2015 rutschte der Schermbecker Rennfahrer Moritz Oberheim spontan in ein Cockpit. Seitdem holte er mehrere Meistertitel.

Schermbeck

, 31.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Schermbecker Rennfahrer Moritz Oberheim hat sich in den vergangenen fünf Jahren mit nunmehr drei Meistertiteln immer stärker hin zu einem echten Nordschleifenroutinier entwickelt. Begonnen hatte alles im Februar 2015.

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Da nahm er am DMSB-Permit, dem Pflichtlehrgang für Rennfahrer am Nürburgring, teil. Mit Michele di Martino traf er auf einen alten Bekannten aus Kartzeiten, dessen Vater ihn fragte, ob er einmal ihren Rennwagen, einen BMW-235i-Cup, fahren möchte. Oberheim sagte spontan zu und hatte am Ende der Trainingssession zur Überraschung aller die Topzeit von 9:35 Minuten auf der Uhr stehen.

Di Martino war total begeistert

Vater di Martino war total begeistert und sagte damals spontan, dass Oberheim die richtige Ergänzung für das Team wäre. Damit hatte der 18-jährige Youngster sein erstes Cockpit sicher. Was sich im Saisonverlauf daraus entwickeln würde, konnte damals noch keiner ahnen – denn 2015 war das Jahr der beiden Youngster.

2015 war das erste Jahr von Moritz Oberheim zusammen mit seinem Freund Michele di Martino.

2015 war das erste Jahr von Moritz Oberheim zusammen mit seinem Freund Michele di Martino. © Horst Lehr

Oberheim und di Martino überraschten im BMW-M235i-Cup nicht nur mit einem Klassensieg beim Highlight des Jahres, dem 24-Stunden-Rennen. Sie holten sich sogar im Saisonverlauf auch noch die Siegerkrone im stark besetzten Feld und wurden damit gleichzeitig VLN-Juniormeister.

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Nach einem dramatischen Finale mit einem für ihn guten Ausgang sagte Oberheim überglücklich, dass „es einfach unglaublich ist, dass wir trotz Crash Meister geworden sind“. Damit erfüllte sich für den erst 18-jährigen Schermbecker Rookie gleich im ersten Jahr ein Rennfahrertraum.

Phänomenaler Siegeszug

2016 erkannte Teamchef Karl-Heinz Teichmann Oberheims großes Talent und nahm ihn für eine Saison in der erstmalig ausgeschriebenen „Cayman-GT4-Trophy-by-Manthey-Racing“ unter Vertrag. Zusammen mit seinem Teamkollege Marc Henericci, einem profunden Nordschleifenkenner, sollte sich diese Saison zu einem weiteren Highlight in der noch jungen Karriere Oberheims entwickeln.

Dem Duo gelang ein phänomenaler Siegeszug, in dem sie acht von zehn Rennen gewinnen konnten. In besonderer Erinnerung blieb Oberheim eine ganz spezielle Rennszene bei Lauf vier. Da nutzte er in der letzten Runde die „Hohenrainschikane“ als einzig noch verbleibende Chance. Mit einem atemberaubenden Manöver aus dem Windschatten heraus überholte er noch seinen Vordermann.

„Das war das absolute Highlight“

„Das war fahrerisch das absolute Highlight gewesen“, erinnert sich Oberheim. Teamchef Teichmann spendierte ihm als Belohnung einen Renneinsatz in einem der 530 PS starken 911-GT3-CUP-Porsche.

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2017 bekam er von dem wohl erfolgreichsten Team am Ring, „Manthey-Racing“, einen Vertrag als Entwicklungsfahrer für den in Planung befindlichen neuen Porsche Cayman für die Folgesaison. „In dem Jahr habe ich unglaublich viel gelernt“, so Oberheim. „Was mir aber bei jedem Start gefehlt hat, war der echte Wettbewerbsgedanke.“

Deswegen wechselte er ein Jahr später wieder. Mit dem Wechsel in das Cockpit des „MB-AMG-GT4“ des „Black-Falcon-Racing-Teams erlebte er einen technologischen Quantensprung. In diesem neuen Rennfahrzeug lernte Oberheim erstmals die Vorzüge einer Traktionskontrolle mit ABS in verschiedenen Einstellstufen kennen und bescherte dem Team mit dem historischen Sieg beim ersten Rennen auch den weltweit ersten offiziellen Rennsieg im Kundensportbereich der neuen GT 4 Klasse.

Vizetitel ärgerte Oberheim

Am Ende reichte es aber trotz weiterer Top-Platzierungen und schnellsten Runden aufgrund technischer Probleme nur zum Vizetitel in der Meisterschaft. Was ihn bis heute noch beschäftigt, ist die Frage zu seinem Unfall beim Nachttraining zum 24-Stunden-Rennen. Oberheim sagt: „Da habe ich bei Tempo 230 am Schwedenkreuz das Heck verloren und wir wissen bis heute nicht warum.“

2019 startete er Oberheim erneut in einer der am stärksten besetzten Rennklassen und übernahm für das „Avia-Sorg-Racing-Team“ das Cockpit in einem BMW-240i-Cup. Dabei erlebte der Schermbecker ein Wechselbad der Gefühle, denn neben einem Klassensieg, weiteren Top-Platzierungen und schnellsten Runden musste er auch Niederlagen und Enttäuschungen wegstecken.

Motiviert hat ihn über die gesamte Saison der harte Zweikampf auf Augenhöhe mit den anderen Topteams. Doch im modernen Rennsport reicht es nicht mehr der schnellste Mann auf der Piste zu sein, es müssen auch die Rahmenbedingungen zusammen passen. Bei der Siegerehrung freute sich Oberheim dennoch über den dritten Platz, sagte aber: „Es wäre sicherlich mehr möglich gewesen“, und nennt unter anderem mehrere unverschuldete Rennunfälle und technische Probleme als Begründung.

Oberheim bleibt seinem Team treu

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hatte Oberheim diesmal vor Jahresende 2019 schon einen neuen Fahrervertrag für die Saison 2020 unterschrieben. „Es war cool, noch vor Weihnachten den Vertrag in der Tasche zu haben. Ich werde beim „Avia-Sorg-Racing-Team“ weitermachen und mit zwei verschiedenen BMW-Rennwagen an den Start gehen. Geschäftsführer Daniel Sorg sagte bei der Vertragsunterzeichnung: „Oberheims sehr gute fahrerischen Leistungen und seine hervorragende Teamarbeit haben uns absolut überzeugt.“

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Oberheim, der sich zusammen mit dem Team intensiv auf den ersten Rennstart nach dem Lockdown vorbereitet hat, wünscht sich, dass dabei alles gut geht. „Hoffentlich erleben wir alle bald wieder eine gewisse Normalität im Rennbetrieb.“

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