Wenn die Corona-Krise zur Kuba-Krise wird

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Wie können Topathleten in Zeiten von Corona trainieren? Leo Monz-Dietz hat mit Trainingsplänen vorgesorgt. Doch das ist aktuell auch nicht das Problem des Trainers der LG Dorsten.

Dorsten

, 20.03.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass seine Athleten selbstständig und ohne ihn trainieren, ist für Leo Monz-Dietz nichts Ungewöhnliches. Der Trainer der LG Dorsten hat schon viele Läufer betreut, die nicht in Dorsten wohnen oder trainieren. Individuell ausgearbeitete Trainingspläne sorgen dafür, dass die Schützlinge des Dorsteners sich verbessern, ohne dass der Trainer neben ihnen stehen muss.

Die Corona-Krise stellt für Leo Monz-Dietz deshalb keine neuartige Herausforderung dar – zumindest, solange es keine Ausgangssperre gibt und die Athleten nicht mehr das Haus verlassen dürfen. Sorgen bereitet die weltweite Epidemie dem Dorstener Trainer aus einem ganz anderen Grund.

Um 4 Uhr morgens telefoniert

Monz-Dietz ist zurzeit im Urlaub, und zwar auf Kuba. Als wir ihn am Donnerstag ans Handy bekommen, um ihn zum Training seiner Athleten zu befragen, ist es bei ihm 4 Uhr morgens. Sorry! Doch Monz-Dietz nimmt‘s gelassen. „Der Leo hat da die Ruhe weg. Da bewundere ich ihn für“, sagt auch seine Frau Regina.

Eine Woche soll der Urlaub eigentlich noch dauern. Doch der Dorstener will versuchen, eher in die Heimat zurückzukehren. „Wenn das überhaupt noch geht“, sagt er. Bei der Deutschen Botschaft will er sich erkundigen, welche Möglichkeiten es für einen Heimflug gibt. Er hofft, dass die Grenze für heimkehrende Bundesbürger weiterhin offen bleibt. Sicher ist er sich dabei allerdings nicht.

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Monz-Dietz hat derzeit also mehr mit sich als mit seinen Athleten zu tun. „Für die nächsten drei Wochen haben sie noch Trainingspläne. Ich gehe davon aus, dass ich rechtzeitig wieder zuhause bin, um dann neue Pläne aufzustellen“, erklärt er.

Worauf sich die LGD-Athleten dann vorbereiten müsse man sehen. „Die Kreiscross-Meisterschaften sind ja schon abgesagt“, erzählt Monz-Dietz. Das sei aber nicht so tragisch. Auch 800-m-Spezialistin Majtie Kolberg, die der Dorstener Trainer bei der LG Ahrweiler betreut, habe im Sommer erst einmal keine nationalen Ziele.

Keine Zeit, noch die Norm zu erfüllen

Ärgerlicher ist da schon, dass die U18-Mädchen der LG Dorsten wahrscheinlich keine Gelegenheit haben werden, ihr Können wohl nicht beiden Deutschen Staffelmeisterschaften werden zeigen können. „Die wären Ende Mai“, erläutert Leo Monz-Dietz: „Selbst wenn sie stattfinden, hätte unsere Staffel kaum Zeit, die geforderte Norm noch zu laufen.“

Am härtesten schlägt die Corona-Krise aber wohl ausgerechnet in Monz-Dietz‘ eigener Familie zu: Sohn Thorben will Ende August zur Europameisterschaft nach Paris und dort im Halbmarathon starten. Dazu muss er aber noch einige Konkurrenten aus dem Feld schlagen. Beim Berliner Halbmarathon wollte der mittlerweile für die LG Filztal startende Dorstener Anfang April seine Bestzeit verbessern. Doch der wurde vergangenen Donnerstag abgesagt. Thorben Dietz muss also einen anderen Wettkampf finden, um seine Bestzeit zu steigern. Angesichts der Entwicklungen der vergangenen Tage droht er, dieses Rennen gegen die Zeit zu verlieren.

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