Fußball-Profi Chris Führich: „Ich möchte zurück in die großen Stadien“

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Seit Saisonbeginn spielt der Habinghorster Chris Führich für den Zweitligisten SC Paderborn. Er bestritt alle sechs Punktspiele - und nimmt sich Zeit für eine Selbstanalyse.

Castrop-Rauxel, Habinghorst

, 07.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Castrop-Rauxeler Fußballer sind in der Saison 2020/21 in der 2. Bundesliga am Ball: Keeper Michael Esser (Hannover 96), Gökhan Gül (Fortuna Düsseldorf) und Chris Führich (SC Paderborn 07). Der 22-jährige Führich stand im Frühjahr im medialen Blickpunkt, weil er von der U23 des BVB wegen Corona zur Aufstockung in den Profi-Kader berufen wurde. Im Interview spricht er über diese Zeit und seine Haltung zu Noten der Sportpresse.

Herr Führich, in Zeiten der Pandemie sollen auch die Sportler die gewohnten Kontakte untereinander reduzieren. Hat das Ihren Start beim SC Paderborn 07 beeinträchtigt?

Nein, im Gegenteil. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden und habe schnell eingefunden. Vereinswechsel gehören zu einer Laufbahn im Profifußball dazu. Ich spüre bereits das Vertrauen meines Trainers und meiner Mitspieler. Man darf nicht verkennen: In der 2. Bundesliga wird auf hohem Niveau gespielt. Jede Mannschaft hat hier eine Qualität, auf die man am Spieltag gehörig aufpassen muss.

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Aktuell steht der neunte Platz mit einer ausgeglichenen Bilanz von Siegen und Niederlage zu Buche. Richten Sie und Ihr Team den Blick nach oben Richtung Aufstieg?

Man darf nicht vergessen, dass wir nahezu eine komplett neue Mannschaft bilden. Für einen Verein, der gerade aus der Bundesliga in die 2. Bundesliga kommt, ist die Saison stets kein Selbstläufer. Die Erfahrung zeigt, dass solche Mannschaften zunächst Fuß fassen müssen. Wir sind dabei, das zu schaffen.

Der „Kicker“ hat Ihnen bei Ihren bisherigen sechs Einsätzen Noten im Durchschnitt von 3,60 gegeben. Schauen Sie auf derlei Noten der Sportpresse?

Ehrlich gesagt, interessieren mich diese Noten eher weniger. Die Bemessungsgrundlage für Offensivspieler scheint sowieso zu sehr auf Torerfolgen und Vorlagen ausgelegt zu sein. Dabei gibt es viele andere wichtige Aspekte im Spiel, die berücksichtigt werden sollten. Laufbereitschaft und Defensivverhalten sollten auch mit in die Wertung kommen. Ich analysiere mich lieber selbst.

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Schauen Sie sich für eine Selbstanalyse das komplette Spiel daheim an?

Das geht schon so, dass wir vom Verein Filme zur Verfügung gestellt bekommen. Erste Schlüsse habe ich bereits gezogen. Für die nahe Zukunft habe ich mir vorgenommen, zielstrebiger zum Tor zu ziehen und den direkten Weg zu suchen. Da möchte ich dranbleiben.

Haben Sie von Ihrem Trainer Steffen Baumgart schon Rückmeldungen über Ihre bisherige Leistungen bekommen?

Ja, recht viel sogar. Man muss sagen, dass unser Trainer individuelle Gespräche mit allen Spielern sucht und sehr gute Tipps gibt. Man merkt dabei, dass er sehr viel Erfahrung hat und weiß, wie das Geschäft läuft.

Bei Ihrem bisherigen Verein, Borussia Dortmund, sind im Normalfall Spiele vor 80.000 Zuschauer möglich. In Paderborn fasst das Stadion „nur“ 15.000. Macht das für Sie seinen Unterschied aus?

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Zunächst einmal muss man sagen, dass es sehr schade ist, dass wir derzeit keine Zuschauer haben dürfen. Als wir gegen Hannover noch vor 2.200 Zuschauern spielen durften, war schon das eine tolle Atmosphäre in einem Stadion, das einen wunderbaren Charme hat. Wenn Zuschauer da sind, weiß man, wofür man spielt. Die Fans fiebern mit und sind mit ganzem Herzen dabei.

Im Frühjahr waren sie Bestandteil des BVB-Profi-Kaders. Welche Kontakte pflegen Sie noch nach Dortmund?

Ich tausche ich mich hin und wieder mit Tobias Raschl und einigen anderen Spielern des U23-Kaders aus. Auch wenn ich keinen Bundesliga-Einsatz bekommen habe, habe ich es sehr genossen und als Privileg angesehen, mittrainiert zu haben. Das vergisst man nicht so schnell.

Chris Führich war mit der Profi-Mannschaft um Trainer Lucien Favre im Trainingslager in Marbella.

Chris Führich war mit der Profi-Mannschaft um Trainer Lucien Favre im Trainingslager in Marbella. © Kirchner Media

Ich leite die Frage eines BVB-Fans weiter. Dieser möchte wissen, ob Sie eines Ihrer beiden Tore gegen den HSV mit einem Trick eingeleitet haben, den Sie sich von Thorgan Hazard abgeschaut haben?

Nein, diesen Trick habe ich in der Vergangenheit schon ein ums andere Mal gemacht. Man nennt ihn einen „Chap“. Dabei zieht man den Ball hinter das Standbein und dreht sich dann in die andere Richtung. Der Trick ist sehr effektiv.

Ihr Bruder Marco spielt beim FC Castrop-Rauxel in der Bezirksliga. Ist das Ihrer Meinung nach für ihn das Ende der Fahnenstange?

Nein, er hat ja auch schon in der Landesliga gespielt und könnte durchaus noch höher spielen. Das würde mich freuen. Er hat auf jeden Fall das Potenzial dazu.

Marco Führich (l.), der Bruder von Chris Führich, spielt aktuell beim Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel.

Marco Führich (l.), der Bruder von Chris Führich, spielt aktuell beim Bezirksligisten FC Castrop-Rauxel. © Christian Woop

Deutschlandweit hat man Sie gesehen, als Sie 2017 für den 1. FC Köln in der 1. Liga und im DFB-Pokal beim FC Bayern München gespielt haben. Holen Sie sich oft diese Zeit zurück vor Augen?

Die Köln-Zeit ist gar nicht mehr so präsent. Beim Durchblättern meiner Fotogalerie sehe ich hin und wieder Bilder, aber eher zufällig. Aber ich kann sagen, dass ich irgendwann einmal in solch große Stadien zurückkehren möchte. Das ist mein Antrieb.

In den vergangenen sechs Jahren waren Sie bei fünf Vereinen. Waren all diese Wechsel so gewollt?

Ich würde eher sagen: Sie waren nötig. Denn vor allem in den U17- und U19-Junioren war ich körperlich eher schwach. Ich wollte aber dranbleiben. Deshalb habe ich die Chancen ergriffen, die sich mir boten. Ich bin RW Oberhausen sehr dankbar, dass ich dort in der U19 spielen konnte. Zudem hatte ich das Glück, dass Mike Tullberg bei meiner Rückkehr zum BVB der Trainer war. Er hat mich verstanden - auch, dass ich ein Spieler war, der oft die Geduld verloren hat.

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