Gummi-Verbot: Kunstrasenplätze beschäftigen die Stadt Castrop-Rauxel

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Die EU will das Plastik-Granulat auf Kunstrasenplätzen ab 2022 verbieten. Es droht der Stopp des Spielbetriebs. Das sagen die Verantwortlichen der Stadt Castrop-Rauxel dazu.

Castrop-Rauxel

, 23.07.2019 / Lesedauer: 3 min

5000 Kunstrasenplätze gibt es in Deutschland - sieben davon in Castrop-Rauxel. Anders als Naturrasen kann Kunstrasen auch bei schlechtem Wetter bespielt werden und braucht keine Erholungspausen. Für Verunsicherung sorgt derzeit eine Debatte, die seit einigen Monaten geführt wird: Die Europäische Union (EU) plant ein Verbot des Plastikgranulats, mit dem die Kunstrasenplätze aufgefüllt werden.

35 Tonnen auf dem Platz

Das Argument der EU: Bei starkem Regen wird das Granulat abgetragen, kann in die Umwelt geraten – und beispielsweise Fische vergiften. Auf einem Fußballplatz liegen etwa 35 Tonnen Granulat. Nach Schätzungen des Fraunhofer-Instituts verursachen Kunstrasenplätze in Deutschland deshalb mehr Mikroplastik als Kosmetika und Textilwäsche zusammen.

Gummi-Verbot: Kunstrasenplätze beschäftigen die Stadt Castrop-Rauxel

Im Stadion an der Bahnhofstraße wurde im Jahr 2014 das Granulat wegen Klumpenbildung aufwändig entfernt. Vorarbeiter Antonio Fernandes zeigte wie. © Volker Engel

Michael Werner, der Leiter des Eigenbetriebs Umwelt und Versorgung Castrop-Rauxel (EUV), der für die Unterhaltung der Sportplätze zuständig ist, überrascht die Thematik nicht. Er sagte am Sonntag: „Wir sind da schon seit geraumer Zeit am Ball. Auch beim Städtetag sind wir da im Austausch mit den Verantwortlichen der anderen Kommunen.“ Allerdings gebe es aktuell noch keinen genauen Sachstand, welche Auflagen die EU für die Kunstrasenplätze mache. Werner: „Wir erwarten, dass wir im September ein Arbeitspapier bekommen, mit dem wir in die Beratungen mit dem Sportamt sowie dem Stadtsportverband gehen können.“

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Gummi-Verbot: Kunstrasenplätze beschäftigen die Stadt Castrop-Rauxel

© Mario Bartlewski

„Wir sind da schon seit geraumer Zeit am Ball“
Michael Werner

Aus dem Rathaus ist zu hören, dass die Stadtverwaltung bereits die Alternativen zum derzeitig verwendeten Granulat auslotet. Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi erklärte: „Neben dem Kontakt zu den Anbietern mit Kunststoffgranulat, ist die Verwaltung auch mit Unternehmen im Gespräch, die auf Sand oder Kork setzen. Die Ergebnisse der Gespräche wird die Stadt auch bei aktuellen Maßnahmen einfließen lassen.“

Henrichenburg setzt auf Kork

Der TuS Henrichenburg beabsichtigt, ein Kunstrasen-Kleinspielfeld an Lambertstraße bauen zu lassen - und plant dabei mit Weitblick. Denn der TuS-Vorsitzende Michael Fischer und sein Vorstands-Team wollen Kork verwenden. Der Vereins-Chef sagte am Montag: „Gummi kam für uns nicht in Frage.

In Castrop-Rauxel gibt es insgesamt zwölf Sportplätze, die überwiegend von der Stadt betrieben werden.
  • Sieben davon verfügen über Kunstrasen: an der Frohlinder Brandheide (vom Verein betrieben), an der Bahnhofstraße, in Obercastrop, in Merklinde, auf Schwerin sowie in Ickern an der Recklinghauser Straße und an der Uferstraße.
  • Auf Naturrasen spielt man in Henrichenburg, Rauxel sowie in Habinghorst im Gänsebusch und in der Kampfbahn Habichthorst.
  • Aschegeläufe gibt es nur noch in Pöppinghausen und Dingen.

Der reagiert wie ein Flummi und fliegt schnell vom Platz. Die Bälle und Schuhe werden schnell verklebt und schwarz. Zudem riecht er. Und wir wollen keine Probleme mit den Anwohnern bekommen.“ Vor allem Günter Beckmann und Torsten Pflips machen sich beim TuS um das Projekt verdient. Die Henrichenburger gehen davon aus, dass im Juli 2020 das neue Kleinfeld fertig ist. Fischer erklärte: „Wenn es optimal läuft, ist alles schon vor der Sommerpause fertig, im April oder Mai.“

Neben der Umweltverträglichkeit gibt es für die Henrichenburger ein zweites Plus: Der Verein kann Fördergelder beantragen. Michael Werner bestätigt: „Diese bekommt man nicht, wenn man auf Gummi setzt.“

Kampfbahn bekommt Gummi

Werner selbst ist kein Freund der Kork-Variante. Er berichtete: „Es ist überliefert, dass bei stärkerem Regen das Material aufschwämmt und an die Oberfläche kommt.“ Weshalb auch der ab September nach 15 Jahren renovierte Kunstrasen-Teppich in der Erin-Kampfbahn in Obercastrop mit Gummi versehen werde - anstatt wie bisher mit Sand. Michael Werner sagte: „Zudem sind die Fußballer der Meinung, dass der Ball auf Gummi besser springt und sie hier besser laufen können.“

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