Bryant Allens Odyssee zurück zum BSV Wulfen

dzBasketball

Er sollte Mitte August wieder da sein. Doch die Rückkehr des Amerikaners Bryant Allen zum BSV Wulfen verzögerte sich immer wieder aufs Neue.

Wulfen

, 21.09.2020, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei jedem anderen hätte der BSV Wulfen wohl die Reißleine gezogen. Die Heimkehr von Aufbauspieler Bryant Allen aus dessen Heimaturlaub in den USA verzögerte sich und verzögerte sich und verzögerte sich. Mitte August sollte der 30-Jährige eigentlich wieder in der Wulfener Gesamtschulhalle stehen, um sich mit seinen Teamkollegen auf die neue Saison in der 1. Regionalliga vorzubereiten. Aus den sechs Wochen Vorbereitung wurden nun sechs Tage. Am Sonntag landete Allens Flieger auf dem Flughafen Düsseldorf, am kommenden Samstag soll er den BSV im Auftaktspiel gegen Bayer Leverkusen II zum Sieg führen. Sportliches Harakiri? Warum wartete der BSV so lange auf Allen? Das hat mehrere Gründe.

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Zum einen wissen der BSV und Trainer Gary Johnson um die sportlichen Qualitäten ihres Aufbauspielers. „Bryant ist für mich der beste Aufbauspieler der Liga“, sagte Johnson schon bei der Vertragsverlängerung mit Allen.

Weiterer Vorteil des 30-Jährigen: Er kennt die Wulfener Spielsysteme in Angriff und Verteidigung, muss also nichts Neues lernen und kann sich so nahtlos einfügen. Einzig offene Frage ist die Fitness, denn einer der Gründe für Bryant Allens verspätete Rückkehr nach Deutschland, war, dass er sich in den USA mit dem Corona-Virus infizierte.

Ohne Symptome, und Gary Johnson ist sicher, dass sich sein Spielmacher in der Zeit bei seiner Familie in St. Louis körperlich fit gehalten hat.

Doch die eigene Erkrankung war für Allen noch die leichteste Erfahrung mit der Pandemie. Andere trafen ihn weit härter.

Zunächst verstarb eine seiner Tanten, sodass er seine Rückreise nach Wulfen zum ersten Mal verschob. Dann erkrankte eine andere Tante an Covid 19 und starb. Die Familie stand unter Schock, Bryant Allen sah sich außerstande, die Rückreise anzutreten.

Der Rückflug wurde schließlich für den 1. September gebucht, und Allen ging routinemäßig zum Coronatest, um bei der Einreise nach Deutschland keine Probleme zu haben. Das positive Ergebnis war der nächste Nackenschlag.

Das bedeutete eine 14-tägige Quarantäne in St. Louis, und beim BSV Wulfen glühten die Drähte. In Abstimmung mit BSV-Teamarzt Dr. Stefan Tisborn entschied sich der BSV-Vorstand, auf Nummer sicher zu gehen und um drei Wochen zu verschieben. Denn ein negativer Corona-Test ist zwingend, um problemfrei einreisen zu können.

Diesen negativen Bescheid hatte Bryant Allen seit letzter Woche in der Tasche, aber trotzdem wäre die Rückkehr nach Wulfen am vergangenen Wochenende fast geplatzt. Denn ein US-Grenzbeamter am Flughafen St. Louis wollte ihn nicht in den Flieger lassen, weil seine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland Ende Juni abgelaufen sei. Tatsächlich lag die verlängerte „Green Card“ seit Wochen im Ausländeramt der Stadt Dorsten – wird dem US-Amerikaner aber nur persönlich ausgehändigt. Von Wulfen aus verhandelte BSV-Trainer Gary Johnson mit den Behörden in St. Louis, BSV-Vorsitzender Christoph Winck schaltete am Samstagabend Dorstens frisch wiedergewählten Bürgermeister Tobias Stockhoff ein. Und das Wort des „Mayor of the city of Dorsten“ hatte bei den Grenzbeamten Gewicht. Die Bestätigung, dass die Aufenthaltserlaubnis im Dorstener Rathaus vorliege, öffnete das Gate für Allens Flüge.

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Die führten über Chicago nach München und von dort nach Düsseldorf. Zu den sechs Wochen Verspätung hatten sich weitere vier Stunden gesellt. Doch dem völlig übermüdeten Aufbauspieler war’s egal: „Ich bin so happy, wieder bei meiner BSV-Familie zu sein. Und ich kann es gar nicht abwarten, dass die Saison losgeht.“ Sobald ein zweiter negativer Corona-Test vorliegt, steigt Bryant Allen wieder ins BSV-Training ein – gerade noch rechtzeitig.

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