Jannis Augustin hat nach der Ruder-Karriere ein neues Hobby gefunden

dzWas macht eigentlich...?

Er war im Jahr 2007 Junioren-Weltmeister, doch nur ein Jahr später beendete Jannis Augustin vom RV Rauxel seine Ruder-Karriere. Nun hat er einen anderen Weg eingeschlagen.

Henrichenburg

, 24.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jannis Augustin war viele Jahre nicht hier, es hat sich aber auch nicht viel verändert. Die Türen zum Bootshaus des RV Rauxel auf der Wartburginsel stehen offen. Einige Boote sind immer noch im Einsatz, andere wurden aussortiert. Hinzugekommen ist ein Banner zu Ehren des RVR-Vorzeigeruderer Malte Jakschik. Im hinteren Teil des Gebäudes hängen die Riemen und Skulls aufgereiht an der Wand. Die Boote stapeln sich bis unter die Decke.

Augustins Ruderkarriere liegt lange zurück. 2002 hat er beim RV Rauxel mit dem Rudern begonnen. Schnell wurde es professioneller. Seit 2004 Leistungssport, deutsche Meisterschaften, Wettkämpfe in Kanada, Junioren-Weltmeister 2007 in Peking. Das Karriereende ein Jahr später. Da war er nichtmal 20 Jahre alt. Warum?

Jannis Augustin nervte das Pflichtgefühl

Der Sprung aus dem Junioren- in den U23-Bereich ist riesig. „Man merkt sehr deutlich, dass vier Jahrgänge in einer Altersgruppe zusammengefasst werden und die Leistungsunterschiede sehr groß sind“, sagte Augustin damals im Interview mit dieser Zeitung.

Die kurzfristige Perspektive fehlte. Augustin hatte zunächst keine Chance, an Weltmeisterschaften oder internationalen Regatten teilzunehmen. Ein Jahr ruderte er noch in der Bundesliga, nur zum Spaß. Dann war auch da Schluss. „Rudern ist wie eine Sekte, entweder macht man das ganz oder gar nicht“, sagt Augustin heute, zehn Jahre später. „Ich hatte immer das Gefühl, ich müsse jetzt ins Boot.“ Das Pflichtgefühl nervte. Er wollte es loswerden, orientierte sich um: ins berühmte Leben nach dem Sport.

Jannis Augustin hat nach der Ruder-Karriere ein neues Hobby gefunden

Jannis Augustin (r.) ruderte früher für den RV Rauxel, hier gemeinsam mit Magdalena Jakschik. © Volker Engel

Augustin wurde Rettungssanitäter bei der Feuerwehr in Castrop-Rauxel, absolvierte ein Studium zum Medizintechnikingenieur, hängte dann den Master in Wirtschaftsingenieurwesen dran. Er gewann einen Preis, nicht mehr im Boot auf dem Wasser, sondern in der Forschung. Nun arbeitet er als Projektmanager in Dortmund. Er wohnt in Recklinghausen nach einem Zwischenstopp in Mittelhessen. Die Zeit als Leistungssportler sei dennoch „sehr prägend gewesen, es ist auch schön, dass es jetzt vorbei ist, aber missen will ich es nicht“, so Augustin.

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Zum Fototermin bringt Augustin, der im Mai 30 Jahre alt wird, seine Tochter Henrietta (3) mit. Seit 2014 ist er verheiratet, im vergangenen Jahr kam sein Sohn Lorenz auf die Welt. Wöchentlich geht er mit der Tochter schwimmen. Mit den alten Kollegen vom Leistungszentrum in Dortmund trifft er sich ab und zu („Leider zu unregelmäßig“). Das war es aber auch mit den noch bestehenden Verbindungen in den Rudersport.

Das neue Hobby des früheren Weltmeisters

Sein Werkzeug ist handlicher geworden. Vom meterlangen Riemen, zur komfortablen Zange. Am Grillrost steht er gerne, probiert verschiedene Sachen aus - und stellt diese ins Netz. Auf seinem Instagram-Account „PottsBBQ“ folgen ihm über 1000 Nutzer. Aber das Grillen ist nur ein Hobby. Etwas, das Rudern nie sein konnte. „Wenn ich mich irgendwo vorstelle, sage ich nicht, dass ich Weltmeister im Rudern war, sondern Leistungssportler“, erklärt Jannis Augustin. „Das ist aussagekräftiger.“

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