Große Euphorie beim SSV Rhade nach dem historischsten Wochenende der Vereinsgeschichte

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Der SSV Rhade erlebte am Wochenende seinen ersten Bundesliga-Spieltag und feierte den erstmaligen Einzug in den DFB-Pokal durch den erstmaligen Gewinn des Westfalenpokals. Sehen Sie außerdem die Tore des SSV.

Rhade

, 14.09.2020, 13:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich konnte es gar nicht realisieren.“ „Das ist schon Wahnsinn.“ „So kann es weitergehen.“ „ Das ist wie im Traum.“

Die Quintessenz der Worte, die Dieter Müssner, Obmann der Fußballabteilung des SSV Rhade, und Dirk Bessler, Trainer der ersten Damenmannschaft, nach dem vergangenen Wochenende wählten, war: überragend, überwältigend und unbeschreiblich. Hinter der Frauenfußball-Abteilung des SSV Rhade liegt das wohl historischste Wochenende der Vereinsgeschichte.

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Das historische Wochenende begann am Samstag. Die U17-Fußballerinnen der Rhaderinnen traten nach dem Aufstieg zum allerersten Mal in der Bundesliga an. Gegen den SC Bad Neuenhaus zeigte die Mannschaft von Trainer Mike Lerche nicht nur eine starke Leistung. Auch der Verein präsentierte sich von seiner allerbesten Seite. „Das war eine Riesenerleichterung am Samstag, als dann alles so perfekt lief“, sagt Obmann Müssner.

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Gerade was das Organisatorische betraf, war Müssner nervös. Ob und wie das Hygienekonzept funktioniert, war nicht abzusehen. Doch es funktionierte. Reibungslos. Und als Müssner auf das Sportliche zu sprechen kam, war er noch euphorischer. „Wir wussten ja nicht, ob wir mithalten können, wo wir mit unserer Mannschaft stehen. Aber das Spiel hat gezeigt, dass wir kein Kanonenfutter sein müssen. Bei allen Beteiligten spürte man danach die Zufriedenheit.“

Mit dem Samstag endete die Aufregung im Verein aber nicht. Denn am Sonntag stand ein weiteres historisches Ereignis für den SSV Rhade an. Im Westfalenpokal-Finale traf die erste Damenmannschaft, Westfalenligist, auf den Regionalligisten SF Siegen. Der Sieg, das wussten alle im Vorhinein, würde den Einzug in den DFB-Pokal bedeuten. Und dementsprechend gingen die Rhaderinnen dieses Spiel auch an.

Nach 15 Minuten führte Rhade – und das nach einer 200 Kilometer langen Hinfahrt – in Siegen, beim Regionalligisten mit 2:0. Zur Halbzeit stand es 3:0. Am Ende gewann der SSV mit 4:1, vollkommen verdient. „Wir fahren da so lange hin, führen nach 15 Minuten mit 2:0, spielen eine überragende erste Halbzeit. Ich habe mir nur noch die Augen gerieben“, sagte der Trainer des Teams, Dirk Bessler. „Jetzt weiß ich auch, warum ich das mache, obwohl ich dafür kein Geld bekomme!“

Viel vom Sieg hatte der Trainer aber nicht mehr am Sonntag. Bessler musste arbeiten. Eigentlich bereits um 17 Uhr, doch da war er noch an der Seitenlinie. „Die haben meine Schicht zum Glück auf 20 Uhr geschoben“, so der Trainer. Viel gefeiert werden konnte aber auch in Rhade nicht mehr. „Alle mussten schließlich am Montag wieder arbeiten oder zur Schule gehen“, so Müssner.

Immerhin kamen die Spielerinnen und einige Fans noch in Rhade zusammen. Bei ein paar Stücken Pizza und ein, zwei Getränken ließen sie das Spiel noch einmal Revue passieren. „Das war eine schöne Runde, um halb elf haben wir aber auch schon wieder abgeschlossen“, sagte der Obmann.

Eine größere Party soll noch folgen. „Wir werden zusammen was essen gehen und uns das Spiel gemeinsam mit Zuschauern und Fans noch einmal auf Leinwand anschauen“, sagt Bessler. „In diese Richtung ist auf jeden Fall noch etwas geplant“, sagt Müssner.

Der SSV Rhade hat die besten Voraussetzungen

Jetzt wollen beide den Erfolg erst einmal realisieren. Zu erklären ist dieser jedoch leicht. „Das alles ist unsere kontinuierliche Arbeit“, erklärt Müssner. Ob die Damenmannschaft in der Euphorie nun auch die Regionalliga als Ziel für die kommende Saison ausruft? „Nein“, sagt der Trainer Bessler. „Wir nehmen die Euphorie mit, bleiben aber realistisch. Unser Ziel ist es, uns in der Westfalenliga zu etablieren.“ Was mittelfristig aber passiert? Wer weiß. Der SSV Rhade hat beste Voraussetzungen, um diese Erfolgsstory weiterzuschreiben.

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Die U17 spielt Bundesliga und scheint mithalten zu können. Die erste Damenmannschaft der Rhaderinnen ist jung und talentiert und spielt bereits jetzt einen tollen Fußball. „So kann es weitergehen“, sagt deshalb auch Müssner.

Lediglich ein Punkt ärgerte Bessler am Ende des Tages: „Wenn ein Herrenteam den DFB-Pokal erreicht, bekommt der Verein für die Teilnahme 140.000 Euro, glaube ich. Bei einer Damenmannschaft ist es lediglich ein Betrag im vierstelligen Bereich. Das regt mich auf.“

Bereits in zwei Wochen wartet der DFB-Pokal

Viel Zeit zur Aufregung bleibt dem Trainer aber nicht. Denn die Vorfreude auf die erste DFB-Pokalteilnahme ist schon da. Bereits in zwei Wochen (27. September) steht für den SSV Rhade die erste Runde an. Und da im Damenfußball die Bundesligisten erst in der zweiten Runde eingreifen, hätte es nicht viel mehr Losglück für den SSV geben können. Es geht nämlich gegen den Zweitligisten Borussia Bocholt. „Wir können uns also auf ein richtiges Derby freuen“, so Müssner.

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