Top-Schwimm-Talent Alena Dreyden: „Es hat keinen Spaß mehr gemacht, mich immer zu quälen“

dzWas macht eigentlich...?

2017 schwamm sie noch für Gelsenkirchen auf Bundesebene, heute ist Alena Dreyden auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Doch nur, um direkt wieder abzuheben: Die 21-Jährige hat große Pläne.

Castrop-Rauxel

, 20.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In drei Jahren kann einiges passieren, vor allem, wenn man gerade am Anfang seines Lebens steht. Auch Alena Dreyden hat diese Erfahrung gemacht, doch während andere junge Erwachsene auch mit 21 Jahren immer noch nicht wissen, ob sie Fisch oder Fleisch sind, hat Dreyden ganz bewusst die Symbiose von Fisch zu Fleisch durchlaufen.

Die ehemalige Schwimmerin, die im Sommer 2017 noch für Gelsenkirchen auf Bundesebene ihre Bahnen durch das Becken zog, ist heute Vollzeitstudentin an der Technischen Universität Dortmund. Und das in einem Fach, das wohl kaum etwas mit Wasser zu tun hat.

Ihr fehlte die Kreativität

„Mittlerweile studiere ich im vierten Semester Architektur, nachdem ich es zwei Semester mit Raumplanung probiert habe. In der Zeit hat es auch noch mit dem Schwimmen geklappt. Aber in dem Studienfach hat mir einfach die Mathematik und die Kreativität gefehlt“, erzählt die Castrop-Rauxelerin.

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Vor zwei Jahren noch sagte sie unserer Redaktion, dass es nach der Schulzeit wohl endlich einfacher würde, ihren Leistungssport mit ihrer Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Sie toppte immer wieder ihre eigene Bestzeit, trainierte für die Kurzbahnmeisterschaft in Berlin. Doch wie viele Studenten früher oder später schmerzlich feststellen müssen: Die Zeit reichte vorne und hinten nicht aus. Das verleitete sie zu einer radikalen Entscheidung.

Top-Schwimm-Talent Alena Dreyden: „Es hat keinen Spaß mehr gemacht, mich immer zu quälen“

Alena Dreyden heute: Sie reist gern. © Alena Dreyden

„Ich habe mich damals entschieden, komplett mit dem Schwimmen aufzuhören. Der Grund war hauptsächlich die Zeit, aber es hat auch irgendwann keinen Spaß mehr gemacht, mich immer zu quälen, jeden Tag zum Training zu gehen“, gesteht Alena Dreyden.

Ein Ende mit Pauken und Trompeten

Ihr letzter Wettkampf waren die deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Juni 2017. Dreyden habe schon vorher gewusst, dass es ihr letzter sein würde, und habe daher noch einmal all ihre Kraft in die Vorbereitung gesteckt. „Im Trainingslager zuvor habe ich alles gegeben. Ich konnte mich für viele Starts qualifizieren und habe meine eigene Bestzeit verbessert.“ Eine Schwimmkarriere, die mit Pauken und Trompeten endete.

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Noch heute schwimmt Dreyden ab und zu, aber nur hobbymäßig. Sie schaut immer mal wieder beim SV Poseidon in Castrop-Rauxel vorbei, wo sie ihre ersten Schwimmzüge im Alter von sechs Jahren machte. Selbst einmal die Generation junger Nachwuchsschwimmer zu trainieren, könne sie sich vorstellen. In der Planung ist es allerdings erst einmal noch nicht. „Manchmal vermisse ich die Zeit. Dann erinnere ich mich, was ich für den Sport gegeben habe, an die Aufopferung. Doch mich noch einmal so zu quälen, das möchte ich dann doch nicht“, sagt Dreyden.

Top-Schwimm-Talent Alena Dreyden: „Es hat keinen Spaß mehr gemacht, mich immer zu quälen“

Alena Dreyden schwamm jahrelang sehr erfolgreich für den SV Poseidon. Dann aber hörte sie auf. © Volker Engel

21 Stunden pro Woche trainierte die Schwimmerin vor drei Jahren, früh morgens ging es los. „Ich habe meine ganze Freizeit für das Schwimmen geopfert. International zu schwimmen, war ein Kindheitstraum, aber wenn man sich das realistisch anschaut, hätte das ohnehin nicht geklappt.“

Jetzt hat sie die Freizeit zurück

Die Freizeit hat Alena Dreyden nun zurück. Die nutzt sie, und zwar nicht nur für das Studium. „Nachdem ich mit dem Schwimmen abgeschlossen habe, habe ich erst einmal ein halbes Jahr lang gar keinen Sport gemacht und mich absolut auf meine Freunde konzentriert. Ich bin endlich mal ein, zwei Wochen weg gefahren, das wäre während der Schwimmzeit nicht gegangen.“ Ein „Tschüss, ich fahre mal in den Urlaub“ sei nie möglich gewesen.

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Also hob Alena Dreyden erst einmal ab, machte sich auf in die Lüfte, zu neuen Ufern. Polen, Ukraine, Tschechien, ein Städtetrip nach Paris: Ihre neu gewonnene Freiheit nutzt Alena Dreyden seit dem Ende ihrer Zeit im Wasser auch auf Reisen.

Die Eigenschaften, die sie sich als ehemalige Leistungsschwimmerin antrainiert hat, habe sie jedoch behalten, sagt sie. „Ich bin mir sicher, dass das Schwimmen einen großen Einfluss auf mich hat, mich zielstrebig gemacht hat, und mir eine gute Ausdauer gegeben hat, um für das zu kämpfen und das zu erreichen, was ich mir als Ziel setze“, sagt die 21-Jährige.

Sie will in die Lüfte

Ihr nächstes Ziel hat sie genau im Blick, denn im Gegensatz zu ihrer Schwimmkarriere hat sich dieser Traum in den letzten drei Jahren geändert: „2016 wollte ich noch Pilotin werden, aber ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass man da sehr viel unterwegs ist und sich das nicht gut mit einer Familie verträgt“, erzählt Alena Dreyden.

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Doch in die Lüfte will sie immer noch, oder wenigstens dabei sein, wenn Andere Richtung Himmel abheben. „Im Sommer will ich einmal probeweise den Test für den Job der Fluglotsin machen. Mal sehen, ob das was wird“, sagt die Castrop-Rauxelerin. Leicht ist der Test nicht, da ist sie sicher. Doch in der Vorbereitung werden Dreydens Beharrlichkeit und gute Kondition wohl von großem Vorteil sein.

Wenn das nicht klappen sollte, habe sie ja immer noch ihr Studium, so Dreyden. Doch egal was passiert: Von einem Beckenrand möchte sich Alena Dreyden nie mehr einschränken lassen. Jetzt will sie hoch hinaus - vielleicht als Architektin oder Fluglotsin.

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