Dorstener Kartfahrer Nick Klein-Ridder steigt um

dzMotorsport

Kartfahren war Nick Klein-Ridders große Leidenschaft. Doch dann musste der 14-Jährige lernen, dass Talent in diesem Sport nicht alles ist. Er stieg aus. Doch jetzt hat der Motorsport ihn wieder.

Holsterhausen

, 07.10.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier Alu-Felgen in einer Ecke neben dem Tor sind alles, was in Thomas Klein-Ridders Garage noch an die Kart-Karriere seines Sohnes Nick erinnert. Dabei war der 14-Jährige ein sehr erfolgreicher Fahrer. Bis vor ein paar Monaten. Da stieg der junge Holsterhausener aus. Nicht, weil er kein Feuer mehr für seinen Sport spürte. Nick Klein-Ridder fehlte nur eines: Geld.

Thomas und Nick Klein-Ridder

Thomas Klein-Ridder unterstützte seinen Sohn Nick schon bei dessen Kart-Karriere als Mechaniker. Das tut er auch beim Crossfahren, aber: "Da gibt es viel weniger zu schrauben." © Andreas Leistner

Im April 2020 war das Maß für den Holsterhausener voll. Beim Training auf der Hausstrecke von Michael Schumacher in Kerpen war er schnell unterwegs. Deutlich schneller als ein Konkurrent. Doch dann kaufte der sich kurzerhand einen neuen Motor und zeigte Nick Klein-Ridder fortan nur noch das Heck seines Karts.

Nicht das erste Frusterlebnis

“So ein Motor kostet 3000 bis 4000 Euro“, erklärt Klein-Ridder junior. In Kerpen stand für ihn fest: „Kartfahren ist reine Geldverballerung!“ Denn das Erlebnis von Kerpen war nicht das erste dieser Art gewesen.

2019 hatte Klein-Ridder gute Aussichten, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. „Die ersten drei durften hin, Nick war Vierter“, erzählt Vater Thomas. Nach einem Motorschaden hatten sich die Dorstener einen Motor bei einem Konkurrenten ausgeliehen. Der war Dritter, und als Nick Klein-Ridder im Training zum entscheidenden Rennen auf Platz eins fuhr, merkte er, dass er den Motor zurück bräuchte.

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Ohne den Leihmotor war Klein-Ridder im Rennen chancenlos und wurde Siebter. Der einzige Trost: Sein Konkurrent wurde mit dem zurückgeholten Motor auch nicht glücklich. Platz sechs in dem Rennen bedeutete auch für ihn das Ende seiner WM-Träume.

Das war im August. Anfang 2020 nahm der Holsterhausener dann noch einen letzten Anlauf. „Ohne zusätzliche Sponsorenhilfe konnten wir den Kartsport nicht mehr finanzieren“, sagt Thomas Klein-Ridder. Doch ausgerechnet in dieser Situation machte Corona es vielen Unternehmen unmöglich, Sponsoring zu betreiben. „Sogar unser Hauptsponsor musste sich zurückziehen. Auf unseren Aufruf über die Dorstener Zeitung meldete sich ein einziger Privatmann, der uns 100 Euro anbot“, erinnert sich Vater Klein-Ridder. Das war das Ende von Nicks Kart-Karriere. Doch im Motorsport öffnete sich eine neue Tür für ihn.

Bekannter lud zum Motocross ein

Ein Bekannter lud uns ein, beim Motocross reinzuschnuppern“, erzählt Klein-Ridder senior. Und schon nach den ersten Trainingsfahrten beim MSC Grenzland in Düren stand für Nick Klein-Ridder fest: „Ich steige um.“

Nick Klen-Ridder

Lenker statt Lenkrad: Nick Klein-Ridders neues Sportgerät ist eine 125er Zweitakter Yamaha. © Privat

Kart und Ausrüstung wurden verkauft und aus dem Erlös zwei 125er Yamaha Crossmotorräder angeschafft. Eine für Nick und eine für Schwester Selina (18). Sie war vorher schon auf der Straße Motorrad gefahren und stieg nun auch ins Crossfahren ein.

“Der Spaßfaktor ist am Anfang vielleicht nicht so da“, sagt Thomas Klein-Ridder mit Blick darauf, dass sein Sohn es gewohnt war, regelmäßig aufs Podium zu fahren, und Nick ergänzt: „Viele sagen, am Anfang sei Crossfahren hart, weil nix gelingt.“ Aber er hat einen anderen Reiz ausgemacht: „Kartfahren war fast schon ein bisschen langweilig. Beim Cross kann immer wieder was Neues passieren. Du darfst dir keine Unaufmerksamkeit leisten, sonst gibt es gleich einen Sturz, und du hast keine Knautschzone.“

“Ein Jahr Kartfahren ist wie fünf Jahre Cross“

Entscheidender Vorteil gegenüber dem Kartsport ist für den Vater aber der: „Ein Jahr Kartfahren kostet so viel wie fünf Jahre Cross.“

Zwei, drei Jahre hartes Training sieht Thomas Klein-Ridder vor seinem Sohn, um auch im Crossfahren erfolgreich zu sein. Die ersten Rennen will Nick schon 2021 fahren.

In Klein-Ridders Garage warten derweil die vier Kartfelgen darauf, dass sie verkauft werden. Platz für Papas Auto gibt es dort aber auch dann nicht. Denn da stehen ja jetzt die beiden Cross-Yamahas.

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