Der Verband möchte das Schlupfloch für die 5. Gelbe Karte schließen

dzFußball

Einige Kicker sitzen die Sperre für ihre 5. Gelbe Karte am Totensonntag ab. Wenn es nach dem Westdeutschen Verband geht, geht das künftig nicht mehr.

Castrop-Rauxel

, 21.11.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein offenes Geheimnis unter Fußballern in ganz Nordrhein-Westfalen: Vor spielfreien Wochenenden holt man sich seine fünfte oder zehnte Gelbe Karte ab und kassiert die daraus resultierende zehntägige Sperre. Von diesem „Trick“ haben von den Castrop-Rauxeler Fußballer Elvis Shala, Marc Schröter (beide SV Wacker Obercastrop/Landesliga), Andre Pape und Justin Strahler (beide Spvg Schwerin/Bezirksliga) Gebrauch gemacht.

Verrückter Passus

Ein – aus neutraler Sicht verrückter – Passus in den Durchführungsbestimmungen des Verbandes macht es möglich, dass man diese Sperre an einem Wochenende absitzt, an dem gar keine Spiele ausgetragen werden. In Paragraph 1, Absatz 7 heißt es in den Durchführungsbestimmungen des FLVW: „Ein Spieler, den der SR in fünf Meisterschaftsspielen durch Zeigen der Gelben Karte verwarnt hat, ist automatisch für die nächsten 10 Tage für alle Spiele im Seniorenbereich (ausgenommen Pokalspiele, Entscheidungsspiele) seines Vereins, höchstens jedoch für ein Meisterschaftsspiel der Mannschaft, in der die Verwarnung erfolgte, gesperrt.“

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Beim Verband ist dieses Schlupfloch bekannt: „Ein oder zweimal im Jahr ist es möglich, so eine Sperre zu umgehen“, sagt Reinhold Spohn (Herne), der zugleich Vorsitzender des Fußballkreises Herne/Castrop-Rauxel und Vorsitzender des Verbandsfußball-Ausschusses und Staffelleiter der Oberliga Westfalen. Zahlen hat der Funktionär nicht parat, „aber es passiert immer mal wieder, dass Spieler so ihrer Sperre entweichen.“

Zehn Landesliga-Fälle

In Landesliga der Landesliga-Staffel 3, in der Wacker Obercastrop und der FC Frohlinde auflaufen, gibt es dagegen Zahlen – ohne allerdings Vergleichswerte zu haben: „Am Sonntag wurden zehn 5. Gelbe Karten verteilt“, sagte Staffellleiter Klaus Overwien (Waltrop), „das kann Zufall sein, das kann aber auch genauso gut absichtlich passiert sein.“ Das Problem ist den Staffelleitern aber durchaus bekannt: „Das ist kein neues Thema“, meint Overwien.

Trotzdem wird es von den Vereinen seit Jahren genutzt, um echte Spielsperren zu umgehen. „Das ist natürlich nicht das, was wir uns wünschen“, sagte Overwien. Die Regel ist, wie sie ist. Sie wurde einst von Juristen beschlossen.

Es bahnt sich eine Reform an. Reinhold Spohn berichtete: „Wir haben auf dem Verbandstag des Westdeutschen Fußball-Verband den klaren Auftrag erhalten, eine neue Regelung einzuführen.“ Im Kreis Euskirchen sei genau diese Problematik mehrfach angeprangert worden. Spohn: „Das ist noch nicht fix, aber man kann es so formulieren, dass da Bewegung drin ist.“

Wenn die drei Verbände (Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein) zu einer Einigung kämen – was in diesem Fall aufgrund des Konsenses hinsichtlich der Regelung wahrscheinlich ist – „dann wird das ab dem 1. Juli 2020 eingeführt“, sagte Spohn.

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