Die Rennpause am Nürburgring ist zu Ende

dzMotorsport

Die Fußball-Bundesliga kämpft sich durch ihre Geisterspiele, die Basketballer ermitteln ihren Meister in Turnierform. Jetzt versucht auch der Motorsport am Nürburgring sein Comeback nach Corona.

Schermbeck

, 27.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings am heimischen Computer? Wegen der Corona-Pandemie musste sich der Schermbecker Moritz Oberheim wohl oder übel damit anfreunden. Doch jetzt kann er endlich wieder in ein echtes Cockpit steigen: Mit der 51. Adenauer ADAC Rundstrecken-Trophy wird an diesem Samstag die Saison der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) doch noch eröffnet.

Lange hatte das am seidenen Faden gehangen. Doch am 9. Juni segnete die zuständige Kreisverwaltung Ahr schließlich das von den NLS-Verantwortlichen entwickelte Schutzkonzept ab – die Rennen können stattfinden. Doch die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm.

Moritz Oberheim

Moritz Oberheim ist überglücklich, dass die Nürburgring Langstrecken-Serie endlich beginnt und fiebert dem ersten Rennen entgegen. © Horst Lehr

Die Rennen finden ohne Zuschauer statt. Die Boxengasse wird nur noch fürs Betanken der Rennwagen genutzt, die Werkstätten der Teams werden ins weitläufige Areal des Fahrerlagers verlegt, wo zu diesem Zweck für jedes Team Zelte aufgebaut werden. Für alle Beteiligten gilt Maskenpflicht. Die Verantwortlichen wollen unbedingt verhindern, dass die Rennen am Ring zu einem ähnlichen Fiasko geraten wie die Adria-Tour der Tennisspieler.

Dort hatten allerdings gänzlich andere Sicherheitsstandards geherrscht, nämlich fast gar keine. Zuschauer waren nicht nur erlaubt, sondern saßen dichtgedrängt und ohne Masken auf den Tribünen, Spieler umarmten sich und feierten abends gemeinsam in Clubs – mit entsprechenden Infizierungsfolgen und passendem Medienecho.

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Derlei Bärendienste wollen die Motorsportler sich am Nürburgring natürlich nicht erweisen. Doch es gibt auch mahnende Stimmen. „Ich hoffe, dass auch die Hardcorefans die nötige Disziplin zeigen“, sagt Horst Lehr, seit Jahrzehnten am Nürburgring und im Rallyesport live dabei und für die Dorstener Zeitung als Berichterstatter tätig: „Die großen Zufahrtsstraßen lassen sich gut kontrollieren, aber es handelt sich ja hier um ein Areal von 20 Kilometern. Die Insider wissen genau, wo sie sich da in die Büsche schlagen müssen, um querfeldein zu Schlüsselstellen der Strecke wie dem Brünnchen zu pilgern.“ Nur wenn auch dabei auf Hygiene und Abstand geachtet werde, könne das Saisonkonzept der Langstrecken-Serie Erfolg haben.

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Angesetzt ist die Serie auf acht Rennen. Ein Novum sind dabei eine Doppelveranstaltung am 11. und 12. Juli sowie das späte Saisonfinale am 21. November. Christian Stephani, Geschäftsführer VLN VV GmbH & Co. KG, spricht von Kompromissen, die man eingehen müsse: „Das ist nicht optimal, aber im Moment einfach alternativlos.“ Grundsätzlich überwiegt aber natürlich bei ihm und allen Beteiligten die Freude, dass es endlich wieder „richtige“ Rennen gibt.

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Moritz Oberheim geht für das AVIA Sorg Racing Team an den Start und wird zwei verschiedene BMW-Modelle fahren. Eines davon mussten die Sorg-Mechaniker in der vergangenen Woche noch eilig wieder reparieren. Ein langsamerer Porsche hatte Moritz Oberheim beim Überholvorgang von der Strecke geschossen. Beide Fahrer kamen ohne Blessuren davon, doch Oberheims Bolide war durch den Crash in die Leitplanken doch sichtlich ramponiert. Da nutzte auch die Entschuldigung des Porsche-Fahrers nichts.

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