Wie Toni Kotziampassis an der Rückkehr in die Oberliga feilt und warum er dem BVB absagte

dzWas macht eigentlich...?

Jahrelang trat Toni Kotziampassis selbst vor den Ball. Nun steht er nun selbst an der Seitenlinie und möchte zurück in die Oberliga. Doch der Fußball-Coach hat auch noch ein anderes Ziel.

Ickern

, 18.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Im Leben von Toni Kotziampassis dreht sich viel um den Fußball. Er war Vollblutstürmer, torgefährlich, schnell, ballsicher und ehrgeizig. Im gegnerischen Strafraum fühlte er sich pudelwohl. Der 46-Jährige steht heute nicht mehr selbst auf dem Platz – aber am Rande.

Die Liebe zum Fußball begann für den Ickerner in Jugend-Mannschaften der Spvg BG Schwerin. „Dort spielte ich als 17-Jähriger schon in der ersten Mannschaft“, erzählt er. „Das war eine richtig coole Zeit.“ Später kickte der Stürmer im Senioren-Bereich für sieben Vereine in der Regionalliga und Oberliga. „Damals waren das im deutschen Fußball die dritte und vierte Liga.“

Heute ist Toni Kotziampassis Trainer des TuS 05 Sinsen. Er spielt mit diesem Klub in der Westfalenliga 2 um den Oberliga-Aufstieg. Seit zehn Jahren besitzt er die Trainer-A-Lizenz. Das ist die zweithöchste die es gibt. Den Fußball-Lehrer zu machen, ist sein nächstes Ziel. „Im vorigen Jahr hatte ich mich schon angemeldet, es gab aber zu viele Bewerber – und ich bin nicht rein gekommen in diesen Lehrgang. Ich bleibe aber dran. Den Fußball-Lehrer-Schein will ich unbedingt.“

Das Gänsehaut-Erlebnis auf dem Betzenberg in Kaiserslautern

Kotziampassis‘ erste Fußball-Station außerhalb von Castrop-Rauxel war der VfB Waltrop, mit dem er gleich den Aufstieg in die Oberliga schaffte. Es folgten zwei Regionalliga-Jahre bei der Spvg Erkenschwick. „Meine Zeit im Stimberg-Stadion war super.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ein Spiel beim 1. FC Kaiserslautern: „Es waren über 10.000 Zuschauer im Stadion auf dem Betzenberg – das hat richtig Bock gemacht.“

Gänsehaut-Erlebnisse, in vollen Stadien zu spielen, gab’s später im Trikot des Regionalligisten Eintracht Nordhorn noch mehrfach: Eintracht Braunschweig, VfL Osnabrück oder Holstein Kiel waren die Gegner. „In Nordhorn war ich nur ein Jahr. Die wollten mich länger, die Fahrerei dorthin war auf Dauer aber zu stressig“, erklärt der spätere Coach.

Zur Person

Die Fußball-Laufbahn von Toni Kotziampassis

Der 46-jährige Toni Kotziampassis begann das Fußballspielen bei der Spvg Schwerin. Im Seniorenbereich lief der Grieche für den VfB Waltrop, Spvg Erkenschwick, Spvg BW Post Recklinghausen, Eintracht Nordhorn, RW Essen II, ETB SW Essen, SC Hassel und Westfalia Herne auf. Als Spielertrainer spielte er zudem für den SuS Merklinde und SV Wacker Obercastrop. Insgesamt 14 Jahre lang trainierte Kotziampassis verschiedene Jugend-Teams von Rot-Weiss Essen, auch in der Nachwuchs-Bundesliga. Aktuell trainiert er den Westfalenligisten TuS Sinsen.

Was indes kaum einer weiß: Toni Kotziampassis wurde sogar Vize-Weltmeister und zweimal Europameister mit Mannschaften seines Arbeitgebers Deutsche Post – und das als Kapitän. „Diese Turniere in Holland und Belgien waren super organisiert. Die Post hatte dafür komplette Center-Parcs angemietet, in denen wir Fußballer, die Trainer und Betreuer gewohnt haben.“

Das WM-Endspiel verlor Deutschland übrigens etwas unglücklich erst im Elfmeterschießen gegen Portugal. Deutscher Meister wurde Kotziampassis als Spieler mit der Essener Post-Elf ebenfalls. Aktuell trainiert er diese Mannschaft nebenbei und wurde jüngst deutscher Vizemeister.

Wie Toni Kotziampassis an der Rückkehr in die Oberliga feilt und warum er dem BVB absagte

Toni Kotziampassis spielte jahrelang selbst Fußball, wie beim SV Wacker Obercastrop. Er war Vollblutstürmer: torgefährlich, schnell, ballsicher und ehrgeizig. © Volker Engel

Gab’s nie Angebote von Profi-Vereinen? „Doch. Trainer Michael Skibbe wollte mich für Borussia Dortmund II verpflichten. Da dort unter Profi-Bedingungen trainiert wurde mit einer für mich nur sehr vagen Bundesliga-Option, war mir das zu unsicher, den Job bei der Post zu kündigen“, so Kotziampassis.

Als er das BVB-Angebot ausschlug, war nicht abzusehen, dass sich Dortmunds Topstürmer Stephane Chapuisat und Flemming Poulsen kurze Zeit später Kreuzbandrisse zuzogen. „Lars Ricken rückte auf ins Bundesliga-Team. Vielleicht hätte ich den Sprung in die Bundesliga auch geschafft. Darüber nachzugrübeln lohnt sich aber nicht.“ Einmal stand Toni Kotziampassis später bei RW Essen im Zweitliga-Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Eine Partie für den griechischen Erstligisten PAOK Saloniki

Nicht zu vergessen: Der griechische Erstliga-Klub PAOK Saloniki wollte ihn verpflichten. „Ich war dort zum Training. In der Intertoto-Runde habe ich einmal für Saloniki gegen einen bulgarischen Verein gespielt. Salonikis Verantwortliche haben mir einen Vertrag angeboten. Dann hörte ich aber von einem Spieler aus dem Kader, dass er vier Monate kein Geld gesehen hat. Damit hatte sich das Kapitel PAOK Saloniki für mich erledigt.“

Wie Toni Kotziampassis an der Rückkehr in die Oberliga feilt und warum er dem BVB absagte

Trainer Kotziampassis (l.) folgte im Sommer 2012 auf den langjährigen Coach des SV Wacker Obercastrop, Uwe Esser. Bis zum März 2014 blieb er im Amt und trainierte unter anderem Marcel Herder. © Jens Lukas

Mit 31 Jahren zog Toni Kotziampassis bei RW Essen II einen Schlussstrich unter seine Spieler-Laufbahn. Nahtlos ging es für ihn über ins Trainer-Geschäft. Zuerst als Spielertrainer bei SuS Merklinde. „In meinem ersten Jahr sind wir sofort von der Kreisliga A in die Bezirksliga aufgestiegen. Nebenbei habe ich noch die U12 von Rot-Weiss Essen trainiert.“

Sein bester Freund Niko Kazinakis lotste Kotziampassis von Merklinde zum Bezirksligisten SV Wacker Obercastrop, wo er ein Jahr als Spielertrainer tätig war. Von dort ging es zur Jugend-Abteilung von Rot-Weiss Essen. Mit der U17 von RWE stieg Kotziampassis aus der Bundesliga ab und sofort wieder auf. Bei der U19 sprang er ein, als der Karren schon zu tief im Dreck steckte, um den Bundesliga-Abstieg noch zu verhindern. „In 14 Jahren bei RWE habe ich alle Jugend-Jahrgänge trainiert. Es war eine tolle Zeit bei diesem Traditionsverein.“ Kotziampassis bedauert jedoch, dass nun die U17 und U19 wohl wieder aus der Bundesliga absteigen werden.

Darum nahm Kotziampassis das Angebot vom TuS Sinsen an

Vor der Spielzeit 2018/2019 kam dann das Angebot des TuS 05 Sinsen aus dem Marler Vorort: „Das konnte ich nicht ausschlagen. Die Westfalenliga ist eine große Chance für einen Trainer.“ Dass es in der ersten Saison sportlich so gut laufen würde mit der Chance, in die Oberliga aufzusteigen, damit hatte Kotziampassis allerdings nicht gerechnet. Diesen Erfolg erklärt der Grieche so: „Der TuS 05 Sinsen hat eine junge, hungrige Mannschaft mit sportlichem Ehrgeiz und Potenzial. Die Verantwortlichen arbeiten alle sehr engagiert.“

Nach Sinsen gefolgt sind Kotziampassis gleich mehrere ehemalige Essener und Duisburger U19-Spieler, die alle Erfahrung aus der Junioren-Bundesliga mitbrachten.

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Toni Kotziampassis ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern, die natürlich in Papas Fußball-Fußstapfen getreten sind. Sie kicken beim Regionalligisten VfL Bochum. Die 20-jährige Athanasia musste wegen Knieproblemen inzwischen aber passen. Stella (18) spielt weiter im Bochumer Mittelfeld. „Beide haben auch schon für Griechenland gespielt. Dort ist das sportliche Niveau im Frauenfußball aber niedriger als in Deutschland“, so Kotziampassis. Beruflich ist er bei der Deutschen Post ebenfalls einen erfolgreichen Weg gegangen. Er hat derzeit in Essen in der Abteilung Qualität sein Büro.

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