Geh-Fußball: Bei RW Deuten wird jetzt mit dem Ball gegangen, nicht gerannt

dzWalking Football

Wer hier den Ball in den Lauf passt, der ist verloren. Bei RW Deuten ist die neue Geh-Fußball-Gruppe gestartet. Doch was ist Geh-Fußball eigentlich und was hat Martin Max damit zu tun?

von Niklas Berkel

Deuten

, 26.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Als elf ältere Herrschaften den Kunstrasenplatz mit einem Ball am Fuß betreten, lächeln die Außenstehenden an den Banden ungläubig. Alle hier am Sportplatz bei RW Deuten kennen die Spieler auf dem Platz, ob den Vorsitzenden Norbert Höing oder den dritten Kassierer Karl-Heinz Brüggemann. Was sie eint: Mit dem Fußballspielen haben sie schon lange abgeschlossen – eigentlich. Und doch laufen sie ein, die Fußballschuhe geschnürt. Die "Jüngsten" schleppen Tore an – wenn überhaupt von den Jüngsten gesprochen werden kann. Mit 50 Jahren ist der ehemalige RW-Torwart Jörg Berkel das Küken unter den Akteuren.

Die Liebe zum Sport führt zum Comeback

Was die in rot-weißen Sportsachen gekleideten Ex-Fußballer auch eint, ist die Liebe zum Sport. So ganz aufhören, ohne Ball, ging dann eben doch nicht. Als Stefan Rentmeister eines Abends vom Walking Football – auf Deutsch: Geh-Fußball – erzählte, lauschten die alten Fußballer in Deuten aufmerksam.

"Ich habe das im Rahmen des "FanFit" Projektes des FC Schalke 04 vom ehemaligen Fußball-Profi Martin Max gelernt", sagt Rentmeister. "Da dachte ich, es wäre doch für uns in Deuten eine gute Idee." Geh-Fußball ist die Alternative für alle, die nicht mehr mit der gewohnten Intensität spielen können, aber den Fuß nicht vom runden Leder lassen wollen.

Die Sportart Walking Football, oder eben Geh-Fußball, erlebt in Deutschland derzeit einen kleinen Aufwärtstrend. Viele haben Geh-Fußball-Abteilungen in ihren Vereinen etabliert. In Dorsten ist RW Deuten der erste Verein, der Geh-Fußball anbietet. Die Deutener Mannschaft trainiert jeden Freitag ab 18 Uhr, weiterer Zulauf ist erwünscht. Weitere Informationen erhalten Sie bei Norbert Höing unter der Rufnummer 0176/84183793.

Rentmeister ist der Trainer der Mannschaft, in der viele Köpfe auftauchen, die lange am Sportplatz in Deuten nicht gesehen waren. Mit seiner Trillerpfeife unterbricht er derzeit noch ständig das so langsam aussehende Spiel. Denn beim Geh-Fußball gibt es bestimmte Regeln. So darf – wie der Name schon sagt – nicht gerannt werden. Die Spieler müssen gehen. Bei dem kleinsten Versuch, einem Ball schneller als im Gehen hinterher zu joggen, pfeift Rentmeister ab.

Oder wenn der Ball Diagonal hoch geschlagen wird, ertönt ein Pfiff. Der Ball darf nie höher als hüfthoch gepasst oder geschossen werden. Auch Grätschen sind nicht erlaubt. Für die Spieler um Norbert Höing und Co. ist das eine große Umstellung. Doch je öfter die Deutener trainieren, umso weniger ertönen Rentmeisters Pfiffe. "Ziele der Regeln", sagt Rentmeister, "sind Verletzungen und Überforderung der Teilnehmer zu vermeiden." Teilnehmen darf jeder ab der Altersklasse Ü50.

Geh-Fußball: Bei RW Deuten wird jetzt mit dem Ball gegangen, nicht gerannt

Das Geh-Fußball-Spielen erlente Stefan Rentmeister (r.) vom ehemaligen Bundesliga-Profi Martin Max (l.) bei Schalke 04. © Privat

Und obwohl das Spiel langsam aussieht, so macht die Fitness dann doch auch noch Probleme. Gerade für das Küken unter den Geh-Fußballern bei RW Deuten. Für Jörg Berkel ist nach 15 Minuten Schluss. "Die Waden haben zugemacht", gesteht er ein. Schnelles Gehen geht halt auf die Waden. Doch trotzdem haben die Deutener Spaß am Geh-Fußball gefunden. "Endlich können wir wieder gegen einen Ball treten, ohne dass wir hin und her rennen müssen", sagt Deutens Vorsitzender Höing.

Und so wurde die Deutener Geh-Fußball-Gruppe in den vergangenen Wochen immer größer. In Deuten wird mittlerweile auch gegangen, statt gerannt.

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