Judo ist Kontaktsportart Nummer 1 - ungünstig zu Corona-Zeiten

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Die Judo-Halle ist geschlossen. Keine Randoris, kein Techniktraining, keine Prüfungsvorbereitung. Doch die Mitglieder von Judoka-Rauxel sind trotzdem fleißig und kreativ.

Castrop-Rauxel

, 01.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nina Koch ist Trainerin bei den Judoka Rauxel - und sie ist Mutter einer Judo-Familie. Ihr Mann und die beiden Töchter stehen eigentlich regelmäßig auf der Matte. „Als Familie könnten wir die Halle auch jetzt gut nutzen“, findet Nina Koch. Damit würden sie auch nicht gegen die Corona-Auflagen verstoßen. Die Turnhalle an der Ahornstraße ist allerdings dicht.

Nina Koch ist Vorsitzende, Trainerin und Mutter bei den Judoka Rauxel.

Nina Koch ist Vorsitzende, Trainerin und Mutter bei den Judoka Rauxel. © Volker Engel

Judo ist die Kontaktsportart schlechthin. Man fasst den Partner an, man wirft ihn, man hält ihn fest, es fließt viel Schweiß. Das alles ist zu Corona-Zeiten denkbar ungünstig. Doch Nina Koch findet, es würde vielleicht weniger gefährlich sein, Training in Kleingruppen mit Anwesenheitsliste anzubieten als beispielsweise in die Dortmunder Innenstadt zu fahren und sich auf dem Westenhellweg in die Menge zu stürzen.

Normalerweise stehen 20 bis 30 Judoka bei jeder Trainingseinheit auf der Matte, die Gruppen könnte man jedoch nach Meinung von Nina Koch verkleinern und die Eltern der jüngeren Kinder bitten, ihre Schützlinge vor der Halle abzugeben.

Denkbar wäre ebenfalls, die Turnhalle für die Vorbereitung auf Prüfungen zu öffnen. Dabei seien immer nur zwei Personen involviert, die sogar mit Gesichtsmaske üben könnten. Bei den Prüfungen geht es schließlich hauptsächlich darum, Würfe, Haltegriffe und Fallschulen akurat auszuführen. Es wird aber nicht gekämpft, es kommen keine Mannschaften zusammen, es geht nicht um Kondition.

Doch es bleibt dabei: Die Halle ist dicht, bis ein anderes Signal von den politischen Entscheidungsträgern kommt. Bis dahin werden die Mitgliedsbeiträge des Vereins nicht eingezogen, das Training und sämtliche Wettkämpfe fallen aus.

Im Umkehrschluss trainieren die Castrop-Rauxeler Judoka jetzt daheim. „Wir hatten noch 50 ausrangierte Matten im Keller“, erklärt Nina Koch. Die wurden zu Beginn der Krise kontaktlos an die Mitglieder verteilt. Besonders glücklich sind diejenigen, die jetzt vier Matten und einen Trainingspartner zu Hause haben. „Das sind allerdings die wenigsten“, weiß Nina Koch.

Training mithilfe von Videos

Zusammen mit ihren Trainer-Kollegen bietet sie deswegen andere Möglichkeiten an, um fit zu bleiben - um in Kontakt zu bleiben. Zwei Mal pro Woche gibt es über WhatsApp Videos und Anregungen für Groß und Klein.

Darin wird gezeigt, dass Kinder beispielsweise ihre Stofftiere in eine lange Reihe legen können, um darüber zu hüpfen oder beim Strecksprung aufzuheben und in einen Eimer zu werfen. Die Eltern werden auch gebraucht - so kann man beispielsweise Bocksprünge machen, durch die Beine krabbeln und sie so in ein Zirkeltraining einbinden.

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Corona-Judo mit den Judoka-Rauxel

Tochter Jana Koch war zuletzt sehr leistungsorientiert unterwegs, kämpfte bei den U18-Juniorinnen und war deutschlandweit auf Wettkämpfen. „Wenn man keine Randoris macht und die entsprechenden Partner fehlen, wirft einen das zurück“, glaubt ihre Mutter. Motiviert sei Jana dennoch Die 16-Jährige versucht sich so gut es geht von zu Hause auf die Schwarzgurt-Prüfung vorzubereiten und wechselt Lauf- und Krafttraining ab. Familie Koch hat daheim extra einen Fitness-Raum eingerichtet, der jetzt rege genutzt wird.

Jana Koch bleibt auch in Kontakt mit ihren Trainingspartnern aus dem Landeskader. Der Nordrhein-Westfälische-Judoverband hat sogar eine Corona-Kollektion mit Kapuzenpullovern und Turnbeuteln entworfen. Die Aufschrift: „Judo is my home“.

Traurig und zurückgezogen

Tochter Hanna habe es da schon deutlich schwerer. Die 14-Jährige ist geistig eingeschränkt - und für sie sei Judo immer eine starke Stütze gewesen. Ihr falle es schwer, über die Sozialen Netzwerke zu kommunizieren. Der regelmäßige Trainingsbesuch, die sozialen Kontakte seien wichtig, erklärt Nina Koch, die sich ein wenig Sorgen um ihr Nesthäkchen macht, das jetzt öfter traurig und zurückgezogen sei.

Wann sich die Situation ändern wird, ist unklar. Ob irgendwann alle Sportarten auf einen Schlag wieder erlaubt sein werden oder ob differenziert wird - erst Tischtennis als kontaktarme und zuletzt Judo als kontaktreiche Sportart - all das steht derzeit in den Sternen. Nina Koch: „Man merkt manchmal erst, was man vermisst, wenn man es nicht mehr hat.“

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