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Michael Seibert trainiert Deutschlands U23-Junioren

dzKanu

Mit einem WM-Titel sollte im Sommer 2017 für Michael Seibert eigentlich Schluss sein als Kanu-Bundestrainer. Doch dann wurde die Stelle bei den U23-Junioren frei.

11.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Endlich einmal zuhause sein und sich um die Familie und seinen Betrieb, die „Kanu Lippe Touren“ kümmern − das war 2017 Michael Seiberts Plan. Doch dann rief der Deutsche Kanu-Verband (DKV) an. Die Stelle des U23-Bundestrainers war vakant und der Dorstener ließ sich nicht lang bitten. „Jetzt“, so Seibert, „bin ich der Horst Hrubesch der Kanuten.“

Genau wie der frühere Fußballer half er seinem Verband in der personellen Bredouille und betreut jetzt sieben junge Männer und Frauen zwischen 18 und 23 Jahren in seiner eigenen Trainingsgruppe in Augsburg. Insgesamt gehören 20 Athleten zum Kader, der aber auf Leistungsstützpunkte verteilt trainiert und nur zu Lehrgängen und Wettkämpfen zusammenkommt.

Keine große Umstellung

Für Michael Seibert bedeutet das keine große Umstellung. Schließlich hatte er fast sein ganzes Leben mit jungen Menschen gearbeitet, und so stand er Mitte Oktober wieder einmal im Bundesleistungszentrum der Kanuten im Augsburger Eiskanal an der Strecke, um seine neuen Schützlinge erstmalig zu beobachten. Er schaute sich die Technik jedes einzelnen in Ruhe an und verbrachte danach noch zwei Tage in persönlichen Gesprächen mit der Mannschaft, um jedem seine Vorstellung vom zukünftigen Training zu vermitteln. „Von der reinen Technik“, so der Trainer, „sind alle schon gut dabei, und die sind so aktiv, dass ich sie teilweise noch vor sich selber schützen muss.“

Die neue Aufgabe ist sicherlich keine leichte, doch Seibert betrachtet sie ganz realistisch und sagt: „Meine Aufgabe ist kein Medaillenregen. Ich will die Nachwuchssportler sicher und konsequent für die A-Nationalmannschaft vorbereiten.“

Trainingslager in Barcelona

Zu einem ersten Auslandstrainingslager nahm Seibert dann auch gleich fünf seiner Jungs mit zur Olympiastrecke in Barcelona. Zusammen mit der Trainingsgruppe des A-Kaders war das eine besondere Erfahrung für die jungen Sportler.

Danach organisierte Seibert noch ein zweites Wildwassertraining im italienischen Ivrea, dem nächsten Austragungsort der U23-WM. Sein Resümee fiel positiv aus: „In Spanien fehlte noch einiges, doch in Italien lief es schon wesentlich besser.“ Die Sportler konnten die Trainingsvorgaben schon besser umsetzen, und auf der Heimfahrt herrschte im Bus ein tolles Klima.“ Für den Winter steht neben Krafttraining auch mindestens eine Wassereinheit pro Tag im Plan. Für seine direkt betreute Gruppe hat Seibert dafür individuelle und für die Mannschaft einen Teamtrainingsplan erstellt. Seibert legt dabei einen besonderen Fokus auf die komplette Distanz eines Rennens und sagt: „Nicht nur das eine nächste Tor ist wichtig, sondern die Fahrweise muss auch immer auf die gesamte Strecke passen.“

Michael Seibert trainiert Deutschlands U23-Junioren

Tim Bremer von den Kanu-Freunden Wiking Gladbeck ist einer von Michael Seiberts Schützlingen. © Privat

Dabei berücksichtigt er auch speziell die körperliche Belastbarkeit seiner Truppe, denn diese ist natürlich noch nicht so ausgeprägt wie bei den Senioren. Er sagt: „Ich reiche allen die Angel, die Fische müssen sie aber selber fangen.“

Mit dabei ist auch der 19-jährige Gladbecker Tim Bremer. Er gehört zu den Kanu-Freunden Wiking Gladbeck, die ihren Trainingsstützpunkt in ihrem Vereinsheim an der Lippe in Dorsten-Östrich haben. Bremer hat schon erste Erfahrungen bei der Junioren-WM gesammelt und ist momentan bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr in Augsburg stationiert. Er hatte bisher mit dem NRW-Trainer gearbeitet und Seibert sagt: „Der Junge passt sehr gut in die Truppe.“

Klare Vorstellungen

Seine Ziele hat der Bundestrainer schon klar umrissen. Er will im April/Mai möglichst viele seiner Boote durch die Qualifikation für den deutschen A-Kader bringen. Dafür geht es im Februar mit der gesamten Mannschaft zu einem weiteren Trainingslager nach Dubai. Daran werden sich im März dann gezielte internationale Einsätze anschließen, bei denen sich die jungen Sportler die notwendige Wettkampfpraxis holen sollen. Im Sommer stehen dann mit der Teilnahme an den Europa- und Weltmeisterschaften die Saisonhöhepunkte an. Da will Seibert mit der maximalen Mannschafts- und Bootsstärke die deutschen Fahnen hochhalten.

Der Kanu- und Wildwassersport ist in seiner ganzen Härte etwas für Individualisten. Das kann auch manchmal unbequem sein, aber Seibert glaubt an sich und die Sportler. Er sagt: „Wenn ich es schaffe, dass die Mannschaft mich fordert, sind wir auf einem guten Weg.“

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