Black Lives Matter - auch in Schermbeck und Dorsten

dzRassismus im Sport

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd wird auf der ganzen Welt gegen Rassismus demonstriert. Auch zwei Dorstener Sportler haben sich geäußert.

Schermbeck, Wulfen

, 05.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tod des US-Amerikaners George Floyd beschäftigt die Gesellschaft nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika. Rund um die Welt solidarisieren sich Menschen gegen Rassismus. Auch in Dorsten ist „black lives matter“, also „Schwarze Leben zählen“, Thema. Evans Ankomah-Kissi, Fußballer beim SV Schermbeck, und Sadiq Ajagbe, Basketballer beim BSV Wulfen, haben sich geäußert.

Er ist ein Kind afrikanischer Flüchtlinge, geboren in Düsseldorf, aufgewachsen mit der „Liebe einer weißen Familie“. Das schreibt Evans Ankomah-Kissi, Fußballer beim heimischen Oberligisten SV Schermbeck, auf seiner Facebook-Seite. Nach dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd und den damit einhergehenden Unruhen und Solidaritätsbekundungen wollte Ankomah-Kissi ebenfalls Stellung beziehen.

„Es ist ein allgemeines Thema, nicht erst seit gestern“, sagt der 28-Jährige. „Gerade in den vergangenen Monaten und Jahren kommt Rassismus wieder häufiger vor. Ich bin direkt und indirekt betroffen. Als Trainer und Spieler muss man dazu dann auch einfach mal Stellung beziehen.“

Er merke, dass er sich vielen Menschen neu vorstellen müsse. „Es gibt viele Unsicherheiten in der Gesellschaft. Man versucht, alle zu pauschalisieren: Der könnte ja ein Flüchtling sein.“ Er bemerkt, dass er ab und an anders angeguckt wird. „Viele Sachen haben sich angestaut, deswegen habe ich den Beitrag verfasst.“

Der Abwehrspieler betont: „Gerade im Ruhrgebiet und im Fußball ist das ja völlig egal, welche Herkunft man hat.“ Alle Menschen seien gleich, weil sie ja eben Menschen seien. Ankomah-Kissi bemerkt, dass ihn das Thema in seiner Kindheit nicht begleitet hat, jetzt im Erwachsenenalter aber wieder mehr publik wird.

Selber hat er noch keinen direkten Rassismus erfahren. „Davon bin ich verschont geblieben. Aber Rassismus ist ein weiter Begriff. Für manche ist es bereits eine Beleidigung, für andere ist es erst mehr. So wie es aber in den vergangenen Monaten gelaufen ist, kommt Rassismus stärker zum Vorschein.“

Dass Rassismus stärker zum Vorschein kommt, merkt auch Sadiq Ajagbe. Das Basketball-Talent des BSV Wulfen sagt aber, dass nicht der Rassismus an sich zugenommen hat, sondern die öffentliche Aufmerksamkeit. „Es wird stärker wahrgenommen“, so der 20-Jährige mit nigerianischen Wurzeln.

Ich habe das Thema immer mitbekommen“, sagt er. „Nur durch Handykameras etc. bekommen es nun auch Menschen mit weißer Hautfarbe eher mit.“ Ganz schlimm sei die Situation in den Vereinigten Staaten derzeit. Ajagbe hat Familie in Großbritannien und in den USA. „Meine Familie wohnt in New York und dort wird in Läden eingebrochen. Manche Menschen protestieren freundlich, andere nutzen die derzeitigen Unruhen aus, sowohl Weiße als auch Schwarze. Sie sagen, als Dunkelhäutiger wird man nicht mehr ernst genommen.“

Rassistische Beleidigungen durch Fans kommen vor

Auf die Frage, ob er auch beim Sport selber Rassismus erlebe, sagt Ajagbe: „Beim Basketball an sich nicht. Da der Sport von Dunkelhäutigen geprägt ist, ist es selten, dass ein rassistischer Spruch kommt.“ Von den gegnerischen Fans komme es dagegen schon mal vor, dass sie sich rassistisch äußern. Rassismus als reines US-Problem? Mitnichten.

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