100 unvergessliche Kilometer

DORSTEN Marathon- und Ultramarathonläufe kannte Gabriele Littwin bereits. Ihr erster 100-km-Lauf im schweizerischen Biel war dagegen eine neue, überwältigende Erfahrung.

03.07.2008, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hand in Hand überquerten Gabriele und Rüdiger Littwin nach 11:55,09 Std. die Ziellinie.

Hand in Hand überquerten Gabriele und Rüdiger Littwin nach 11:55,09 Std. die Ziellinie.

Zur 50. Auflage der Veranstaltung im Läufermekka hatten sich besonders viele Teilnehmer angemeldet. Gabriele Littwin und Ehemann Rüdiger hatten sich gezielt auf die extreme Herausforderung vorbereitet, u.a. mit einem nächtlichen Lauf um den Baldeneysee, um die Müdigkeit zu simulieren. Trotzdem stellten sich kurz vor dem ersehnten Startschuss doch leichte Magenschmerzen ein.

„Nur nicht zu schnell angehen“ lautete das Motto der beiden Dorstener und so verloren sie vier Freunde, die mit ihnen starteten, rasch aus den Augen. Drei davon trafen sie aber später wieder - sie mussten wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben. Die Littwins hielten dagegen ihre anvisierten 7 km/h und steigerten sich später auf 6:30 min pro Kilometer.

Viele Zuschauer an der Strecke

Gabriele Littwin freute sich über die vielen Zuschauer, die den Läufern in der Bieler Innenstadt zujubelten, fürchtete aber, dass in der Nacht kein Mensch mehr da sei. Sie sollte sich irren. Selbst nachts um 3 Uhr saßen noch viele Menschen in Gartenlokalen oder am Straßenrand und feuerten die Extremsportler an.

Die befürchtete Müdigkeit blieb aber nicht nur deswegen aus. Der Besuch der „Waldtoilette“ in pechschwarzer Nacht wurde zum ebenso unvergesslichen Erlebnis wie der Anblick der schier endlosen Läuferschlange, die sich dank ihrer Kopflampen wie eine Prozession Glühwürmchen durch die Dunkelheit wandt. Als die Radfahrer, die viele Läufer begleiteten, nach einer für sie nicht befahrbaren Waldpassage Spalier für die Läufer standen und Applaus spendeten, kam es Gabriele Littwin endgültig vor, „als seien wir ruhmreiche Helden, die freudig in Empfang genommen werden“.

„Wo laufe ich überhaupt?“

Im Hellen fehlte der Dorstenerin dann auch nicht der Blick für die wunderschöne Landschaft. Grüne Wiesen wechselten mit gelben Feldern und bewaldeten Hügeln, neben der Strecke plätscherte die Aare dahin. Selbstvergessen fragte sich Gabriele Littwin sogar kurzzeitig „Wo laufe ich überhaupt?“ Und wusste es nur einen Moment später: „Ach ja, Biel, 100 km.“ So schlug die Natur die Technik um Längen - Gabriele Littwins Pulsuhr hatte schon bei Kilometer 65 den Geist aufgegeben.

Unter zwölf Stunden

Die alle fünf Kilometer aufgestellten Schilder waren zwischenzeitlich die einzige Orientierung für die beiden Dorstener. Erst als Rüdiger Littwin den Bieler Bahnhof und die dortige Uhr erkennen konnte, feuerte er seine Frau noch einmal an: „Wenn du dich beeilst, kannst du es noch unter 12 Stunden schaffen.“ Es waren noch circa zwei Kilometer bis zum Ziel und es gelang den beiden, das Tempo noch ein wenig zu erhöhen. Überglücklich liefen sie nach 11:55:09 Stunden Hand in Hand ins Ziel.

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