Mit Schmetterling von Wulfen nach Berlin

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In seinem Vereins-Polohemd sieht man Moritz Brinkmann den Schwimmer auf den ersten Blick gar nicht an. Doch der Wulfener gehört zu den größten Talenten seiner Sportart in Dorsten.

Wulfen

, 06.06.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein Schulrucksack trägt das Logo von Borussia Dortmund. Doch für den Fußball ist Moritz Brinkmann vor sechs Jahren verloren gegangen. Dabei hat er bis 2013 selbst beim SC Blau-Weiß Wulfen gekickt. „Versuch‘s doch mal“, sagte Mama Ulrike damals − und meinte die Sportart, in der sie selbst einst erfolgreich gewesen war: Schwimmen.

Der siebenjährige Moritz folgte dem Rat. Sein neuer Verein hieß SV Delphin Dorsten, seine Trainerin Griseldis Stewing, und die merkte schnell, dass der Junge Talent hatte. Auch Moritz fühlte sich im Wasser wohler als auf dem Rasen, und als seine Trainerin ihm 2016 vorschlug, an einem Techniklehrgang bei der SG Schwimmen Münster teilzunehmen, war er sofort dabei.

Mit Schmetterling von Wulfen nach Berlin

Moritz Brinkmann schwimmt, seit er sieben ist. Vorher spielte der heute Zwölfjährige Fußball. © Andreas Leistner

Ein halbes Jahr lang ging es zunächst nach Münster. Vater Hans-Jürgen und Mutter Ulrike fuhren, der Sohn trainierte. Zunächst einmal im Monat, dann − als aus dem Techniklehrgang ein Probetraining geworden war − jeden Dienstag und Freitag und inzwischen sechsmal die Woche. „Bis auf mittwochs, da passt es mit der Schule nicht“, sagt Moritz. Doch für diesen Tag bekommt er von seiner Münsteraner Trainerin einen Trainingsplan, den er selbstständig zuhause umsetzen kann.

“Im Wasser wird der Kopf frei“

Zeit für Freunde? Bleibt da natürlich nicht so ganz viel. „Manchmal“, erzählt der Zwölfjährige, „ist es schon ein bisschen doof. Manchmal hab‘ ich Angst, meine Freunde denken, ich hätte keinen Bock, mit ihnen was zu unternehmen, wenn ich wegen eines Wettkampfs zum Beispiel nicht mit ins Kino komme.“ Doch beim Training oder Wettkampf selbst seien diese Gedanken dann schnell wieder verflogen: „Beim Schwimmen kann ich den Kopf richtig frei bekommen“, sagt Moritz.

Mit Schmetterling von Wulfen nach Berlin

Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften will Moritz Brinkmann in den nächsten Jahren unter die Top 5 kommen. © Privat

Und das schlägt sich auch in seinen Leistungen nieder. Zweimal ist er schon NRW-Meister seines Jahrgangs geworden. Seine Speziallage: Schmetterling. Oder Schmett, wie er im Schwimmerjargon sagt. Als NRW-Meister war er in der letzten Maiwoche bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in Berlin dabei und startete über die 100 und 200 m Schmett. Über die kürzere Distanz blieb der Wulfener mit 1:08,64 min eine Sekunde über seiner persönlichen Bestzeit und belegte Platz 13. Das war einen Rang besser als über die 200 m, doch dort stellte Moritz mit 2:33,34 min eine neue persönliche Bestzeit auf. Gerade zu den 100 Metern aber sagte er: „Ich weiß, dass ich es besser kann.“ Und das will er zeigen.

Wechsel in den A-Kader steht an

Nach seinen Zielen gefragt, muss er deshalb nicht lange überlegen: „Neue Bestzeiten schwimmen und bei den DJM unter die Top 5 kommen.“ Da hilft es sicher, dass er nach den Sommerferien vom B- in den A-Kader der SGS Münster wechselt. Das bedeutet noch mehr Training, vielleicht auch schon vor der Schule. Doch Moritz freut sich drauf. Genau wie auf die Bezirksmeisterschaften vor und die Deutschen Freiwassermeisterschaften nach den Ferien. Doch wie hält er die drei trainingsfreien Wochen dazwischen aus? „Ach, das geht schon“, sagt er lächelnd. Zocken sei dann angesagt. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern am PC, mit seinen Kumpels. Auch Schwimmer sind halt ganz normale Jungs.

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