Michael Prause kann sich mit der Einstellung der heutigen Fußballer nicht identifizieren

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Fast fünf Jahrzehnte widmete der Pöppinghausener Michael Prause dem Fußball. In seiner aktiven Zeit ist er viel herumgekommen. Mit dem heutigen Fußball hat er Probleme.

Pöppinghausen

, 12.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Michael Prause ist ein wahres Urgestein des Castrop-Rauxeler Fußballs. Von 1968 bis 2014 war er als Spieler aktiv. Zudem bekleidete er ab den 1990er-Jahren vom Spielertrainer bis hin zum Vorsitzenden alle Ämter bei seinem Heimatverein SuS Pöppinghausen.

Dass der heute 57-Jährige sein ganzes Leben dem Fußball widmete, war für ihn selbstverständlich. „Man war ja damals als kleine Kröte immer schon am pöhlen. Das war ja ganz normal“, erklärt Michael Prause seine große Leidenschaft für den Sport. Seine Fußballkarriere startete er in Herne-Kray. 1972 zog Prause dann nach Pöppinghausen und spielte dort seine komplette Jugend.

Michael Prause spielte auf Schwerin mit vielen Halb-Profis zusammen

Zehn Jahre später kam dann der Karrieresprung. Aus der Kreisliga C gekommen, heuerte er bei einem Verein, der ganze fünf Ligen höher spielte, an. „Ich bin dann von Pöppinghausen nach Schwerin in die Verbandsliga gewechselt. Dort habe ich auch mit vielen Halb-Profis zusammen gespielt“, erinnert sich der Castrop-Rauxeler.

Nach Schwerin folgten die Bezirksliga-Stationen FC Frohlinde, SG Castrop und SuS Merklinde. Dort spielte Michael Prause meist in der ersten Mannschaft. Für Einsätze bei den Zweitvertretungen in den Kreisligen war er sich aber auch nie zu schade.

Oft schaffte er es in den acht Jahren in die „Elf des Tages“, in die „Elf des Monats“ und sogar einmal in die „Elf des Jahres“ der Bezirksliga. Den Grund dafür sieht er vor allem in einer seiner Fähigkeiten: „Ich war beidfüßig. Das wurde damals schon gerne gesehen.“

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1990 wechselte Michael Prause zurück zu seinem Heimatverein SuS Pöppinghausen, da er sich sportlich etwas zurückziehen wollte. Ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte, lief es dann aber doch nicht: „Ich hatte im Beruf meinen Meister gemacht und wollte fußballerisch kürzer treten. Eigentlich bin ich dann aber nicht kürzer getreten und bin irgendwie als Spielertrainer in den Verein gerutscht. Da hatte man dann die ganze Woche etwas zu tun“, erklärt er den ungewollten Start seiner Trainerlaufbahn. Bis 2014 bekleidete er dann bei Pöppinghausen alle Posten.

Nach dem Amt als Spielertrainer folgte das Engagement als Interimstrainer bei der Frauen- und Herrenmannschaft. Die Rolle des Vorsitzenden nahm er ebenfalls ein - dabei spielte er selbst. „Was ich von meinen Ämtern am liebsten gemacht habe, war definitiv das Fußballspielen als aktiver Spieler“, erklärt Michael Prause seine 46 Jahre andauernde Laufbahn.

2014 musste er aber endgültig die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Eine Knieverletzung beendete seine Karriere. Danach konzentrierte er sich nur noch auf seine Aufgaben abseits des Feldes.

Michael Prause kennt die vielen Aufgaben eines Ehrenamtlers

Durch seine Rolle im Ehrenamt weiß er, wie viel einem dort abverlangt wird: „Selbst, wenn man als Trainer nicht involviert war, wir haben immer irgendwo geholfen. Ob das jetzt Getränke kaufen war oder einfach nur hinter der Theke stehen. Da muss ich dann gerade auch nochmal die Ehrenamtler hervorheben. Diese Leistung muss man wirklich hoch anerkennen“, so das Pöppinghausener Urgestein.

Um den Aufgaben des Ehrenamtes gerecht zu werden, müsse man seiner Meinung nach genügend Zeit haben, hundertprozentig hinter der Sache stehen und vor allem „einen passenden Lebenspartner“ hinter sich wissen, der das Ganze unterstützt.

Michael Prause kann sich mit der Einstellung der heutigen Fußballer nicht identifizieren

Michael „Pöppi“ Prause (r.) war für viele Vereine am Ball. Seine letzte Station als aktiver Fußballer hatte er beim SuS Pöppinghausen. Im Jahr 2003 lief er für den Klub im Kreispokal gegen den Landesligisten SV Sodingen auf. © Jens Lukas

Nach Jahrzehnten bei seinem Heimatverein zog er sich dann auch aus der Rolle des Vorsitzenden zurück. „Ich habe mein Amt bei Pöppinghausen niedergelegt, weil es dort einfach nicht mehr meine Welt war“, sagt Prause.

Er sei aber nicht im Streit auseinander gegangen, die Einstellung der Leute habe sich aber verändert. „Da kommt ein Trainer zum Training, in der Whatsapp-Gruppe sagen alle Spieler ab und kommen nicht zum Training. Der Coach steht dann da alleine auf dem Feld“, so Prause.

Damit könne er sich aber nicht identifizieren. Der Vereinsfußball habe sich für ihn zu sehr zum negativen verändert. Auch die Tugenden von Kampf und Leidenschaft erkenne er immer seltener auf dem Platz.

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Heute genießt Michael Prause die Vorzüge als Zuschauer. Er kann nun selbst entscheiden, wann und ob er Lust auf Fußball hat. Oft guckt er sich die Spiele der Castrop-Rauxeler Fußballmannschaften an und trifft dabei auf alte Bekannte.

„Das ist das, was mir am meisten Spaß macht. In allen Vereinen in denen ich gespielt habe, treffe ich heute noch Leute von früher auf den Fußballplätzen. Da sind dann immer gute Gespräche dabei und man freut sich dann einfach sich wieder zu sehen“, beschreibt er die Vorteile des langjährigen Engagements im Castrop-Rauxeler Sport.

Die neugewonnene Freiheit auf dem Motorrad

Neben der Fußball-Begeisterung hält er sich weiter in einem Fitnessstudio fit. Auch hier bleibt er nicht unerkannt: „Wie schön ist es, auch dort alte Mitspieler und Weggefährten von früher zu sehen, die heute wie ich das ein oder andere Wehwehchen haben“, freut sich der 57-Jährige.

Zudem pflegt Prause eine weitere Leidenschaft. Wenn er nicht gerade arbeitet, macht er den einen oder anderen Ausflug mit seiner Frau. „Wir fahren gerne Motorrad. Da packen wir unsere Koffer und fahren zum Beispiel zur Mosel. Das ist ja auch nicht das Schlechteste. Das ist eine Zeit, die momentan richtig Spaß macht“, beschreibt er seine neugewonnene Freiheit.

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