Habinghorster Spielabbruch: Kopftritt-Opfer kann sich bei Knochen hinter dem Ohr bedanken

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Im Gespräch mit Thomas Bragin, dem Opfer des mutmaßlich absichtlichen Tritts gegen den Kopf, erfahren wir erschreckende Details. Offenbar hat der Habinghorster Glück gehabt - dank eines Knochens.

Habinghorst

, 22.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Thomas Bragin endete ein Fußballspiel im Krankenhaus. Der 23-Jährige vom VfB Habinghorst soll am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen Zonguldakspor Bickern vom Torhüter der Gäste gegen den Kopf getreten worden sein. Mit Absicht, sagen die Vertreter des VfB, während Bickern von einem Versehen spricht. Nun hat Bragin über die Ereignisse gesprochen und sagt, wie es ihm geht.

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„Ich fühle mich wie von einem Bus überfahren“, erzählte Bragin am Montag, einen Tag nach der Eskalation auf der Sportanlage des VfB Habinghorst, „ich habe unfassbare Kopfschmerzen, obwohl ich Schmerzmittel nehme.“

Nachdem sein Trainer Marc Olschewski und Bickerns Sportlicher Leiter die Szene unserer Redaktion bereits geschildert haben, gibt auch Bragin seine Sicht der Dinge wieder: „Ich gehe im Strafraum an zwei Gegenspielern vorbei und werde vom dritten gefoult. Während die Spieler von Bickern den Schiedsrichter belagern, holt der Torwart den Ball wieder und tritt mir auf dem Rückweg aus dem Nichts seitlich gegen den Kopf.“

„Ich war minutenlang komplett benommen“

Was danach passierte, kann der 23-Jährige gar nicht so genau wiedergeben: „Ich war minutenlang komplett benommen. Ich weiß, dass mein Vater auf das Spielfeld gerannt kam, aber ich konnte nicht aufstehen und musste von drei Mann vom Platz getragen werden.“

Der inzwischen eingetroffene Notarzt versorgte Bragin zunächst vor Ort, dann wurde der Habinghorster in das Krankenhaus gefahren. Der dortige Arzt diagnostizierte eine Schädelprellung und will Bragin über Nacht zur Beobachtung dabehalten, der Stürmer aber will nach Hause zu seiner Frau und seiner Tochter - er unterschreibt eine sogenannte „Entlassung gegen ärztlichen Rat“.

Thomas Bragin wurde am Sonntag im Krankenhaus behandelt.

Thomas Bragin wurde am Sonntag im Krankenhaus behandelt. © privat

Dabei waren die Aussagen des Arztes durchaus besorgniserregend. „Der Arzt hat mir erklärt, dass der Knochen hinter dem Ohr den Schlag abgefangen hat. Etwas weiter links und das Nervensystem hätte betroffen sein können - und dann hätte alles passieren können. Da habe ich nochmal echt Glück gehabt.“

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Auch am Mittwoch klagt Bragin weiterhin über starke Kopfschmerzen, dazu kommen Nacken- und Gliederschmerzen: „Es ist echt nicht schön“, so seine pragmatische Einschätzung. Er ist für eine Woche krankgeschrieben und verbringt - dem Rat seines Hausarztes folgend - die Zeit im Bett.

Ratlos und sauer machen ihn die Aussagen des Bickerner Sportlichen Leiters: „Ich weiß wirklich nicht, wie man da von einem Versehen sprechen kann. Die Situation war lange abgepfiffen, um mich herum ist niemand - wie soll das keine Absicht sein? Wenn es ein Versehen gewesen wäre, dann entschuldigt man sich doch und guckt, wie es dem anderen Spieler geht. Stattdessen beleidigt er mich noch aufs Übelste.“

Drei Anzeigen sind bei der Polizei eingegangen

Ein Nachspiel wird dieser so unterschiedlich geschilderte Vorfall in jedem Fall haben: Gegen drei Akteure ist eine Anzeige bei der Polizei eingegangen, darunter eine wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung gegen den Gäste-Torwart.

„Deswegen muss ich auch am kommenden Montag nochmal zum Arzt. Bei einem Strafverfahren muss alles genauestens dokumentiert werden“, erklärt Bragin.

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Sein Trainer Marc Olschewski kündigte derweil an, sich genau zu überlegen, ob Habinghorst im Rückspiel bei Bickern nach den Vorkommnissen noch antreten werde. Auf seinen Stürmer Bragin muss er vielleicht verzichten, denn der sagt: „Um ehrlich zu sein: Solche Spiele muss ich mir nicht antun. Ich spiele Fußball für mein Leben gerne, aber bei so was würde ich dann den Sonntag doch lieber mit meiner Frau und meiner Tochter verbringen.“

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