Für Castrop-Rauxeler Fußballclubs wird über Aussetzung eines Strafgeldes im Lockdown diskutiert

dzFußball

Fußballklubs werden vom Verband mit Ordnungsgeldern belegt, wenn ihnen Fehler unterlaufen. Ein widersinnig scheinendes Ordnungsgeld steht jetzt in der Diskussion.

Castrop-Rauxel

, 15.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Training und Punktspiele der Fußball-Saison 2020/2021 wurden von der Politik im November wegen der hohen Corona-Zahlen gestoppt. Darauf hat der Fußballkreis Recklinghausen reagiert und hat ein spezielles Ordnungsgeld ausgesetzt: Jenes, dass beim Nichterfüllen des Schiedsrichter-Solls bis zum 31. Dezember erhoben wird. Im Fußballkreis Herne/Castrop Rauxel wird über eine solche Maßnahme noch diskutiert. „Eine endgültige Entscheidung darüber, wie wir in dieser Sache verfahren, ist noch nicht gefallen. Sie könnte aber ähnlich ausfallen wie im Fußballkreis Recklinghausen“, erklärt der Vorsitzende Reinhold Spohn (BW Börnig).

Die Spvg Schwerin bekam einen Bonus vom Kreis ausgezahlt

Ordnungsgelder zum Schiedsrichter-Solls werden fällig, wenn ein Club im Vergleich zu seinen spielenden Teams weniger Schiedsrichter in seinen Reihen hat. Wird das Soll übererfüllt, kassiert dieser Verein eine Bonuszahlung. „Bei uns war es zuletzt ein 100-Euro-Bonus“, sagt Peter Wach, Geschäftsführer der Spvg Schwerin, der grundsätzlich zu Ordnungsgeldern anmerkt: „Wenn ein Verein sich nicht dumm anstellt, muss er auch keine Strafgelder zahlen.“ Der Castrop-Rauxeler Bezirksligist muss fünf Schiedsrichter stellen, hat aber sieben gemeldet. Als Anreiz kleiden die Blau-Gelben ihre Schiris bei der Erstausstattung vom Trikot bis zu den Schuhen ein.

Pro Team muss jeder Verein einen Schiedsrichter für den Spielbetrieb aufbieten - und im Idealfall anfangs ausstatten mit. U.a. mit Roter und Gelber Karte sowie Schiri-Pfeifen.

Pro Team muss jeder Verein einen Schiedsrichter für den Spielbetrieb aufbieten - und im Idealfall anfangs ausstatten mit. U.a. mit Roter und Gelber Karte sowie Schiri-Pfeifen. © Volker Engel

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Anders sieht es beim B-Kreisligisten TuS Henrichenburg aus, der im Fußballkreis Recklinghausen spielt. Der TuS hat drei Schiedsrichter zu wenig gemeldet. Dafür fallen Strafzahlungen an. „Im letzten Quartal waren es um die 200 Euro“, sagt Kassierer Eckhardt Böhm, der anmerkt: „Wir bemühen uns intensiv, das Schiedsrichter-Soll zu erfüllen. Was aber nicht einfach ist.“ Junge Leute ließen sich kaum dafür begeistern, von Fans und Spielern angepöbelt zu werden bei vermeintlichen Fehlentscheidungen. Der TuS ist aber nicht die Ausnahme bei der Nicht-Erfüllung des Schiri-Solls. Im Gegenteil: Ein Großteil der Fußballklubs sind betroffen.

Kreisvorsitzender: „Wiederaufnahme der Saison nach Lockdown-November macht wenig Sinn“

Warum der Fußballkreis Recklinghausen die Ordnungsgelder für die Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls bis zum 31. Dezember und nicht nur bis zum Lockdown-Ende am 30. November ausgesetzt wurde, dazu sagte der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey gegenüber dem Online-Portal 24Vest: „Wir müssten den Vereinen nach dem Lockdown 14 Tage Zeit geben, um sich auf die Fortsetzung der Saison vorzubereiten - das für einen Spieltag, im besten Fall zwei vor der Winterpause macht sportlich wie organisatorisch wenig Sinn. Fußball im Jahr 2020 wird es nicht mehr geben – auch wenn die Corona-Lage es zulassen würden.“

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Die Ordnungsgelder für fehlende Schiedsrichter spülen Jahr für Jahr große Summen in die Kassen der Fußballkreise in Westzfalen. Wie viel genau? Das wusste der Herner Kreisvorsitzende Spohn auf Anhieb nicht zu beziffern.

So war es vor fünf Jahren: Insgesamt 7850 Euro mussten die Herner und Castrop-Rauxeler Vereine Ende 2015 für ein Quartal an die Kreiskasse zahlen, weil sie zu wenig Unparteiische stellten. Im größeren Fußballkreis Recklinghausen war es ein höherer fünfstelliger Betrag pro Saison.

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