So denkt die Basis über einen Saisonabbruch

dzFussball

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) denkt nach eigener Aussage noch nicht über einen Saisonabbruch nach. Die Basis schon.

Dorsten, Schermbeck, Raesfeld

, 19.10.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coronaverdacht beim 1. SC Blau-Weiß Wulfen bestätigte sich in dieser Woche zum Glück nicht. Schon am Freitag hatten die Wulfener Gewissheit. An den Spielabsagen für ihre erste und zweite Mannschaft änderte das aber nichts mehr. Und auch nicht an der Gesamtsituation.

Die stellte sich an diesem Wochenende so dar: Von 25 Seniorenpartien mit Beteiligung heimischer Teams mussten sieben abgesagt werden, unter der Woche kommen dann noch zwei Nachholspiele dazu. Wie lange das gut gehen kann? Die Beteiligten in den Vereinen haben da klare Meinungen.

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Wir spielen noch 14 Tage. Dann ist die Saison vorbei“, ist sich zum Beispiel Mathias Gördes, Abteilungsleiter des SV Lembeck sicher. Er verweist neben der Unsicherheit für die Aktiven auch auf die Belastungen für die Funktionäre: „Den halben Tag mit Hygienekonzepten und Telefonaten mit dem Gesundheitsamt verbringen – das kann man als Ehrenamtlicher neben dem Beruf auf Dauer nicht leisten.“

Martin Trockel, Trainer des SSV Rhade, hat für die Trainingsarbeit bereits Konsequenzen gezogen: „Eine langfristige Vorbereitung auf ein Topspiel in einigen Wochen macht keinen Sinn mehr. Wir denken nur noch von Sonntag zu Sonntag.“ Eine Unterbrechung der Saison hielte Trockel aktuell für sinnvoll: „Das wäre der einfachere Weg. Ein Abbruch wäre dagegen natürlich schade.“

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Trockels Trainerkollege Dirk Cholewinski vom FC Rot-Weiss Dorsten geht unterdessen genau davon aus. „So viele Spiele kannst du doch gar nicht alle nachholen“, sagt Cholewinski und bringt den ohnehin straffen Terminplan ins Spiel: „Die Saison soll ja so schon bis in den Juni gehen. Im Juli soll dann die Vorbereitung auf die nächste Spielzeit beginnen. Wie soll das gehen? Eine Unterbrechung bringt deshalb in meinen Augen gar nichts.“

Cholewinski übt allerdings auch Kritik am Verband: „Ursprünglich hieß es, es müssten drei Coronafälle oder Verdachtsfälle auftreten, um Spiele zu verlegen. Jetzt ist es einer. Das wird meiner Meinung nach nicht richtig gehandhabt.“ Die Verlegung des FC-Spiels gegen den BVH, wo bei einem Spieler Corona-Verdacht bestand, könne er vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehen.

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Beim SV Altendorf-Ulfkotte hatten die Verantwortlichen unterdessen schon vor dem aufgetretenen Coronafall in der ersten Mannschaft überlegt, wie man auf die allgemein steigenden Fallzahlen reagieren solle. „Wir haben Trainer und Spieler schon vorher angewiesen, möglichst kontaktfrei zu trainieren.“

Dass man auch ohne Coronafall in den eigenen Reihen von der aktuellen Entwicklung arg gebeutelt werden kann, muss unterdessen Grün-Weiß Barkenberg feststellen. Zum zweiten Mal hintereinander musste ein Gegner der Grün-Weißen passen, eine Woche zuvor hatte Barkenberg regulär spielfrei – zwischen dem letzten bestrittenen Spiel am 27. September in Polsum und dem Nachholspiel gegen Lippramsdorf werden fast vier Wochen liegen. „Das bringt uns natürlich völlig aus dem Rhythmus“, klagt Trainer Frank Hofmann und fordert: „Man sollte konsequent sein und jetzt allgemein eine mehrwöchige Pause einlegen.“ Und selbstkritisch fügt er an: „Wenn man sich auf den Plätzen umsieht, muss man zugeben: Was wir im Fußball tun, ist unvernünftig.“

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Gedanken, die die FLVW-Führung möglicherweise auch haben mag, aber nicht eingesteht. Den Vorstand des Fußballkreises Recklinghausen beschäftigen sie auf jeden Fall: „Eine Unterbrechung der Saison wird bei unserer turnusmäßigen Sitzung am Dienstag sicher auch ein Thema sein“, kündigte Staffelleiter Franz-Josef Humme an.

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