Derby-Check: Die Mannschaftsteile der Spvg Schwerin und der SG Castrop im Vergleich

dzFußball-Bezirksliga

Was läuft gut, was läuft schlecht? Wir vergleichen die Mannschaftsteile der Spvg Schwerin und der SG Castrop. Beide Teams haben am Anfang der Saison noch einige Problemstellen.

Castrop-Rauxel

, 06.09.2019, 17:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Bezirksliga-Derby Spvg Schwerin (4.) gegen SG Castrop (11.) steigt schon am 5. Spieltag (8. September, Sportplatz Grafweg). Eigentlich etwas früh für einen Vergleich zu den Mannschaftsteilen beider Clubs, da die Trainer weiter nach der Idealelf suchen. Trotzdem wollen wir den Versuch wagen, die Stärken und Schwächen beider Kontrahenten zu beleuchten.

Unser Reporter Hermann Klingsieck hat in dieser Saison bereits beide Teams beobachtet und nahm eine Analyse der jeweiligen Mannschaftsteile vor.

Die Torhüter

Spvg Schwerin: Der von der SG Castrop gekommene Cedric Niemeyer stand in dieser Saison dreimal, Marius Brödner (5:2-Sieg bei Westfalia Gelsenkirchen) einmal im Schweriner Tor. Zuletzt gegen den VfB Hüls (1:1) machte Niemeyer auf der Linie einen souveränen Eindruck, reagierte dreimal hervorragend.

Allerdings zeigte er auch Schwächen bei hohen Flankenbällen vor sein Tor. Niemeyer war sich häufiger nicht sicher, ob er herauslaufen soll oder nicht.

SG Castrop: In allen vier Saisonspielen stand Pascal Heuser im Tor der SG Castrop, was darauf schließen lässt, dass Heuser bei den Trainern die Nummer eins ist. Und das, obwohl der Keeper schon zwölf Tore kassiert hat, die ihm jedoch kaum anzukreiden sind - bekam Heuser doch jeweils fünfmal eingeschenkt gegen die Übermannschaften der Liga, Vestia Disteln (1:5) und FC Marl (0:5).

Im Luftkampf flößt Heuser wegen seiner körperlichen Präsenz jedem Stürmer Respekt ein.

Derby-Check: Die Mannschaftsteile der Spvg Schwerin und der SG Castrop im Vergleich

Pascal Heuser musste im Tor der SG Castrop schon zwölf Gegentore hinnehmen. © Volker Engel

Die Abwehr

Spvg Schwerin: Sechs Gegentore in vier Spielen ist ein ordentlicher Mittelwert für eine Abwehr. Zuletzt beim VfB Hüls agierte die Schweriner Hintermannschaft jedoch ein wenig zu sorglos, was besonders in der zweiten Halbzeit gegen den im Angriff nicht unbedingt übermächtigen Gegner schwer ins Auge hätte gehen können.

Auf der linken Seite taten sich mehrfach Lücken auf. Trainer Dennis Hasecke sieht die Ursache indes nicht bei Maik Bothe, sondern vielmehr bei Innenverteidiger Nino Schlutt.

SG Castrop: Zwölf Tore in vier Spielen zulassen spricht nicht für Stabilität im Abwehrbereich. Spielt der wiedererstarkte Ingmar Holtkamp hinten drin, steht die SG-Abwehr sicherer – wechselt er ins Mittelfeld, fehlt den jungen Leuten Ruhe und Ordnung.

Für mehr Sicherheit könnte im Derby Dennis Dannemann mit seiner Erfahrung sorgen, wenn er denn spielen kann. Stark spielt Nicolas Mühlegg in seinem ersten Seniorenjahr. „Der Junge ist richtig gut“, lobt Trainer Dannemann.

Das Mittelfeld

Spvg Schwerin: Das Mittelfeld funktioniert noch nicht so gut, wie es sollte. Dieser Mannschaftsteil ist zwar ballsicher, doch fehlte häufig der Mut für den tödlichen Pass und der Ball wird wie in Hüls lieber quer gespielt. Sichere Querpässe sind indes nicht das Rezept, eine Abwehr zu knacken - mehr Risiko verspricht größeren Erfolg.

Als zuletzt im Hülser Evonik Sportpark in Hälfte zwei Blau-Gelb wackelte, tauchten die Mittelfeldspieler ab. Beim Neuaufbau muss jedoch besonders dem Mittelfeld erlaubt sein, alle Laufwege der Mitspieler erst zu ergründen - das geht nicht von jetzt auf gleich.

SG Castrop: Das Mittelfeld ist ein Sorgenkind der SG. Alle mühen sich, doch es fehlt in kritischen Situationen der Überblick für den richtigen Pass zum richtigen Mann. Auch das Überraschungsmoment kommt zu kurz.

Nicht von ungefähr musste sich Trainer Tino Westphal gegen Kirchhellen und Suderwich selbst einwechseln, um Ruhe und Ordnung ins Spiel zu bringen als nichts mehr ging.

Jedoch hat Westphal inzwischen erklärt, dass dies seine letzten Einsätze waren. Es bleibt zu hoffen, dass die jungen Kräfte mit wachsender Erfahrung dazulernen und unaufgeregter agieren.

Derby-Check: Die Mannschaftsteile der Spvg Schwerin und der SG Castrop im Vergleich

André Pape ist ein klassischer Mittelstürmer, doch ein Youngster läuft ihm gerade bei der Spvg Schwerin etwas den Rang ab. © Volker Engel

Der Sturm

Spvg Schwerin: Wenn ein Youngster wie Nico Chrobok bei Schwerin mit drei Toren glänzt, spricht das zwar für den aus der A-Jugend kommenden Offensivmann, wiederum aber auch gegen die gestandenen Stürmer.

Mit zwei Treffern – darunter ein Kopfball-Kracher zum 1:0 beim VfB Hüls – folgt mit Andre Pape ein klassischer Mittelstürmer-Typ: wuchtig und stets präsent im Strafraum. Die restlichen vier Tore verteilen sich auf vier Spieler, was wiederum für die Unberechenbarkeit spricht.

SG Castrop: Mit vier Toren in vier Saisonspielen ist bei der SG Castrop wohl nur von einem „Stürmchen“ zu sprechen. Zumal darunter ein Holtkamp-Treffer mit einem direkt verwandelten Freistoß war.

Ansonsten sprang vor des Gegners Tor viel Stückwerk und nur wenig Konstruktives heraus. Der SG fehlt ein Knipser, der aus dem Nichts ein Tor macht. Nicht vergessen werden darf indes, dass Castrops Stürmer gegen übermächtige Gegner wie Vestia Disteln und den FC Marl nur selten in Strafraumnähe kamen.

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Die Trainer

Spvg Schwerin: Das Trainer-Duo Dennis Hasecke und Marco Taschke ist zwar erfahren, aber auch neu auf Schwerin. Beide stehen vor der Aufgabe, aus einem runderneuerten Kader schnellstens ein Topteam zu formen.

Die Trainer suchen aktuell nach der Start-Mannschaft, die die hohen Erwartungen des Clubs und der Fans erfüllt. Beim 2:3 gegen Erle nach einer 2:0-Führung sowie dem 1:1 beim VfB Hüls blieben unnötig Punkte liegen.

Hasecke/Taschke müssen nun aus dem großen Kader schnell die beste Mischung herausfiltern, ansonsten enteilt die Spitze sehr früh zu weit. Und das wäre nicht gut nach dem Neuverpflichtungs-Kraftakt.

SG Castrop: Zur Saison 2019/2020 setzte die SG Castrop auf eine interne Lösung mit Neulingen im Trainer-Geschäft. Vorgesehen war, dass Tino Westphal von draußen coacht, Dennis Dannemann der verlängerte Arm auf dem Spielfeld ist.

Dann aber verletzte sich Dannemann gleich im ersten Spiel und stand in den nächsten drei Partien neben Westphal an der Seitenlinie, was das Grundkonzept schwächte.

Die größere Erfahrung als Trainer bringt Westphal mit, der zuletzt die A-Jugend der SG Castrop betreut hat. Aber auch in seiner Zeit als aktiver Spieler in höheren Ligen viele Trainer erlebt hat, von denen er das Beste mitgenommen hat.

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