Der Dorstener Rennfahrer Oliver Sprungmann musste zuletzt einen Nackenschlag verkraften. Sein letztes Wochenende am Nürburgring entschädigte ihn aber für vieles.

Dorsten

, 23.07.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Teilnahme an der Doppelveranstaltung der Nürburgring Langstreckenserie (NLS) war für den Dorstener Rennfahrer Oliver Sprungmann das erklärte Ziel. Nach dem ernüchternden frühen Aus beim letzten Start wollten es Sprungmann und sein Partner im OVR-Racing-Team, Ralph Caba, besser machen.

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Tuner Schropp, bei denen Sprungmann sein Wagen modifizieren lässt, hatte dafür die komplette Abgasanlage des Ford Mustang GT, das Rennauto Sprungmanns, verbessert und schickte den Boliden auch gleich noch mit zwei neuen Endschalldämpfern zurück auf die Nordschleife. Und die Mühe sollte sich auszahlen.

Schon am Freitagnachmittag, dem ersten Tag, zeigte die Lautstärkenmessung mit fünf Dezibel unter dem vorgegeben Grenzwert von 130 das erhoffte positive Ergebnis. „Das war enorm wichtig, jetzt konnten wir uns in Ruhe auf das Rennen konzentrieren“, sagte Sprungmann.

Der Adrenalinpegel war teilweise ziemlich hoch im Rennauto.

Der Adrenalinpegel war teilweise ziemlich hoch im Rennauto. © Privat

Mit 9:34 Minuten qualifizierte sich das Team am Samstagmorgen im Qualifying des 60. ADAC-Reinoldus-Langstreckenrennens etwa im Mittelfeld des rund 150 Teilnehmer umfassenden Starterfelds.

Caba übergab nach einem sicheren Start das Cockpit an Sprungmann zum zweiten Törn. Der überholte noch auf der Grand-Prix-Strecke die ersten Mitkonkurrenten. Später auf der Nordschleife nutzte Sprungmann die äußeren Bedingungen mit relativer kühler Luft und der optimierten, neuen Abgasanlage bis an die Leistungsgrenze aus.

„Das Auto hat nun ein etwas breiter nutzbares Drehzahlband und hängt hervorragend am Gas“, freut sich der Rennfahrer. Das zeigte sich speziell auf dem schnellsten Teil der Strecke, der „Döttinger Höhe“, wo er sich sogar im Windschatten der GT3 Boliden halten konnte.

Im letzten Durchgang wurde es noch einmal richtig eng

Den dritten und letzten Durchgang übernahm erneut Caba mit der klaren Marschroute, nichts riskieren zu wollen. „Wir wollten auf jeden Fall ankommen“, so Caba. Allerdings wurde es für ihn unterwegs noch einmal richtig eng, als ihn ein Lamborghini beim Überholen am Heck berührte.

Die dabei entstandenen, leichten Beschädigungen im Heckbereich steckte das bullige, ur-amerikanische „Muscle Car“ locker weg und so freute sich das Team nicht nur über die Zielankunft, sondern feierte auch ausgelassen den damit verbundenen ersten Klassensieg der neuen Saison. „Wir haben endlich wieder die Zielflagge gesehen. Das ist als Privatteam auf der Nordschleife keine Selbstverständlichkeit“, sagte Sprungmann stolz.

Oliver Sprungmann und Ralph Caba zusammen vor ihrem Mustang.

Oliver Sprungmann und Ralph Caba zusammen vor ihrem Mustang. © Privat

Nach der Pflicht sollte es im zweiten Rennen am Sonntag nun die Kür werden. Und das wollte man auch schon im Qualifying zeigen. Doch zu viele Gelbphasen und „Code-60“-Zonen verhinderten schnelle Zeiten. So war man am Ende mit Platz 83 zwar etwas besser platziert als am Vortag, aber doch nicht ganz zufrieden.

„Es hat alles gepasst“

In der hektischen Startphase musste sich Sprungmann zunächst aus der vorletzten Reihe der eng gestaffelten, zweiten Startgruppe nach vorne kämpfen. Und das gelang ihm hervorragend, denn schon in seiner ersten freien Rennrunde ließ er einige Teilnehmer hinter sich.

„Es hat alles gepasst. Das Auto war top. Ich konnte schnell und gefahrlos überholen.“ So im Tunnel sah er unterwegs am „Flugplatz“ plötzlich einen Pulk der wesentlich schnelleren GT3-Fahrzeuge aus der Spitzengruppe heran rauschen. Nur einen Augenblick später tauchte auch schon einer dieser völlig überraschend direkt links neben ihm auf.

Obwohl selbst absolut „am Anschlag“ unterwegs, konnte Sprungmann gerade noch nach rechts ausweichen, kam aber dadurch mit zwei Rädern auf die Grasnarbe. Cool hielt er in dieser heiklen Situation das Lenkrad stur in Geradeausstellung und durchfuhr so zwar in einer riesigen Staubwolke, aber noch immer im Rennen die Gefahrenstelle.

In nur fünf Runden bis auf Platz 65 gefahren

Mit schnellen Rundenzeiten hielt er den Mustang danach weiterhin in Schwung und fuhr in einem wahren Parforceritt in nur fünf Runden bis auf Platz 65 vor. Allerdings wurde sein ungestümer Vorwärtsdrang jäh gestoppt, als seine Boxencrew ihn mit einem Funkspruch aus Sicherheitsgründen zum Nachtanken etwas früher als geplant zurück rief.

Caba fuhr danach routiniert seine Runde zu Ende und übergab für den letzten Teil erneut an Sprungmann. Aber auch der hielt nun den Adrenalinpegel etwas niedriger und brachte mit konstanten Runden den Boliden so auch beim zweiten Start sicher ins Ziel.

Oliver Sprungmann (l.) und Ralph Caba freuten sich über ihre Pokale.

Oliver Sprungmann (l.) und Ralph Caba freuten sich über ihre Pokale. © Privat

Die Belohnung für zwei am Ende tolle Rennen folgte bei der Pokalübergabe für den zweiten Klassensieg an diesem ganz besonderen Wochenende. Sprungmann sagt rückblickend: „Wir konnten am absoluten Limit fahren, hatten eine tolle Feierabendstimmung und wollten gar nicht mehr weg vom Ring.“

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