nicht abgestiegen sind“, lobt ihr Ex-Coach Mike Lerche seine ehemalige Abwehrspielerin. Vor zwei Jahren zog es Vivien Grosser dann aber in die USA.

„Die Idee kam durch die Mutter eines Kumpels, der in New York ein Tennis-Stipendium bekommen hat. Dann habe ich mich im Internet schlau gemacht und bin auf mehrere Agenturen gestoßen“, erinnert sich die Defensivspezialistin. Als die wichtigen Formulare ausgefüllt waren, kam wenig später die Zusage.

Fußball und die klassische Betriebswirtschaftslehre

„Das war nicht ganz einfach, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade erst 17 Jahre alt war“, erklärt sie. Seit 2018 spielt sie mittlerweile für das Damenteam der Middle Georgia State University. Und was studiert jemand, der im Fußball sehr begabt ist, in den USA? „Business Administration, also die klassische Betriebswirtschaftslehre“, antwortet die 1,78 Meter große Verteidigerin.

Wie es ist, ein Fußballstipendium in den USA zu bekommen, weiß auch Milena Ricken. Die 21-Jährige ging vor drei Jahren als Abwehrspielerin über den „großen Teich“ und kam in der Coronavirus-Pandemie als defensive Mittelfeldspielerin zurück. „Auf dieser Position kann ich echt noch besser spielen“, weiß Ricken heute.

Ricken ist in der Nähe New Yorks

Auch sie studiert Business Administration, allerdings an einem anderen College. „Ich studiere an der Nyack University, die liegt ungefähr 50 Kilometer von New York entfernt“, erklärt sie.

Sie war gerade 18 Jahre alt, als sie den großen Schritt in die Vereinigten Staaten wagte. „Ich war bei fünf Colleges in der engeren Auswahl. Für mich war diese Resonanz total krass, weil ich die Anmeldung für das Stipendium eigentlich nur aus Spaß gemacht habe, um zu schauen, wo ich stehe“, sagt sie.

Training bis zu dreimal am Tag

Der Tagesablauf in den USA ist total durchgetaktet. Zwischen sechs Uhr und acht Uhr beginnt der Tag an den Colleges. „Wenn wir uns in der Saisonvorbereitung befinden, trainieren wir zwei bis drei mal am Tag“, erklären die beiden.

Vivien Grosser und Milena Ricken kennen sich privat allerdings so gut wie gar nicht. „Wir studieren zu weit voneinander entfernt und haben uns eigentlich erst durch das Training beim SSV Rhade so richtig kennengelernt“, sagt Ricken.

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Nun, wo SSV-Coach Dirk Bessler zwei so talentierte junge Damen mit an Bord hat, hofft er natürlich, dass sie ihm auch längerfristig erhalten bleiben. „Du spekulierst als Trainer natürlich darauf, dass sich zwei so talentierte Spielerinnen wie Vivien und Milena für deine Mannschaft entscheiden. Ich bin aber der letzte Mensch, der es ihnen nicht gönnen würde, wenn sie doch weiter in Amerika spielen wollen“, so der Trainer.

Saisonstart im Frühjahr 2021 gegenüber der totalen Ungewissheit

Die Situation gestaltet sich nämlich sowohl für Milena Ricken, als auch für Vivien Grosser sehr schwierig. Während Ricken am Dienstag mitgeteilt bekam, dass der Saisonstart erst im Frühjahr 2021 anstatt in diesem August oder September stattfinden soll, tappt Grosser noch gänzlich im Dunkeln. „Es wäre schön, wenn ich bald auch wüsste, wie es weiter geht“, meint die 19-Jährige.

Beide sind auch in der Dorstener Sportwelt sehr gut bekannt. Während Grosser in ihrer Vergangenheit auch Volleyball spielte, schlug Ricken einige Jahre für den TC Deuten auf.


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Bleibt eigentlich nur noch eine Frage zu klären: Hat man kein Heimweh, wenn man so lange von seiner Familie getrennt ist? „Ich bin ein totaler Familienmensch und anfangs war es sicherlich nicht leicht. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Man kann ja mittlerweile auch Videoanrufe tätigen und so eng mit seinen Liebsten in Kontakt bleiben“, sagt Ricken. Ähnlich sieht Grosser das Ganze: „Es war ein großer Schritt, aber ich würde alles genau wieder so machen.“

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