Immer öfter schließen sich Vereine zu einer Spielgemeinschaft in der Jugend zusammen. Zwei Beispiele arbeiten nun schon länger positiv zusammen. Die Vorteile einer JSG liegen auf der Hand.

Dorsten

, 27.07.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich wollte Blau-Weiß Wulfen seine komplette Jugend alleine stellen. Doch kurzfristig sahen die Verantwortlichen ein: In der A-Jugend reicht es nicht ganz für eine eigene Mannschaft. Sie griffen auf ein Konzept zurück, das sich in Dorsten erhöhter Beliebtheit erfreut – und bereits erfolgreich praktiziert wird.

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In der kommenden Saison tritt die A-Jugend von BW Wulfen zusammen mit der A-Jugend des FC Marl in einer Jugendspielgemeinschaft (JSG) an. Udo Kehren, ehemaliger Seniorentrainer von RW Dorsten und nun A-Jugend-Coach in Wulfen, freut sich auf die Zusammenarbeit: „Bereits in den ersten Trainingseinheiten hat man gemerkt, dass alle auf einer Wellenlänge liegen.“

Das Problem: zu wenige Spieler

Die Jugendspielgemeinschaft wurde nötig, da der Kader nach den ersten Trainingseinheiten doch kleiner war, als gehofft. „Wir hatten fünf Spieler, die uns eigentlich zugesagt, sich dann aber nicht mehr gemeldet hatten“, sagt Wulfens Jugendleiter Jörg Kirstein. Der Kader umfasste nur noch zehn bis zwölf Spieler.

Ein Problem, das nicht nur die Wulfener haben. Ob Rhade, Lembeck, Deuten, Gahlen, Hardt oder RW Dorsten: Sie alle haben Probleme, in gewissen Jahrgängen genügend Spieler zu finden.

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„Nachdem ich die ersten Male trainiert habe, habe ich bereits zu Meik Pfennig (Sportlicher Leiter bei BW Wulfen; Anm. d. Red.) gesagt, dass wir Schwierigkeiten bekommen werden“, sagt Kehren. Die Idee, den FC Marl anzusprechen, entstand dadurch, dass die Marler Wulfen bereits vor einigen Monaten mit der Idee konfrontierten. Auch der FC hatte einen zu kleinen Kader.

Wulfen stieß offene Türen ein

Da gingen die Blau-Weißen allerdings noch davon aus, selber ein Team stellen zu können. Der FC Marl hatte in der Zwischenzeit aber immer noch keine Lösung präsentieren können – und so stieß Wulfen bei der Anfrage offene Türen ein.

Dass eine Jugendspielgemeinschaft funktionieren kann, zeigen bereits andere Beispiele im Dorstener Raum. Seit mehreren Jahren läuft eine Art „JSG Dorsten-Nord“ auf. Der SSV Rhade, der SV Lembeck und RW Deuten haben sich vor einigen Jahren im Jugendbereich zusammengeschlossen und konnten bereits den einen oder anderen Stadtmeistertitel gemeinsam feiern.

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Insgesamt hat die JSG Lembeck/Rhade/Deuten in der Saison 2019/20 drei Hallenstadtmeistertitel gewonnen. Mit der B- und C-Jugend konnten zudem zwei gute Platzierungen in der Kreisliga A vorgewiesen werden. Das Aushängeschild der JSG, die A-Jugend, spielte außerdem eine starke Spielzeit in der Bezirksliga und gewann das in Deuten ausgerichtete Soccerships-Turnier gegen starke Konkurrenz aus der Westfalen- und Landesliga. Die Verantwortlichen sind dermaßen zufrieden, dass sie sich auf ein viertes Jahr der Kooperation freuen.

RW Dorsten macht bei Hardt/Gahlen mit

Ebenfalls erfolgreich und zufrieden verläuft die Kooperation zwischen dem SV Hardt und dem TuS Gahlen im Jugendbereich. Hinzu genommen wurde nun noch RW Dorsten als dritter Partner in den Jugendbereichen D- bis A-Jugend.

„Um erfolgreich zusammenarbeiten zu können, ist vor allem die Kommunikation wichtig“, sagt Stefan Gramberg, Jugendleiter beim SV Hardt. „Meistens geht es dann schief, wenn es da nicht läuft. Mit Gahlen hatten wir da aber noch nie Probleme.“

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RW Dorsten wurde nun als dritter Partner hinzugenommen, da die Rot-Weißen seit Jahren Probleme haben, eigene Jugendmannschaften zu stellen. „Man will ja auch die Kinder bei Laune halten. Und wir wollten auch noch einige Lücken bei uns schließen, da passte es dann“, so Gramberg.

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Der A-Jugendtrainer der JSG Wulfen/Marl, Udo Kehren, formuliert außerdem noch folgenden Vorteil einer Jugendspielgemeinschaft: „Marl ist ambitionierter Bezirksligist, Wulfen ambitionierter A-Kreisligist. Am Ende haben die Spieler je nach Leistungsstärke mehrere Möglichkeiten. Sie sind es, die am meisten profitieren.“

Das sind die Vorteile einer JSG

Das gleiche Spiel findet sich auch bei der JSG Lembeck/Rhade/Deuten. Im Dorstener Norden könnten die talentiertesten Kinder bei entsprechender Entwicklung Westfalenliga in Deuten spielen. Die, die vielleicht noch etwas brauchen, bei einem guten A-Kreisligisten wie dem SV Lembeck Seniorenluft schnuppern. Und auch der SSV Rhade ist, was den Breitensport betrifft, als ambitionierter B-Kreisligist eine gute Nummer.

Ähnlich ist die Aufteilung bei der JSG Hardt/Gahlen/Dorsten. Nur hier stehen einem Landesligisten (SV Hardt) zwei A-Kreisligisten (TuS Gahlen/RW Dorsten) gegenüber. Wobei die Gahlener einer der Favoriten auf den Aufstieg in die Bezirksliga sind.

Auch untereinander verstehen sich die Spieler der verschiedenen Mannschaften meist gut. Hier ist die komplette B-Jugend der JSG Lembeck/Rhade/Deuten zu sehen.

Auch untereinander verstehen sich die Spieler der verschiedenen Mannschaften meist gut. Hier ist die komplette B-Jugend der JSG Lembeck/Rhade/Deuten zu sehen. © Privat

Eine Jugendspielgemeinschaft bietet am Ende viele Vorteile. Meist können pro Jahrgang zwei Teams gestellt werden. So wird das Leistungsniveau ausgeglichener, die schwächeren Spieler erhalten mehr Spielzeit und verlieren seltener die Lust am Fußball. Der Übergang in den Seniorenbereich kann flüssiger gestaltet und dem Leistungsniveau der Jugendlichen eher angepasst werden. Die JSG ist in Dorsten jedenfalls ein bewährtes Konzept.

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