Von Legden lernen: Das Dorf ist Thema in neuem Geographie-Schulbuch

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„Begründe, warum es attraktiv ist, in Legden zu leben.“ Diese Aufgabe lösen Schüler in ganz Nordrhein-Westfalen. Ein neues Geographie-Schulbuch für Gymnasien macht das möglich.

Legden

, 29.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stadt und Land, Münster und Legden werden im neuen Schulbuch für Geographie an Gymnasien gegenübergestellt. Legden steht dabei als Beispiel für eine gelungene Dorfentwicklung. Das ist Prof. Dr. Karl-Heinz Otto zu verdanken.

Der Professor für Geographiedidaktik an der Ruhr-Universität Bochum ist Legdener und hier verwurzelt. Erstmals hat er jetzt die Moderation für ein Schulbuch des Westermann-Verlags übernommen und dafür auch Texte geschrieben. „Warum nicht ein Dorf vorstellen, das erfolgreich ist“, so sein Gedanke zum Kapitel „Stadt und Land“. Das Thema ist für die Fünft- und Sechstklässler an den Gymnasien des Landes vorgeschrieben.

Eine Gemeinde, die wächst

„Ich kenne viele Dörfer, die schrumpfen. Erst geht die Sparkasse, dann der Einzelhandel und dann wird es ein Dorf nur zum Wohnen und Schlafen“, sagt Karl-Heinz Otto. „Legden ist das Gegenteil, eine Gemeinde, die wächst“, ergänzt er und nennt das Regionale-Projekt „Zukunftsdorf“ als einen wichtigen Grund dafür.

Gewachsen ist Legden auch wegen der guten Verkehrsanbindung, so lernen es die Gymnasiasten. Autobahnanbindung, Eisenbahnlinie, Bundesstraße – das hat nicht jedes Dorf. Warum also nicht hierhin ziehen? Karl-Heinz Otto hat dafür die vierköpfige Familie Uppenkamp erfunden, die überlegt, von Münster nach Legden zu ziehen.

Schüler sollen Vor- und Nachteile des Dorflebens finden

Wie die Musterfamilie sollen auch die Schüler die Vor- und Nachteile des Lebens in Legden herausfinden. Der Vergleich der Einwohnerzahlen von 1995 bis 2015, die Entwicklung der Siedlungsfläche oder der Unterschied in den Baupreisen zwischen Legden und Münster sind einige weitere Aufgaben. Es wird aber auch kritisch nachgefragt, welche Probleme durch Wachstum entstehen können.

Die Egelborg, das Kinderschützenpaar von 2017, die Dahlienkönigin von 2014 und das Dorfzentrum werden im Bild vorgestellt. Dazu gibt es Karten und viele Informationen. Vieles weiß Karl-Heinz Otto, der auch zweiter Vorsitzender des Heimatvereins Legden ist, über sein Heimatdorf. Für spezielle Bereiche wie Baugebiete half das Büro des Bürgermeisters. Friedrich Kleweken hat er jetzt das Schulbuch vorgestellt.

Von Legden lernen: Das Dorf ist Thema in neuem Geographie-Schulbuch

Prof. Dr. Karl-Heinz Otto © Ronny von Wangenheim

Außerdem hat Otto den Ortskern kartiert. „Mich hat die Kartierung erstaunt“, sagt er, „man nimmt sonst nicht wahr, wie viel es hier gibt.“ Von A wie Apotheke bis V wie Versicherung hat er zusammengetragen, was es im Zentrum Legdens an Geschäften, Geldinstituten, öffentlichen und privaten Einrichtungen gibt. „Die lange Liste hat mich schon überrascht.“

Schulbuch wird an Gymnasien in NRW eingesetzt

„Früher waren Schulbücher Lesebücher“, erzählt der 61-Jährige, „heute sind es Arbeitsbücher“. So gibt es auf jeder Doppelseite Aufgaben. Ergänzendes Material findet sich in zwei weiteren Bänden, zum einen für Lehrer, zum anderen mit Vorlagen zum Kopieren. In Arbeit ist außerdem eine App.

Das neue Schulbuch „Seydlitz Geographie 1“ entstand, nachdem die Kernlehrpläne in Nordrhein-Westfalen neu gemacht wurden. Es wird in ganz Nordrhein-Westfalen an Gymnasien eingesetzt. Ob auch Legdener es verwenden, weiß Karl-Heinz Otto nicht. Jede Schule entscheidet selbst, welches Lehrbuch sie anschafft.

Schulbücher orientieren sich oft am Rheinland

Für den Hochschulprofessor, der sonst viel in Südamerika unterwegs ist, wie er erzählt, war das Schulbuch eine völlig neue Aufgabe. Eine Aufgabe, die ihm Spaß macht. Auch wegen solcher Details: „Viele Schulbücher orientieren sich am Rheinland. Die einzigen Westfalen, die vorkommen, sind Bauern“, erzählt er und lächelt. „Wir bringen Westfalen nach vorne.“

Zurzeit arbeitet Karl-Heinz Otto als Moderator mit den Autoren am Geographiebuch für die Klassen 7 und 8, in einem Jahr wird die Ausgabe für Klasse 9 und 10 folgen. Er lacht: „Da konnte ich Legden aber nicht unterbringen.“

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