Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Otto Thybussek wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden

Das Sportporträt

Die Segelflieger am Dorstener Kanal gehören zum Stadtbild von Dorsten. Der Spaziergang zum Flugplatz? Eine Selbstverständlichkeit. Der Mann, der nach dem Zweiten Weltkrieg Segelfliegen in Dorsten wieder salonfähig machte, war Otto Thybussek. Am 8. Mai hätte der Luftfahrtpionier seinen 100. Geburtstag gefeiert.

DORSTEN

02.06.2014 / Lesedauer: 4 min
Otto Thybussek wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden

Otto Thybussek (r. mit Tochter Sybille) gratuliert der ersten Dorstener Segelfliegerin zum Alleinflug. Die hieß damals Marlies Imberg (3.v.l.) und ist seit Jahrzehnten die Ehefrau von Heinz Kleine-Vossbeck, der selbst ein Stück Dorstener Fluggeschichte ist.

1935 wurde Thybussek Militärpilot und stieg zur damals höchsten Qualifikation auf: Er wurde Blindfluglehrer. So nannte man damals den Instrumentenflug. In tausenden von Flugstunden lehrte er junge Piloten die Kunst, mit Stoppuhr und Wendezeiger ein Flugzeug ohne Radar durch Nacht, Wolken und Unwetter zu fliegen. „Er war ein Meister seines Fachs, der im völligen Nebel mit einer Ju 52 starten und landen konnte“, erinnerte sich zu Lebzeiten eine andere Legende der Dorstener Flieger, Werner Thiele. Allerdings: Einmal ging so ein aus heutiger Sicht unmöglicher Flug schief. Ein Flugschüler machte bei einem Prüfungsflug einen Fehler, als ein Motor einer in Frankreich gebauten „Beutemaschine“ vom Typ Caudron ausfiel und flog bei Königsberg gegen einen Schornstein. Thybussek überlebte, verlor aber ein Bein bei diesem Absturz. Eine Behinderung, durch die sich das Energiebündel nie behindern ließ. Nach dem Krieg wurde der Segelflug Thybusseks Passion. Er hatte nichts von seinen Fähigkeiten verlernt und sein Traum war es, in einer Gewitterwolke einen Höhenflug von 5000 Meter zu absolvieren, um so den Brillanten für das goldene Segelfliegerabzeichen zu erwerben. Damals eine fast unmögliche Übung.

Im Mai 1958 sichtete der alte Adler eine solche Wolke über den Borkenbergen, setzte sich in die aus Holz gebaute KA 6 und startete zu diesem Höllenflug. Es existiert ein Tondokument eines Radiointerviews aus dem Jahre 1981, als Otto Thybussek selbst dem WDR-Reporter Hajo Jahn die Geschichte des Fluges erzählt. „Ich startete per Windenschlepp und klinkte in etwa 400 Meter das Seil aus. Sofort erreichte ich das Aufwindfeld der riesigen Gewitterwolke und stieg mit etwa vier Metern in der Sekunde auf über 1000 Meter. In der Zeit ließ ich den Wendezeiger, ein primitiver künstlicher Horizont, den ich eingebaut hatte, warm laufen und dann tauchte ich in die Wolke ein. Ohne Sicht und bei strömendem Regen zog mich die Wolke mit mehr als zehn Meter pro Sekunde in die Höhe. Die Gefahr lag darin, dass dicht neben der Steigzone auch Fallwinde mit gleicher Geschwindigkeit lagen. Es krachte fürchterlich in dem Holzvogel, aber ich hatte immer ein gutes Gefühl“, sagte Thybussek damals.

In einer Höhe von etwa 4000 Metern fing er an, sich mit Rechenaufgaben selbst zu überprüfen, ob er wegen des knappen Sauerstoffs nicht höhenkrank geworden war. „Ich hatte bei der Luftwaffe spezielle Trainings gehabt. Alles war gut und dann kam ich in eine Zone, wo es kirchenstill wurde und mich der Aufwind so in den Himmel zog, als ob ein Engel die Maschine anhob. In etwa 5500 Meter war dann die Kraft des Wolkenturmes erloschen. Das Flugzeug war völlig vereist und sah aus wie eine kandierte Frucht. Ich zog die Sturzflugbremsen, drehte in einer vorsichtigen Kurve in Richtung Borkenberge ein und ging dann in Spiralen in einen schnellen Sinkflug. Nach knapp einer Stunde war der ganze Spuk vorbei und ich war wieder am Boden“, sagte Thybussek in dem Interview, das den damals als Hobbyflieger aktiven Reporter Hajo Jahn sprachlos machte. Otto Thybussek bekam für diesen Flug seine Brillanten und wurde von Egon Graf Westerholt mit dem „Blauen Band der Borkenberge“, einem damals sehr renommierten Fliegerpreis, den zuvor nur der Jagdflieger-General Adolf Galland erhalten hatte, ausgezeichnet.

Am Boden setzte Thybussek mit seinen Freunden den Plan vom Flugplatz in Dorsten um und war der Motor beim Bau des Geländes am Kanal. Bis zu seinem Ableben im Jahre 1999 war Otto Thybussek Berater und so etwas wie der Vater der Dorstener Segelflieger. Er ist bis heute bei seinen Fliegern unvergessen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt