„Überfällig“ – Castrop-Rauxeler zum Tönnies-Rücktritt beim FC Schalke 04

dzFußball-Bundesliga

Die Ära Tönnies auf Schalke ist beendet. Castrop-Rauxeler S04-Anhänger haben uns erzählt, was sie vom Rücktritt des Schalke-Vorsitzenden halten und wovor sie sich jetzt fürchten.

Castrop-Rauxel

, 30.06.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Clemens Tönnies teilte am Dienstag (29. Juni) dem Bundesligisten FC Schalke 04 mit, dass er mit sofortiger Wirkung den Aufsichtsrat verlässt und als Vorsitzender zurücktritt. In Castrop-Rauxel gibt einige eingefleischte Fans. Wir haben sie unter anderem dazu befragt, ob sie den Zeitpunkt des Rücktritts im Zusammenhang mit der Corona-Krise in den Schlachthöfen von Tönnies als richtig erachten.

Der Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe (SPD) aus Castrop-Rauxel spricht im Deutschen Bundestag.

Der Bundestagsabgeordnete und Schalke-Fan Frank Schwabe (SPD) aus Castrop-Rauxel bei einer Rede im Bundestag. © picture alliance / Britta Peders

Frank Schwabe (SPD), Bundestagsmitglied aus Castrop-Rauxel, berichtet: „Ich bin Schalker, Mitglied bei Schalke 04 und Mitglied im Fanclub ‚Schalker gegen Rassismus‘. Ich habe eine Stehplatz-Dauerkarte in der Nordkurve, die ich leider nur viel zu selten nutzen kann.“ Der Rücktritt von Tönnies sei „folgerichtig“, so Schwabe: „Schalke lebt von der besonderen Verankerung in der Region. Und in der Region wird Solidarität und Bodenständigkeit groß geschrieben.“ Clemens Tönnies verkörpere das Gegenteil davon. Frank Schwabe: „Jetzt wird es aber sicher hart. Aber harte ehrliche Fußballarbeit ist wichtiger als die Teilnahme an der Champions League.“


Peter Breuer ist Geschäftsführer der Forum GmbH.

Peter Breuer ist Geschäftsführer der Forum GmbH. © Volker Engel

Peter Breuer (Geschäftsführer Forum GmbH): „Ich kann den Rücktritt verstehen. Letztendlich ist der öffentliche Druck zu hoch. Ich hoffe nur, dass die alten Werte, für die Schalke 04 steht, wiederkehren, und mal wieder Fußball malocht wird.“


Jörg Beulmann gehört dem Castrop-Rauxeler S04-Fanclub Bottle Hawks an.

Jörg Beulmann gehört dem Castrop-Rauxeler S04-Fanclub Bottle Hawks an. © Archiv

Jörg Beulmann, Mitglied des Castrop-Rauxeler S04-Fanclubs „Bottle Hawks“, meint: „Clemens Tönnies steht als Unternehmer und Arbeitgeber in der Öffentlichkeit. Jede negative Geschichte in diesem Bereich wirft Schatten auf Schalke 04, weil er dort der starke Mann ist. Jetzt hat der Verein wirklich die Chance, neu anzufangen.

Die sportliche Leitung mit Herrn Schneider, halte ich für sehr fähig.“ Es müsse jetzt Ruhe im Verein einkehren, und es müsse seriös mit vorhandenen Geldern gearbeitet werden, findet Beulmann: „Es darf keine Fantasie-Gehälter für Spieler mehr geben.“

Jetzt lesen

Der Zeitpunkt des Rücktrittes sei richtig, um den Verein aus der Schusslinie zu nehmen und damit sich dieser neu aufstellen könne. Jörg Beulmann meint: „Es steht eine harte Saison bevor. Der S04 muss aufpassen, dass er nicht der zweite HSV wird.“


Alexander Schmottlach ist der neue Trainer beim TuS Henrichenburg.

Alexander Schmottlach ist der neue Trainer beim TuS Henrichenburg. © Philip Wihler

Alexander Schmottlach (neuer Trainer TuS Henrichenburg): „Mit der Entscheidung war ja nun doch zu rechnen. Das Corona-Drama in der Fleischfabrik war aus meiner Sicht nur das i-Tüpfelchen. Ich glaube, dass sich in den nächsten Monaten rausstellen muss, wohin es geht: Wie stellt sich Schalke neu auf? Früher verband man Schalke mit Assauer, dann mit Tönnies. Nicht immer positiv, aber er hat Schalke ja nach außen verkörpert. Dass die Fans sich nun spalten und den Schuldigen suchen, ist offensichtlich. Er ist mitschuldig an der ganzen Lage, aber es kommen viele Dinge dazu, die erst in der Summe problematisch sind.

Die Notbremse hat nun auf Schalke viel entschärft. Durch die Person Tönnies war Schalke zu angreifbar. Dass jetzt Ruhe einkehrt, bezweifele ich aber ganz stark. Auf Schalke ist nie Ruhe. Mir fehlt jemand wie ein Rudi Assauer, eine Person, mit der sich jeder Schalker identifizieren kann. Das sehe ich derzeit leider überhaupt nicht, Olaf Thon passt zum Beispiel nicht herein. Clemens Tönnies hat viel gemacht, was Gelder angeht - nicht nur das eigene Geld, aber auch die Sponsoren und Partner, die eine Menge Kohle reinschießen. Davon hat er viel eingestielt. Darum sehe ich seinen Rücktritt mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“


Sandra Heidrich-Strehlau (r.), Unternehmerin aus Castrop-Rauxel und Importeurin von Elektrorollern ist eingefleischte Schalke-Anhängerin.

Sandra Heidrich-Strehlau (r.), Unternehmerin aus Castrop-Rauxel und Importeurin von Elektrorollern ist eingefleischte Schalke-Anhängerin. © Janine Jähnichen

Sandra Heidrich-Strehlau, Unternehmerin aus Castrop-Ruaxel und Importeurin von Elektrorollern der Marke GinkGo aus China, ist langjährige Schalke-Anhängerin. Sie ist aktuell in Shanghai und erklärt: „Es ist interessant, dass ganz Deutschland jetzt verbal auf Fleischproduzent Tönnies eindrischt und den Rücktritt von seinen Positionen auf Schalke gefordert hat. Aber was machen die Schalker nun ohne die Millionen des Sponsors?“

Sie fragt sich, wie die Kosten bei Schalke nun gedeckt, neue Spieler gekauft und Gehälter bezahlt werden sollen? Die ehemalige Fußballerin bei Victoria Habinghorst sagt zudem: „Der Schaden für die neue Saison wird sportlich groß sein. Was ich nicht verstehe: Alle die jetzt auf Tönnies rumhacken, sollten erst einmal bei sich selbst anfangen und nicht die vier Schweineschnitzel beim Discounter für Spottpreise kaufen, sondern bewusst einkaufen.“


Jörn Fischer und seine Profession: Der Castrop-Rauxeler ist BBQ-Spezialist - und Schalke-Fan.

Jörn Fischer und seine Profession: Der Castrop-Rauxeler ist BBQ-Spezialist - und Schalke-Fan. © Sylvia Schemmann

Auch Jörn Fischer, aus Ickern stammender Deutscher BBQ-Meister, ist eingefleischter Schalke-Fan. Der Castrop-Rauxeler sagt: „Tönnies hat viel für Schalke getan. Das sollte man bei allem Ärger nicht vergessen. Wer ihn kennt, der weiß, wie sehr ihm Schalke am Herzen liegt. Der Rücktritt ist der richtige Schritt. Jedoch hat die Covid-19-Situation im Schlachtbetrieb von Tönnies nichts mit der finanziellen Situation auf Schalke zu tun.“ Es bleibe abzuwarten, wo nun der Weg hinführe. „Nur hoffentlich nicht Richtung 2. Liga oder sogar in die Insolvenz“, sagt Fischer.


Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt