Auf der Außenbahn: Brombeeren für den Spartenleiter

CASTROP-RAUXEL Der älteste Kicker der Stadtmeisterschaften, ein Spartenleiter auf Abwegen, ein Vorsitzender an der Pumpe, ein geehrter Olympiasieger und ein Trainer "oben mit" - diese und noch viel mehr Sportler aus Castrop-Rauxel heute auf der Außenbahn.

von Von Carsten Loos, Jürgen Weiß und Jörg Laumann

, 28.07.2008, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Horst Kurpicz , 61-jähriges Vereinsmitglied der DJK Adler Rauxel, wird seit dem Wochenende mit dem Titel "fußballverrückt" leben müssen. Weil zum Spiel bei der Stadtmeisterschaft die Elf des C-Ligisten noch nicht komplett war, sprang der Oldie ein und versuchte mit all seiner Erfahrung eine Halbzeit lang die "jungen Hüpfer" des SuS Merklinde am Torschuss zu hindern. Nach der Pause konnte sich der gute Horst dann endlich wieder auf die Betreuerbank zurückziehen.

Robert Mathis , Fußball-Spartenleiter im Stadtsportverband und täglicher Dauerbeobachter der Stadtmeisterschaft in der Erin-Kampfbahn, lässt sich auch durch die Hitze nicht in seinem interessierten Eifer stoppen. Der Ickerner flaniert um die Sportanlage, begrüßt die Besucher und betätigt sich auch schon mal als Balljunge. Einmal wurde Mathis allerdings beobachtet, als er (verdächtig, verdächtig) mit dem Rücken zum Sportplatz an einem großen Gebüsch stand. Doch der erste Eindruck täuschte. Es handelte sich um eine Brombeerhecke, und der süßen Frucht konnte auch der Spartenleiter nicht widerstehen.

Franko Wilken , Vorsitzender des SV Wacker Obercastrop hatte alle Hände voll zu tun. Das Wochenende bei der Fußball-Stadtmeisterschaft war für den Vereinschef des Ausrichters ohnehin ein arbeitsreiches. Am Samstagabend kam allerdings noch unfreiwillige Mehrarbeit dazu. "Bei uns zu Hause stand die Kellerbar komplett unter Wasser", berichtete Wilken am Sonntagnachmittag. Zu diesem Zeitpunkt war der viel beschäftigte Vereinschef aber schon wieder an einer anderen Bar im Einsatz: Im Vereinsheim der Erin-Kampfbahn schenkte Wilken Getränke aus.

Detlef Jug , Trainer des TuS Henrichenburg, freute sich nicht nur über das engagierte Spiel seiner Schützlinge, die bei der Stadtmeisterschaft gegen Schwerin erst nach Elfmeterschießen verloren. Sondern auch darüber, dass sein Cousin und Co-Trainer Edgar Dittloff seine Ostfrieslandreise erst nach dem Schlusspfiff antrat. Reisefertig gepackt parkte das Auto auf der Karlstraße, wobei sich Dittloff wohl doppelt ärgern musste: Über die knappe Niederlage und darüber, dass er an diesem Unwettersamstag mit Frau Monika nicht "offen" mit dem Cabrio fahren konnte.

Eckhard Schultz , Olympiasieger 1988 vom RV Rauxel, kam jetzt zu einer besonderen Ehre. 20 Jahre nach dem Gold-Triumph in Seoul (Südkorea) wurden Schultz und sein Ruder-Achter in der ZDF-Sendung "Unsere Besten - Olympische Momente" auf Platz 20 gewählt - zwischen Nadia Comaneci, rumänischer Turnfloh und Olympiasiegerin 1976 und 1980, auf Platz 21 und Fabian Hambüchen, aktueller deutscher Turnfloh und Gold-Hoffnung 2008, auf Platz 19. Insgesamt hatten über 100 000 Zuschauer für ihre "Olympischen Momente" abgestimmt. Siegerin wurde die Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth (Gold 1972 und 1984).

Jannis Augustin , U23-Ruderer vom RV Rauxel, holte sich unlängst Anschauungs-Unterricht der englischen Art. Der Junioren-Weltmeister 2007 im Achter besuchte die traditionsreiche "Royal Regatta" in Henley, 50 Kilometer nördlich von London. Das Ruder-Spektakel auf der Themse gilt als ein Ruder-Event auf hohem gesellschaftlichten Niveau. Von daher war es für Augustin nicht ganz so ärgerlich, dass sein Boot in den K.O.-Rennen um den "Grand Challenge Cup" früh die Segel streichen musste.

Marcel Sieberg , Radprofi vom Team Columbia, war jetzt Thema bei der Tour de France, auch wenn der 26-jährige Europastädter diesmal auf der Schleife durch Frankreich nicht mit von der Partie ist. Die TV-Kommentatoren diskutierten den möglichen Wechsel von Siebergs Columbia-Kollegen Gerald Ciolek und vielleicht auch Linus Gerdemann zum Team Milram. Dabei kamen sie auch darauf zu sprechen, was Siebergs Wechsel zur aktuellen Saison von Milram zum Columbia-Vorgänger T-Mobile letztlich erst ermöglicht hatte: eine Ablösesumme nämlich.

Detlef Dülfer , ehemaliger Korfball-Nationalspieler und inzwischen vorrangig als Manager seines Sports unterwegs, hält Kontakt zum sportlichen Nachwuchs. Dülfer engagiert sich seit zehn Jahren als Betreuer bei Jugendreisen des Landessportbundes. So kehrte er jetzt von einer Reise nach Lido di Jesolo zurück nach Castrop-Rauxel. Trotz der verantwortungsvollen Aufgabe scheint Dülfer doch zu ein wenig Urlaubsfreuden gekommen zu sein. Zurück aus Italien kam er nämlich braungebrannt.

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