Ein Schermbecker bei Olympia

Das Sportporträt

Olympische Winterspiele und Schermbeck – geht nicht? Geht doch! Andre Schrader, Bürger der Gemeinde am Niederrhein, wird die Farben seines Städtchens – auch wenn er mittlerweile in Essen-Frintrop wohnt – in den nächsten Tagen am Schwarzen Meer vertreten. Der Mann ist Eishockey-Schiedsrichter.

SCHERMBECK

von Von Klaus Rosenkranz

, 03.02.2014, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Schermbecker Andre Schrader ist bei den Olympischen Süpielen von Sochi als Eishockey-Schiedsrichter im Einsatz.

Der Schermbecker Andre Schrader ist bei den Olympischen Süpielen von Sochi als Eishockey-Schiedsrichter im Einsatz.

Drei Weltmeisterschaften hat der gerade mal 24-Jährige schon hinter sich. In der Slowakei und zuletzt zweimal in Finnland und Schweden war er nicht nur dafür zuständig, Prügeleien auf dem Eis zu verhindern. Wie kommt man in so jungen Jahren zu derartigen Meriten? „Ich habe sehr früh den Weg vom aktiven Spieler zum aktiven Spielleiter gefunden“, erklärt Schrader, der sein Eishockey-ABC in der Jugendabteilung der EJ Dorsten gelernt hat und später in der Junioren-Bundesliga beim EHC Essen-West gespielt hat. Höhepunkte? „Andauernd“, lacht Schrader. In Finnland hat er zuletzt das Spiel um den dritten Platz zwischen den USA und den Finnen gepfiffen. „Es ist immer was ganz Besonderes, ein Medaillenspiel zu leiten.“ Und in Finnland hat Eishockey einen Status, der dem deutschen Fußball-Bewusstsein in nichts nachsteht. Nur mit vier Europäern ist das Schiedsrichter-Wesen in Sochi vertreten. In der Schweiz, genauer im idyllischen Megglingen, haben sich die „Linesmen“ aus Europa im letzten Sommer vorbereitet. „Wesentlich waren letztlich die körperliche Fitness und die Persönlichkeit“, erzählt Schrader. In beiden Punkten hatte er keine Minuszeichen. Im Gegenteil, die Pfeile (und das ist das Kriterium auf den Bewertungsbögen der Schiedsrichter-Beobachter) zeigten konstant nach oben. Und nun ist er ab Samstag ist Sochi. „Er hat sich seinen Traum erfüllt“, sagt sein Bruder – und da klingt natürlich auch ein bisschen Stolz mit.

Jupp Kompalla, in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts der absolut dominierende Schiedsrichter auf dem bundesdeutschen Eis, hat Schrader mal in seiner Heimatstadt Krefeld pfeifen sehen. „Jupp kam nach dem Spiel in meine Kabine und fragte mich nach meinem Namen“, erzählt Schrader mit einem Lächeln im Gesicht. „Warum? Habe ich gefragt. ,Weil ich mir den Namen merken muss‘, antwortete Kompalla.“ Der Weise mit der Pfeife aus der Seidenstadt hat sich nicht getäuscht. Andre Schrader wird in Russland keine Medaillen für die Bundesrepublik erringen. Aber er wird ein Teil der Olympischen Spiele sein, wird optimale Leistung auf dem Eis zeigen. Und natürlich wird er auch ein bisschen Frieden schaffen. Denn auf dem Eis fliegen bekanntlich bisweilen die Fäuste. Und wenn zufällig die USA gegen Kanada antreten und wieder einmal nordamerikanisch gespielt wird (also mehr als nur körperbetont), hat er gute Chancen, auch auf dem Eis zu stehen und schlichtend einzuwirken. Denn bei so einer Partie wird gerne mal ein Schiedsrichter aus Europa bemüht, um die Emotionen in die richtigen Bahnen zu leiten. Andre Schrader jedenfalls hat sein gestreiftes Hemd gebügelt, die Pfeife in der Hosentasche und die Schlittschuhe geschliffen. Der Mann ist bereit für Olympia.

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