Jörg Schultz ist der Chef der Parcours

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Er fährt von Turnier zu Turnier und baut die Parcours der Springreiter auf. Jörg Schultz ist Parcourschef. Wir haben ihn bei seiner Arbeit beim Turnier in Obercastrop begleitet.

von Thomas Rekendt

Obercastrop

, 05.10.2018, 17:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sonne scheint auf den Reiterhof Knickenberg in Obercastrop herunter. In der Reithalle an der Bochumer Straße laufen die letzten Züge des Dressurwettbewerbs. Danach starten die Springprüfungen. Doch damit diese überhaupt stattfinden können, braucht es Jörg Schultz, der neben seinem Wagen samt Anhänger in der Sonne steht und den Durchsagen in der Halle lauscht.

Jörg Schultz ist Hindernisbauer für Reitturniere und Parcourschef. Er hat die verschiedenen Parcours entwickelt, die die Springreiter an diesem Wochenende beim Reit- und Springturnier der RG Obercastrop absolvieren müssen.

„Die Ehrungen laufen schon“, ruft ihm sein Kollege Martin Eckhoff entgegen. Für Jörg Schultz das Zeichen die letzten Vorbereitungen zu treffen. Ein Blick auf den Plan für den ersten 310 Meter langen Parcours, die Aufstellung der Hindernisse noch einmal verinnerlichen. Im Hintergrund wiehern Pferde. Seit über 40 Jahren gehören diese Tiere zu seinem Leben dazu.

Jörg Schultz war früher selbst Reiter

Mit zehn Jahren hat Jörg Schultz angefangen zu reiten, bis vor ein paar Jahren hat er den Sport selbst noch ausgeübt. Mittlerweile fehlt ihm dazu allerdings die Zeit, zu viele Aufträge für Hindernisse und Parcours lassen ihn nicht mehr selbst in den Sattel kommen. „Es juckt schon manchmal noch“, antwortet er auf die Frage, ob er nicht selbst noch einmal reiten möchte. „Wenn man einen Parcours fertig hat, der einen selbst reizt, spielt man schon noch mit dem Gedanken.“

In der Halle geht Jörg Schultz nun mit schnellen Schritten durch den Sand, eine Hindernisstange, drei Meter Lang aus lackiertem Holz, auf die Schulter gelegt. Ein Traktor hat mit einer Furche gerade noch den Boden glatt gezogen. Nun legen Jörg Schultz und seine Kollegen Martin Eckhoff und Frank Tomeschatt, die ebenfalls Parcourschefs sind, zunächst die Hindernisstangen an die vorgesehenen Stellen. Hilfe bekommen sie dabei von den Reitern und Helfern vom Hof Knickenberg. Jörg Schultz dirigiert dabei alle Beteiligten, damit alles an die richtige Stelle kommt. Ungefähr 30 Turniere im Jahr begleitet der 52-Jährige auf diese Art und Weise. Von seiner Heimatstadt Hattingen geht es dabei nicht nur ins Ruhrgebiet, sondern auch ins Münsterland oder Rheinland.

Der Aufbau im alten Hangar des Flughafens Tempelhof

An welchen Parcours denkt er gerne zurück? „In Berlin gab es zum zwanzigjährigen Jahrestag der deutschen Einheit ein Turnier in einem alten Hangar des Flughafens Tempelhof. Da hab ich auch den ganzen Aufbau gestaltet. Leider konnten die Veranstalter das Event nicht wiederholen.“ Ein Bild der Veranstaltung sowie der Parcoursplan sind noch heute auf seinem Anhänger abgebildet.

Jörg Schultz hat mittlerweile ein Maßband in der Hand, um die Abstände zwischen den einzelnen Hindernissen genau zu bestimmen. Erst, wenn er die ausgemessen hat, werden die Stangen auf die Halterungen gesetzt, die die Helfer mittlerweile ebenfalls reingetragen haben. Jörg Schultz nimmt dabei sehr genau Maß, kniet sich immer wieder auf eine Seite der Stange, um den Abstand zu überprüfen.

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So wird ein Reitparcours aufgebaut

05.10.2018
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Zuerst legen Jörg Schultz und seine Kollegen alle Stangen und Befestigungen für die Hindernisse an einer Stelle in der Nähe der Halle ab.© Thomas Rekendt
Auf einem Plan hat der Parcourschef schon genau festgehalten, wie der Parcours am Ende aussehen soll. Dieser wird am Computer entwickelt.© Thomas Rekendt
Der Boden in der Reithalle wird mithilfe eines Traktors planiert.© Thomas Rekendt
Zuerst werden nur die Hindernisstangen auf dem Boden verteilt. Dann werden die genauen Abstände der einzelnen Hindernisse abgemessen und die Stangen dementsprechend noch verschoben.© Thomas Rekendt
Anschließend misst Jörg Schultz die Abstände zwischen den Hindernissen. Erst wenn diese genau stimmen, werden die Stangen auf die Halterungen gesetzt.© Thomas Rekendt
Die Hindernisse stehen, es kann theoretisch losgehen. Allerdings macht der Parcourschef abschließend noch einmal eine Runde durch das Feld.© Thomas Rekendt
Jörg Schultz misst am Ende des Aufbaus noch einmal die Höhe der Hindernisse mit dem Zollstock nach. Da der Parcours für junge Pferde gedacht ist, variiert die Höhe zwischen einem Meter und 1,10 Meter.© Thomas Rekendt
Der Aufbau ist abgeschlossen, nun sind Pferd und Reiter im Einsatz. Sie dürfen sich den Parcours gemeinsam mit dem Tier anschauen.© Thomas Rekendt

Dass er überhaupt diesen Beruf ausübt, ist einer kuriosen Geschichte geschuldet. Denn eigentlich war der gelernte Maschinenschlosser im Maschinenbau tätig. „Ich habe ein Pferd eingehandelt und dabei von der Frau des Verkäufers zufällig mitgekriegt, dass sie noch ein Hindernis bis zum nächsten Tag bräuchten. Da habe ich ihr gesagt ‚Das baue ich euch auch noch eben selbst.‘ Das habe ich dann auch gemacht und am nächsten Tag nach dem Turnier hatte ich plötzlich mehrere Aufträge für Hindernisse.“

Das war 1995. Kurz darauf meldete er seinen Hindernisbau als Gewerbe an und quartierte sich in einem ehemaligen Stall ein. Mittlerweile besitzt er die höchste Klasse, die ein Parcourschef in Deutschland erreichen kann und hat schon das große Turnier in der Westfalenhalle in Dortmund und das Bundeschampionat in Warendorf betreut.

Der Parcourschef ist mit seiner Arbeit zufrieden

Am Ende des Aufbaus misst Jörg Schultz noch die Höhe der Hindernisse mit einem Zollstock nach, den er nur kurz an die Stangen hält und schnell den Parcours von Anfang bis Ende entlangläuft. „Dieser Parcours ist recht einfach gehalten, da er für junge Pferde gedacht ist“, erklärt er. Die Höhe variiert dabei zwischen einem Meter und 1,10 Meter. Kurz nachdem der Parcourschef seinen Kontrollgang abgeschlossen hat, kommen bereits die ersten Reiter mit ihren Pferden herein, um sich den Parcours einzuprägen und die Tiere vorzubereiten.

Jörg Schultz beobachtet das erste Springreiten vom Jurorenpult aus, wo er für ein kurzes Gespräch vorbeigeschaut hat. Die meisten aus dem Reitsport kennen ihn hier und begrüßen ihn persönlich. Schultz ist zufrieden: Seine Berechnungen am Computer für den Parcours haben sich als richtig erwiesen, Korrekturen sind nicht nötig. Während in Hälle und Ställen die Pferde wiehern und für die Reiter die Arbeit jetzt erst beginnt, ist Jörg Schultz am ersten Tag des Reit- und Springturnier in Obercastrop schon fertig.

Das Reit- und Springturnier in Obercastrop wird noch bis Sonntag, 7. Oktober, auf der Reitanlage an der Bochumer Straße 151 ausgetragen. Auf dem Programm steht unter anderem für Samstagabend ab 20 Uhr ein Legendenspringen mit dem Olympia-Teilnehmer Helmut Gille.
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