Der Stillstand beim BVH Dorsten soll durch das Legenden-Team ein Ende haben

dzFußball

Was tun, wenn man merkt, dass es im Verein nicht vorwärts geht? Ganz einfach: Man trommelt so viele „Legenden“ der Dorstener Sportszene wie möglich zusammen und gründet eine dritte Mannschaft.

Holsterhausen

, 27.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sascha Mahlitz, Jonas von Gostomski und Mirko Urban in der Kreisliga C? Gibt es nicht? Gibt es doch!

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„Stillstand.“ So beschreibt BVH Dorstens Torhüter Marcel Czok die vergangenen Jahre am Waldsportplatz. „Wir waren in der Sackgasse.“ Damit meint der langjährige Führungsspieler der Holsterhausener, der seit knapp einem Jahr verletzt fehlt, nicht nur die erste Mannschaft. Er spricht vom ganzen Verein.

„BVH III - die Legenden“

Aus diesem Trott wollte er den Verein befreien - und so rief er ein Projekt ins Leben, das für einige positive Verwunderung in Dorsten sorgte. Die Whatsapp-Gruppe „BVH III - die Legenden“ entwickelte eine so rasche Eigendynamik, dass nach nicht einmal 48 Stunden bereits 40 Spieler bereit waren, sich dem Projekt anzuschließen.

Wer sich nun fragt, was an einer dritten Mannschaft eines Kreisligisten, einer dritten Mannschaft, die in der kommenden Saison in der letzten Liga an den Start gehen wird, so besonders sei, sollte einen genaueren Blick auf die Spieler werfen.

Keine normale Thekenmannschaft mit Holzbeinen - aber eine Thekenmannschaft

Eine normale Thekenmannschaft mit Holzbeinen ist dieses Team nämlich nicht. Wobei der Begriff Thekenmannschaft nicht unpassend ist. „Das Ziel ist, dass wir das Clubheim wieder voll bekommen“, so „Czoki“. Im Idealfall wollen die Holsterhausener nicht nur freitags, nach der einzigen Trainingseinheit „der Legenden“, ihr Vereinsheim stärken, sondern auch sonntags bei Heimspielen der ersten Mannschaft für eine volle Hütte sorgen. „Die Attraktivität eines Amateurvereins definiert sich nicht über das Sportliche, sondern das Drumherum“, sagt der Torhüter.

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Dafür hat „Czoki“ Spieler gewonnen, die locker noch in der ersten Mannschaft des BVH zum Einsatz kommen könnten. Einige könnten sicherlich noch Bezirksliga spielen. Mirko Urban spielte lange Zeit in der Oberliga für den SV Schermbeck. Jonas von Gostomski war über viele Jahre der Unterschiedsspieler am Deutener Bahndamm. Sascha Mahlitz, Christoph Madeja, Matze Knoblauch, Sven Potthast, Marius Reinhardt, Leon Beer im Tor, Max Paul, Wilhelm Schulte-Kellinghaus, Thomas Langenberg, Aydin Nagel, Chris Radzanowski und Robin Rodriguez Garcia sind nur einige Namen, die auf den Spielberichten des BVH III auftauchen.

„Aber da sind noch viele mehr“, sagt Czok. Bei Trainingseinheiten sind gut und gerne 30 Spieler da, das Ausschwitzen nach dem Training dauert auch mal bis tief in die Nachtstunden hinein.

Viele Spieler haben bereits eine BVH-Vergangenheit

Die Organisation teilt sich der BVH-Torwart übrigens mit Robin Rodriguez Garcia. „Was Robin leistet, ist echt super“, lobt „Czoki“ des Trainers Sohn. Trainer der Mannschaft ist Antonio Rodriguez. Dieser trainierte einige der Spieler bereits, als diese in der Jugend zum Einsatz kamen. Auch wenn einige von außerhalb neu zum BVH dazu kamen, so verbindet, dass viele bereits eine BVH-Vergangenheit haben. „Das war uns wichtig“, sagt Antonio Rodriguez.

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Er legt zudem Wert darauf, dass das Team Spaß hat. Dieser steht vor dem sportlichen Erfolg. Dass diese Mannschaft aber der große Favorit auf den Aufstieg in der Kreisliga C ist, wollen Trainer und Spieler nicht abstreiten. Selbst wenn einige Spieler auch mal am Vorabend des Spieltags lange raus sind, soll das keine Ausrede sein. „Dafür haben wir einen großen Kader“, so der Trainer.

„Es wäre ein Witz“

Auch „Czoki“ sagt: „Wenn man Sportler ist, will man gewinnen. Bei den Namen wäre es ein Witz, wenn wir sagen, dass wir um Platz fünf spielen wollen.“ Einige Spiele absolvierten „die Legenden“ in der Sommervorbereitung bislang. Gegen B-Kreisligisten und A-Kreisligisten hielt das Team immer gut mit, ein Sieg sprang bereits heraus. Die drei Niederlagen waren gerade gegen GW Barkenberg und RW Dorsten knapp.

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Die Gründe für die Pleiten liegen auf der Hand. Gründe? Wohl eher der Grund. Das Team ist nicht fit. Gegen den A-Kreisligisten RW Dorsten muss sich Jonas von Gostomski, auch nach drei Jahren Pause noch ein begnadeter Kicker, bereits nach 20 Minuten auswechseln lassen. Er verschwindet erst einmal im Busch, um durchzuatmen. In der zweiten Halbzeit kommt er wieder rein. So ergeht es gegen RW Dorsten auch Christoph Madeja.

Die C-Kreisliga bietet den „Legenden“ einen großen Vorteil

Und so ergeht es vielen Spielern. Mit dem zunehmenden Alter geht die fußballerische Klasse nicht verloren, die Fitness dafür sehr wohl. Speziell an ihr gearbeitet wird beim BVH III nicht, zumindest werden sich die Spieler aber wieder daran gewöhnen, 90 Minuten auf dem Platz zu stehen. Der Vorteil in der letzten Liga? Es kann auch nach Corona so viel und so oft gewechselt werden, wie gewollt.

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Warum von Gostomski zum BVH gewechselt ist? „Ich wollte wieder ein bisschen kicken. Nur alte Herren war mir zu wenig zweimal im Jahr. Und B-Kreisliga wäre mit zu viel gewesen mit zweimal Training die Woche. Das hier beim BVH III ist genau richtig.“ So sehen es auch die anderen. „Wir wollen den Leuten eine Plattform geben, die nicht mehr dreimal die Woche trainieren wollen und können, sondern die einfach nur ein bisschen kicken wollen“, sagt „Czoki“.

Immer noch interessant und unterhaltsam

Der BVH Dorsten möchte durch die neue dritte Mannschaft attraktiver wahrgenommen werden als in der Vergangenheit. Sowohl bei Spielern, als auch bei Zuschauern. Auch wenn das Team nur C-Kreisliga spielt, ist es immer noch höchst interessant und unterhaltsam, begnadeten Fußballern wie von Gostomski, Urban, Mahlitz und all den anderen beim Fußball spielen zuzuschauen.

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