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Den Damen der BG Dorsten drohen Derbys

dzBasketball

BG Dorsten gegen BSV Wulfen – bei den Herren Kult, bei den Damen über Jahrzehnte unvorstellbar. In der nächsten Saison aber wohl Realität.

Dorsten

, 12.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Als die BG Dorsten im Juni 2007 den Rückzug ihrer Damenmannschaft aus der 1. Bundesliga bekannt gibt, reagieren viele geschockt, im Verein und außerhalb. Sechs Jahre lang war Dorsten einer der Vorreiter der Liga gewesen, hatte professionelle Strukturen vorgelebt und in der Liga gefordert. 2004 feierte die BG mit dem Gewinn des DBBL-Pokals ihren sportlich größten Erfolg, im Europapokal reiste die Dorstener Mannschaft vom Ural bis nach Neapel, doch der ganz große Triumph, der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, blieb den Dorstenerinnen versagt.

Im Frühjahr 2007 zieht BG-Vorsitzender Bruno Kemper die Reißleine. Er spricht von Überlastung und Müdigkeit, aber er sagt vor allem: „Der Damenbasketball hat aus unserer Sicht keine Perspektive.“ Zu wenig deutsche Spielerinnen seien bereit, den nötigen Aufwand zu betreiben. Zu viele Ausländerinnen müssten deshalb engagiert werden. Die Frage, ob der ehrenamtliche Aufwand dafür noch lohne, beantworteten Kemper und der damalige BG-Vorstand für sich mit „Nein“.

Heute, elf Jahre später, stehen die BG-Damen sieglos am Tabellenende der Oberliga 2. Im nicht unwahrscheinlichen Falle des Abstiegs treffen sie in der Landesliga nächste Saison auf die Nachbarn BSV Wulfen und Eintracht Erle. Die logische Folge der Entscheidung von 2007? Für die einen schon.

“Schwer zu ertragen“

Engelbert Sanders etwa, Vereinsgründer und als Trainer mit den BG-Damen schon in den 70er Jahren bis in die 1. Bundesliga aufgestiegen, war seinerzeit einer der größten Kritiker des Rückzugs: „Man hätte ja nicht weiter um die Deutsche Meisterschaft mitspielen müssen. Der Platz in der Bundesliga wäre meiner Meinung nach zu halten gewesen.“ Die aktuelle Entwicklung sei für ihn auf jeden Fall schwer zu ertragen, erklärte Sanders am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion.

Von der 1. Bundesliga
bis zur Oberliga

2001 übernimmt die BG Dorsten als damaliger Zweitligist die Erstliga-Lizenz von Citybasket Recklinghausen. 2003 werden die U20-Frauen der BG Deutscher Meister. 2004 feiert die BG mit dem Gewinn des Deutschen Pokals ihren größten sportlichen Erfolg im Damenbereich. 2004, 2005 und 2006 wird Dorsten jeweils Deutscher Vizemeister. Im Frühjahr 2007 erklärt die BG Dorsten den Rückzug ihrer Damenmannschaft aus der 1. Bundesliga bis in die Oberliga. Dort gelingt auf Anhieb der Aufstieg in die Regionalliga, und 2009 kehrt die BG in die 2. Bundesliga zurück. 2011 ist Dorsten wieder Regionalligist, Ende der Saison 2012/2013 zieht die BG ihr Team aber freiwillig in die Oberliga zurück. In der laufenden Saison haben die Dorstener Damen in der Oberliga 2 noch keines ihrer acht Spiele gewonnen. Weil sie aus Personalgründen einmal nicht angetreten sind, haben sie ein Punktekonto von - 1.

Dabei verläuft die Erfolgskurve des Dorstener Damenbasketballs ab 2007 keineswegs schnurstracks in den Keller. Gleich im ersten Oberliga-Jahr wird die Mannschaft Meister, ein weiteres Jahr später sichert sich Dorsten den Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga. Erst ab 2011 gerät die Mannschaft in einen Abwärtstrend und einen Teufelskreis: Die Zahl der Spielerinnen, die Basketball leistungsorientiert betreiben wollen, schrumpft und dadurch wird die Suche nach einem Trainer immer schwieriger. Nach dem freiwilligen Verzicht auf den Regionalliga-Platz übernimmt Lena Kemper von 2013 bis 2015 die schwierige Aufgabe als Spielertrainerin. Ein Jahr trainiert danach Christian Wetzel die Mannschaft, sein Nachfolger Dennis Köhler hält keine ganze Saison durch und seit dieser Spielzeit ist Lena Kemper wieder Spielertrainerin.

Job des Spielertrainers ist immer schwierig

Das sei natürlich keine Ideallösung. „Aber Anfang der Saison“, so Kemper, „waren alle dafür. Sonst hätten wir die Saison gar nicht angefangen.“ Dass an deren Ende der Abstieg in die Landesliga stehen könnte, ist für Kemper „nicht so schlimm. Wir haben von vornherein gesagt, dass wir die Saison locker angehen. Wir trainieren ja nur einmal die Woche fest, die zweite Trainingseinheit ist freiwillig“. Mit zehn Spielerinnen sei der Kader eigentlich groß genug. „Aber für die meisten ist es eben Hobby. Wenn dann Beruf oder Familie anstehen, geht das nun mal vor“, sagt Kemper. Damit sie verlässlich fünf gegen fünf trainieren können, haben erste und zweite Mannschaft das Training zudem zusammengelegt.

“Zwei Teams in der Landesliga machen keinen Sinn“

Die Zweite spielt übrigens in der Landesliga. Dort nächste Saison mit zwei Mannschaften anzutreten, macht in Lena Kempers Augen wenig Sinn. „Da müssen wir dann mal schauen. Vielleicht wird uns ja auch noch ein Oberliga-Platz angeboten. Im Damenbasketball ist das ja manchmal so.“

Ein grundsätzliches Strukturproblem also? „Ich würde sagen ja“, meint Kemper. Vielen anderen Mannschaften gehe es in der Oberliga ähnlich wie der BG: „Aber die haben einen größeren Stammkader. Wenn bei uns wie jetzt zwei Leistungsträgerinnen ausfallen, dann sind wir eben einfach zu schwach.“

Abhilfe hätte in Kempers Augen etwas schaffen können, was vor zwei Jahren scheiterte: die Fusion mit dem BSV Wulfen. „Das war das Dümmste, dass das nicht gemacht wurde!“ Stattdessen wird es nächste Saison wohl auch zum Damen-Derby BG gegen BSV kommen, und Engelbert Sanders dürfte das Herz bluten.

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