Sie lieben MMA, aber lehnen den blutigen Kampf ab: Zehn Jahre Sport Underdogs

dzMixed Martial Arts

Wegen brutaler Käfigkämpfe wird die Sportart „Mixed Martial Arts“ kritisiert. Die „Sport Underdogs“ machen in Castrop-Rauxel MMA. Bei ihnen stehen aber nicht die blutigen Kämpfe im Vordergrund.

Dingen

, 17.02.2020, 07:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trainer Andreas Schumacher macht die Übung vor. Nun sind Julija und Vanessa dran. Julija führt zwei schnelle Faustschläge gegen den erhobenen Boxhandschuh von Vanessa, dann folgt ein Highkick gegen die Körperflanke. Vanessa kontert mit einem Fronttritt. Sie wiederholen den Ablauf einige Male, dann werden die Rollen getauscht.

„Besonders die Kickbox-Übungen gefallen mir“, sagt Julija, „diese andere Art von Konzentration ist eine Entspannung für den Kopf.“ Die 37-Jährige Lehrerin hat früher mal Karate trainiert. Ihre Trainingspartnerin Vanessa ist 15 Jahre alt. Sie ist die Jüngste bei den Sport Underdogs.

Nils (oben) visiert im Bodenkampf einen Angriff auf den Arm seines Gegners an, Tobias soll anschließend versuchen, sich durch einen Positionswechsel aus der scheinbar ausweglosen Situation zu befreien.

Nils (oben) visiert im Bodenkampf einen Angriff auf den Arm seines Gegners an, Tobias soll anschließend versuchen, sich durch einen Positionswechsel aus der scheinbar ausweglosen Situation zu befreien. © Christian Püls

„Die Mischung macht hier den Reiz aus“, sagt Julija. Mixed Martial Arts (MMA), so der Name der Sportart, die sie betreibt, verbindet verschiedene Kampfstile: Tritte und Schläge aus Taekwondo, Karate oder Kickboxen, aber auch Techniken aus dem Ringen, vom Judo und Jiu-Jitsu.

„Beansprucht Körper und Geist“

„Das alles beansprucht Körper und Geist“, sagt Nils Meiritz, früher Fußballer bei der Spvg Schwerin. Den 19-jährigen Studenten begeistern die teils komplexen Bewegungsabläufe. Co-Trainer Alexander Probst (30) erklärt: „Es ist schön, verschiedene Kampfsportarten in einer Schule zu haben.“

Zusammen mit Immobilienfachwirt Patrick (40) führt er einige Box-Techniken vor: Abwehr, Verteidigung, Gegenangriff. Nun sind wieder die Schüler in Zweierteams dran, das Gezeigte nachzumachen und die Abläufe zu verinnerlichen. Bis zur Demonstration der nächsten Übung.

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Sport Underdogs

Die Sport Underdogs beim Training.
12.02.2020
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Julija (rechts) beim Kickboxen. Die 38-jährige Lehrerin führt einen Highkick-Angriff, der von Vanessa geblockt und anschließend gekontert wird.© Christian Püls
Vanessa (links), mit 15 Jahren die mit Abstand Jüngste bei den Sport Underdogs, beim Trainingsboxen mit der 44-jährigen Ingenieurin Nina. Trainer Andreas Schumacher überwacht die Übung.© Christian Püls
Trainer Andreas Schumacher erklärt den umstehenden Sport-Schülern, worauf es bei der Übung ankommt. Co-Trainer Alexander Probst (links) führt ihnen mit Patrick Übungen zur Verteidigung und Abwehrverhalten gegen Schlagangriffe vor.© Christian Püls
Grappling im Stehen: Student Luis Krahn und Rettungssanitäter Marvin Ahmann trainieren den Standkampf. Gleich wird Luis seinen Gegner per Wurftechnik zu Boden bringen, wo der Übungskampf weiter geht.

© Christian Püls
Nils (oben) visiert im Bodenkampf einen Angriff auf den Arm seines Gegners an, Tobias soll anschließend versuchen, sich durch einen Positionswechsel aus der scheinbar ausweglosen Situation zu befreien.© Christian Püls
Nina beim Grappling: Sie zeigt eine Verteidigungsaktion mit einer Arm-Hebel-Technik.© Christian Püls

Die Erläuterungen sind eine willkommene Verschnaufpause für die Schüler, die hörbar außer Atem sind. Der ständige und ruhelose Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung ist anstrengend. Bei den Sport Underdogs fließt Schweiß statt Blut - der dafür allerdings reichlich.

„Das ist schon sehr gut als Fitnesstraining“, sagt Marcel Szponik (30). Der Justizvollzugsbeschäftigte spielte einst mit Bundesliga-Torhüter Michael Esser (TSG Hoffenheim) beim SV Wacker Obercastrop.

Abklopfen beendet jeden Kampf

Und es wird nicht leichter. Nun steht Grappling auf dem Trainingsplan. Dabei wird weder geschlagen noch getreten. „Es allein darum, seinen Gegner auszutricksen“, erläutert Trainer Andreas Schumacher. Der werde zunächst zu Boden und anschließend in eine ausweglose Situation gebracht. Eine Mischung aus Judo und Ringen. Hebel, Würfe, Halte- und Würgegriffe muss man dazu beherrschen.

Die Sport Underdogs beim Training an der Oestricher Straße in Dingen. Seit September 2018 haben sie dort ihre eigene Trainingsstätte. Das MMA-Team von Trainer Andreas Schumacher (stehend, 3.v.r.) existiert seit mittlerweile zehn Jahren.

Die Sport Underdogs beim Training an der Oestricher Straße in Dingen. Seit September 2018 haben sie dort ihre eigene Trainingsstätte. Das MMA-Team von Trainer Andreas Schumacher (stehend, 3.v.r.) existiert seit mittlerweile zehn Jahren. © Christian Püls

Wer besiegt ist, klopft ab. Mit dem Schlagen der flachen Hand auf die Trainingsmatte signalisiert ein Kämpfer seine Aufgabe. Dann ist die Situation - egal, ob Training oder Kampf - sofort beendet. Den einen oder anderen blauen Fleck kann man sich dabei schon einfangen, aber mehr eigentlich nicht.

Bei reinen Grappling-Turnieren beteiligen sich die Sport Underdogs als Mannschaft. Käfigkämpfe hingegen bestreite keiner von ihnen. Das versichert Schumacher.

Mehrere Umzüge vor Standort in Dingen

Vier Abende pro Woche ist die Sportschule in Dingen an der Oestricher Straße 2a geöffnet. Eine durchschnittliche Trainingseinheit besteht zu einem Drittel aus Fitness, einem Drittel aus Kickbox-Übungen und einem Drittel aus Grappling. 13 Sportler trainieren am Abend unseres Besuchs dort. Rund 50 seien es insgesamt; teils als Vollmitglieder, teils als Zehnerkarteninhaber für Trainingseinheiten.

Die Sport Underdogs sind inzwischen zehn Jahre alt. Schumacher erweitert sein Angebot. Eine Jugendgruppe mit 12- bis 15-Jährigen soll künftig vor der Erwachsenengruppe ein einstündiges Training erhalten. Mit dem Kurs „Selbstverteidigung und Gesundheitstraining“ für diese Altersklasse reagiere er auf entsprechende Nachfrage, so Schumacher. Ab 35 Euro pro Monat kann man in Dingen trainieren.

Seit September 2018 in Dingen

Seit September 2018 residieren die Sport Underdogs an der Oestricher Straße. Vorher waren sie des Öfteren umgezogen, übten in Hallen in Bochum und Recklinghausen. Vor dem Einzug in Dingen kamen sie zuletzt in der „Fight Area“ im Westringcenter unter. Von dort ist zu hören: „Andreas hat immer gesagt, dass er was eigenes aufbauen will. Wir gönnen es ihm von Herzen.“

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