Oliver Sprungmann war am Nürburgring „Sieger der Herzen“

dzMotorsport

Der Dorstener Oliver Sprungmann erlebte mit seinem „OVR Racing Team“ beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring eine schier unglaubliche Pannenserie und avancierte am Ende doch zum „Sieger der Herzen“.

Dorsten

, 30.09.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als das Trio mit seinem Ford Mustang GT „Bullitt“ am Sonntag über die Ziellinie und ins Fahrerlager fuhr, da applaudierte die Konkurrenz geschlossen. Nicht, weil Sprungmann und Co. einen Klassensieg herausgefahren hatten, sondern weil sie sich – getreu dem Ruf ihres Autos – als „unbreakable“, also quasi unkaputtbar erwiesen hatten.

Los ging es mit der Pleitenserie bereits im freien Training am Donnerstag. Oliver Sprungmann jagte den Ford Mustang GT mit schnellen Rundenzeiten über die Nordschleife, bemerkte dann allerdings auf der Start-Ziel Geraden einen plötzlichen Leistungsverlust. Damit kam er gerade noch bis zur „Fordkurve“, als mit einem heftigen Schlag der Motor „hoch“ ging. Nach dem dadurch unvermeidlichen Dreher stand er eingehüllt in blauen Rauch entgegen der Fahrtrichtung am Streckenrand, und die Box funkte hektisch: „Raus! Raus!“ Sprungmanns einziger Gedanke beim Aussteigen: „Der Motor ist hin. Was sollen wir denn jetzt nur tun?“

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Aufgeben war für ihn und seine Teamkollegen Ralf Caba und Rainer Müller auf jeden Fall keine Option. Der „Bullitt“ wurde auf einen Transporter geladen und mitsamt Ersatzmotor zu Schropp Tuning nach Tübingen geschafft, der den alten Motor in einer Nachtschicht aus- und den neuen einbaute.

Die Freude währte aber nur kurz. Schon am Freitagmorgen ruinierte ein Fehler in der Motorsteuerung auch den Ersatzmotor, und das „OVR Racing Team“ stand erneut vor dem Nichts. Doch wieder sagten sich Sprungmann, Müller und Caba: „Wir geben nicht auf.“ Emsig wurde in ganz Deutschland herumtelefoniert, auf der Suche nach einem zweiten Ersatzmotor, und die Drei hatten Glück. In Neuss fand sich tatsächlich ein passendes Stück, und auch das machte sich auf die Reise nach Tübingen. Samstagmorgens um 2 Uhr war der „Bullitt“ zurück am Ring.

24-Stunden-Rennen am Nürburgring 2020, OVR Racing Team

Die "Sieger der Herzen": das OVR Racing Team mit (v.l.) Oliver Sprungmann, Rainer Müller und Ralf Caba. © Horst Lehr

Den Motor einzufahren, war natürlich nicht mehr möglich, und so waren Oliver Sprungmann und sein Team froh, dass es regnete. Denn so mussten sie den Motor nicht bis an seine Leistungsgrenze ausfahren. „Defensiv fahren“, hieß die Devise. Aber trotzdem blieb das Team nicht von weiteren Schrecksekunden verschont.

Beim Fahrerwechsel von Sprungmann zu Caba sprang der Wagen plötzlich nicht mehr an. Eine defekte Lichtmaschine wurde als Ursache gefunden, in Windeseile ausgebaut, und weiter ging‘s.

Später wurde der „Bullitt“ von einem schnellen Aston Martin regelrecht abgeschossen – und fuhr mit verbeulter Tür weiter. Kurz vorm Ziel mehrten sich dann die Anzeichen für einen Differenzialschaden, doch der unkaputtbare Wagen steckte auch das noch weg und überquerte unter dem Jubel der überglücklichen Teammitglieder in Wertung die Ziellinie.

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