Lena Kappe fährt zur Sportschützen-DM

RHADE Sie ist eigentlich Linkshänderin, schießt aber mit rechts. Und das sehr gut: Ende August fährt die Rhaderin Lena Kappe zum vierten Mal in Folge zur Deutschen Meisterschaft der Sportschützen nach München.

04.07.2008, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Zwölfjährige infizierte sie Vater Bernhard - selbst passionierter Sportschütze - mit dem Virus dieser Sportart. Lena schloss sich den Sportschützen Raesfeld an, weil die über einen Kleinkaliber-Schießstand verfügten. Das war 2002 und seitdem ging es für die junge Rhaderin rasant voran. Schon 2004 gehörte sie zum westfälischen Landeskader, 2005 qualifizierte sie sich erstmals für die DM.

DM ist was Besonderes

Landestitelkämpfe zählen für die 18-Jährige mittlerweile fast zum Alltag. Die Pokale, die sich auf ihrem Kleiderschrank drängen, hat sie nicht gezählt. Trotzdem: „Die Deutsche ist immer etwas ganz Besonderes“, erzählt sie mit strahlenden Augen von der Atmosphäre auf dem riesigen Schießstand des Münchener Olympia-Parks: „Da stehen dann nicht zwei oder drei Leute hinter dir, sondern 200 und mehr!“

Und wenn dann auch noch die absolute Elite der deutschen Sportschützen die Scheiben rechts und links ins Visier nimmt, prallt das auch an der erfolgreichen Rhaderin nicht einfach ab: „Das ist Adrenalin pur! Da zittert dir die Hand!“

Damit sie trotzdem ruhig zielen kann, haben Lena und ihre Kolleginnen aus dem westfälischen Landeskader natürlich Methoden der Konzentration erlernt. „Jede wählt dann daraus ihre eigene aus“, erläutert sie, dass Musikhören für sie zum Beispiel nicht zur Vorbereitung gehört: „Da kriegt man nur einen Ohrwurm und wird ihn dann beim Zielen nicht mehr los.“

Augen aufwärmen

Die Vorbereitung auf den Wettkampf beginnt in München schon Stunden vor dem ersten Schuss. Anfahrt, Waffenkontrolle, Konzentrationsphase - selbst die Augen wollen aufgewärmt sein: Mithilfe des vor und zurück bewegten Daumens üben die Schützen das Fokussieren.

Bei der letzten Landesmeisterschaft in Dortmund wurde Lena sowohl mit der Luft- als auch mit der Sportpistole Vizemeisterin. Ein Ergebnis, das in München außer Reichweite ist. Noch: „Im Moment ist die Konkurrenz aus den ostdeutschen Sportinternaten doch zu stark. Aber in ein paar Jahren möchte ich in der Einzelwertung mal unter die ersten Zehn kommen und mit der Mannschaft vielleicht sogar unter die ersten Drei“, hat Lena noch Ehrgeiz und Ziele.

Aufwändiges Training

Dafür wird aber weiterhin viel Training notwendig sein; bei Auswahltrainerin Uschi Seifert und den Raesfelder Heimtrainern Hartmut Halke, Heiner Buß und Volker Abrath. Fünf bis sechs Stunden sind es mindestens pro Woche, vor Wettkämpfen natürlich mehr. Hinzu kommen die regelmäßigen Auswahl-Lehrgänge an den Wochenenden. Ein Programm, das die angehende Malerin und Lackiererin ohne das Entgegenkommen ihres Chefs Markus Löken gar nicht schaffen könnte.

Nach der DM will die junge Rhaderin dann den Umstieg von der rechten auf die linke Hand versuchen. Ein großer Schritt, bedenkt man, dass der individuell an die Hand des Schützen angepasste Pistolengriff schon nachgearbeitet wird, wenn sich die Muskulatur der Hand - zum Beispiel infolge beruflicher Belastung - verändert. Doch alles spricht dafür, dass Lena es schafft. Quasi mit links.

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