Von Corona gebeutelter Personal Trainer bietet anderen seine Hilfe an

dzSport in der Krise

Als Personal Trainer gehört Meik Tregel zu denen, deren wirtschaftliche Existenz durch Corona massiv bedroht ist. Solange er nicht arbeiten darf, will er aber wenigstens eins: helfen.

Dorsten, Wulfen

, 21.03.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Meik Tregel hat Zeit. Viel Zeit. So viel wie in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr. Schuld ist Corona. Als Personal Trainer arbeitet Tregel mit seinen Kunden hauptsächlich in Fitness-Studios, und die sind seit dieser Woche per behördlicher Verordnung geschlossen.

Tregel ist also zur Untätigkeit verdammt. Corona bedeutet für ihn starke finanzielle Verluste: „Bis zu 90 Prozent!“ Doch er hat auch Verständnis für die Maßnahmen: „In den Studios mag jeder die Sitze der Geräte abwischen. Aber die Hanteln putzt keiner ...“ Die Übertragung des Virus ist da im Grunde unvermeidlich.

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Zweifel hat Tregel allerdings an der grundlegenden Strategie, mit der die Behörden die Corona-Krise eindämmen wollen. „Wäre es nicht sinnvoller gewesen, nur die Risikogruppen, also alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen in Quarantäne zu nehmen?“, fragt er. Seiner Meinung nach wären die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie dann nicht so dramatisch geworden, wie sie es für viele Branchen werden wird.

Viele bieten Hilfe an

Die Hilfe, die ihm Freunde und viele Kunden angeboten haben, greife ins Leere, sagt er: „Viele wollen mich schon im Voraus für Mai, Juni oder Juli buchen.“ Doch das löse nicht das Problem. „Und das“, so Tregel, „sind die laufenden Kosten, die ich ja jetzt und heute bezahlen muss. Ein Vorschuss meiner Kunden wäre ja im Grunde nichts anderes als ein Kredit, wie ihn manche Politiker vollmundig versprechen.“

Bei der Suche nach einer Lösung verweist Meik Tregel auf Bayern: „Dort gibt es für Betroffene 5000 Euro Sofortgeld. Ob es das in NRW auch geben wird? Wage ich zu bezweifeln.“

Zweifel an der Menschheit

Zweifel beschlichen den 43-Jährigen in den vergangenen Tagen auch an der Menschheit. Nicht, weil er die Informationspolitik der Behörden anfangs für zu schleppend hielt. Es waren viel profanere Erlebnisse: „Da wird im Supermarkt plötzlich geschubst und gestoßen. Es ist unglaublich, wie die Menschen in solchen Situationen verrohen.“ Für Meik Tregel stand deshalb fest: Wenn er schon zur beruflichen Untätigkeit verdammt ist, dann will er wenigstens einen Beitrag leisten, um die Krise für einige seiner Mitmenschen etwas erträglicher zu machen.

Auf Facebook bot er seine Hilfe an: „Wenn ihr etwas braucht, bitte melden. Ich habe zur Zeit mehr Zeit und möchte euch, wenn ihr zu der Risikogruppe gehört, helfen.“ Im Hausflur hängte er Zettel auf, um seine Nachbarn auf sein Angebot aufmerksam zu machen. Die bisherige Resonanz? „Null“, sagt Tregel, „ich bin echt überrascht.“

Es wäre eine andere Art von Hilfe, als er sie sonst gibt. Sonst hilft Meik Tregel seinen Kunden dabei, ihrer Traumfigur näher zu kommen. Er bietet verschiedenste Programme an. Vom „What-a-Man“ und „Train4Arnold“ für die Männer bis zu „Cinderella“, „Mom‘s Fitness“ und der Hochzeitsvorbereitung für die Frauen.

Meik Tregel, Alex Schult, Venice Beach

Am Venice Beach frönen die Kalifornier ihrem Fitness-Kult. Für Meik Tregel (hier mit Alex Schult) derzeit nur eine bitterschöne Erinnerung. © Privat

Mit seinen Bootcamps hat er dabei scheinbar eine echte Marktlücke gefunden. Wobei der Begriff Bootcamp ein wenig irreführend ist. Gewiss: Bei den einwöchigen Tripps wird zweimal am Tag trainiert, und da kennt Tregel keine Gnade. Doch das Ambiente dieser Trainingseinheiten ist schon ein besonderes: Los Angeles.

„Jeder, der Fitness-Training macht, träumt davon, einmal hier zu trainieren“, erzählt der Personal Trainer. Venice Beach, die Trainingsmeile am Pazifik, gehört ebenso zu den Stationen, die er mit seinen Kunden besucht, wie das Gold‘s Gym, unter Fitness-Fans und Bodybuildern so etwas wie das Maracana oder das Wembleystadion für Fußballer. „Da haben wir auch schon mal neben Ralf Möller trainiert“, erzählt Meik Tregel, und als er zuletzt mit Alex Schult aus Schermbeck im Gold‘s Gym trainierte, nahm der vierfache Mr. Universum Mike O‘Hearn dort ein Video auf. „Mit Alex im Hintergrund!“

Meik Tregel und Alex Schult im Gold's Gym

Im Gold‘s Gym (l.) trainieren Berühmtheiten wie Ralf Möller oder der vierfache Mr. Universum Mike O‘Hearn. © Privat

Neben solchen Schmankerln bietet der Personal Trainer seinen Kunden in L.A. auch noch exklusives Sightseeing. „Ich kann mittlerweile sagen, dass ich dort fast local bin“, erklärt er. Dementsprechd gut kennt er sich aus und kann nicht nur die üblichen Hot Spots, sondern auch weniger bekannte, dafür aber nicht minder interessante Plätze der Stadt zeigen.

Doch Los Angeles ist von Dorsten gerade ebenso weit entfernt wie Meik Tregel von einem normalen Arbeitsleben. „Ich hatte am Donnerstag zum ersten Mal seit sechs Jahren einen Tag, an dem ich wirklich gar nichts tun musste.“ Wann sich das beruflich wieder ändert, ist nicht absehbar. Doch bis dahin will er die freie Zeit sinnvoll nutzen. „Ruft mich an!“ 0176 - 456 28 103.

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