Freiherr Clemens von Oer, hier mit seinem Jagdhund, freut sich über eine Neuerung im Landesjagdgesetz NRW. © Markus Gehring
Nachtjagd

Wildschweine: Änderung des Landesjagdgesetzes freut Hegeringsleiter

Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. Der Leiter des Hegerings Schöppingen-Legden sieht in einer Neuerung des Landesjagdgesetzes NRW eine Erleichterung zur Bekämpfung der Tierseuche.

Die Jäger in Nordrhein-Westfalen gehen immer öfter nachts jagen. Und das hat einen guten Grund, denn mit der immer näher rückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) kommt auch die Gefahr für die Schweinebestände der Landwirte näher.

Aber was ist die Afrikanische Schweinepest? Dabei handelt es sich um eine Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. Sie kommt aus afrikanischen Ursprungsländern und breitet sich über Wildschweinbestände in vielen Regionen Osteuropas, aber auch in Belgien und China aus. Für Menschen ist die Seuche nicht gefährlich, für Haus- und Wildschweine ist sie tödlich.

Kein Standwild in Legden – aber Freude über Neuerung

Steckt sich ein Hausschweinebestand mit dem Virus an, müssen alle Tiere aus dem Bestand gekeult, also vorsorglich getötet werden, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Da Wildschweine als Überträger dienen, legen Landwirte und Jäger großen Wert darauf, dass möglichst viele Wildschweine erlegt werden, denn auch die Zahl der Wildschweine in Deutschland steigt.

Freiherr Clemens von Oer ist Hegeringsleiter in Schöppingen-Legden und weiß um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest.
Freiherr Clemens von Oer ist Hegeringsleiter in Schöppingen-Legden und weiß um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. © Markus Gehring © Markus Gehring

Im Kreis Borken gibt es viele Wildschweine, beispielsweise in Gronau. In Legden gibt es sie auch, aber nur vereinzelt, weiß der Leiter des Hegerings Schöppingen-Legden, Freiherr Clemens von Oer (68). „In Legden gibt es kein Standwild. Aber es ziehen immer mal wieder Wildschweine durch“, sagt Clemens von Oer im Gespräch mit der Redaktion.

Deshalb haben sich Teile der Jägerschaft in Schöppingen und Legden für mehr Möglichkeiten zur Jagd auf Schwarzwild eingesetzt. Clemens von Oer freut sich über eine Neuerung im Landesjagdgesetz NRW, die es den Jägern nun leichter machen soll, Wildschweine zu bejagen.

Bisher war das Schießen mit Nachtzielgeräten verboten

Dazu muss man eines wissen: Wildschweine sind vorwiegend nachtaktiv. Und natürlich ist es nachts im Wald und am Feldrand dunkel, es sei denn, der Mond scheint hell oder es liegt Schnee. Das ist aber selbstverständlich nicht immer der Fall, also müssen Jäger sich anders behelfen.

Und genau hier musste eine Lösung her, denn: „Bisher war das Schießen mit Nachtzielgeräten verboten“, so von Oer. Zumindest in NRW, denn jedes Bundesland regelt das Jagdgesetz im Detail selbst. In anderen Bundesländern durfte man schon seit Längerem mit der Zuhilfenahme von künstlichen Lichtquellen am Zielfernrohr der Büchse auf Wildschweine schießen.

Änderung seit dem 30. Januar 2021

Mit Wirkung zum 30. Januar 2021 gilt dieses Verbot aber auch in NRW nicht mehr. Denn das Ministerium hat entschieden, dass bei der Schussabgabe auf Wildschweine jetzt Hilfsmittel wie künstliche Lichtquellen am Zielfernrohr erlaubt sind, und zwar nicht mehr nur wie vorher zur Sichtung von Tieren. Weiter heißt es in der Änderung der ASP-Jagdverordnung NRW, dass eine Schussabgabe nur von erhöhten Ansitzen und auf eine maximale Distanz von 100 Metern zulässig ist.

Freiherr Clemens von Oer rechnet damit, dass sich die Wildschweine noch mehr als sonst vermehren werden. Derzeit gebe es viele Bucheckern und Eicheln, das bedeute, eine Sau kann mehr Ferkel aufziehen. Zeitgleich fürchtet er, dass die erhöhte pflanzliche Nahrungsaufnahme eine ebenfalls erhöhte Nahrungsaufnahme der tierischen Eiweiße zur Folge haben wird, als Ausgleich.

Tierische Eiweiße in Form von Mäusenestern, Engerlingen und Würmern gebe es ausreichend in Wiesen. Deshalb rechnet der Hegeringsleiter damit, dass im Frühjahr wesentlich mehr Wildschweine Wiesen brechen werden, also aufwühlen, und so hohe Grünlandschäden entstehen werden.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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