Verwilderter Schulgarten in Legden: Wenn Falter sich in die Nesseln setzen

dzWilde Wiese

Der alte Schulgarten an der Weishauptstraße ist verwildert. Manch ein Legdener fragt sich, ob das so sein muss. Doch lässt sich hier ebenso viel lernen wie zwischen Salatköpfen und Radieschen.

Legden

, 22.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bunte Blühstreifen erfreuen jedermanns Auge. In Legden und Asbeck gibt es immer mehr Flächen für Falter, Biene und Co, die gern gesehen sind. Wenn sich aber Wildnis im Dorf breit machen, dann legt sich manche ordnungsliebende Stirn in Falten. Bürgermeister Friedhelm Kleweken weiß das aus Erfahrung: „In dieser Frage scheiden sich die Geister. Ich werde immer wieder gefragt, ob denn der alte Schulgarten so verwildern muss.“

Ortstermin in der Wildnis

Ortstermin mit Bauhofleiter Ralf Mönsters und Dirk Reers. Die beiden stehen zusammen mit dem Bürgermeister im hohen Gras vis-à-vis der Sekundarschule. Entlang des Weges blüht ein Streifen üppig. Doch dahinter sieht es auf den ersten Blick nach Brachfläche aus. Nur hier und dort sind einzelne Blüten zu sehen. Dort wo früher die Marienschüler Salatköpfe und Radieschen in akkuraten Reihen zogen, machen sich jetzt auch Brennnesseln und Spitzwegerich breit.

„Der Schulgarten wird schon seit einigen Jahren nicht mehr genutzt. Es werden ja in der Sekundarschule am Standort Legden nur die jüngeren Schüler beschult,“ erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinde entschloss sich, hier unter den Apfelbäumen auf 1800 Quadratmetern eine ökologische Oase zu schaffen.

Fortbildung in Sachen Blühwiese

Dirk Reers ist beim Gemeindebauhof der Ökologie-Experte. Und das nicht erst seit er mit seinem Kollegen Alexander Lichtenberg ein Wildwiesen-Seminar des Imkerbundes in Bocholt besuchte. Der gelernte Forstwirt sagt: „Ich bin ja als Kind im Wald und auf der Wiese groß geworden. Meine Eltern waren sehr naturverbunden, mein Bruder ist Biologe.“

Wer mit Dirk Reers den verwilderten Schulgarten besucht, sieht mehr als eine Brachfläche. Er entdeckt die große Vielfalt: die weiße Lichtnelke, die mit ihrem intensiven Duft vor allem die Nachfalter anlockt, die bei Bienen und Hummeln beliebte violette Wiesen-Flockenblume und der blau blühende Natternkopf, der bei Schmetterlingen äußerst beliebt ist.

Brennnesseln sind kein lästiges Unkraut

Selbst die meist geschmähten Brennnesseln sieht Dirk Reers keineswegs als „lästiges Unkraut“ sondern als echte Schmetterlingsweide. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Distelfalter schätzen die Brennnesseln als Eiablageort. Dirk Reers: „60 Prozent der Falter nutzen die Brennnessel als Futterpflanze für ihre Raupen.“

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Der Bauhof hat die Pflege der Fläche aber nicht einfach eingestellt. „Zweimal im Jahr wird gemäht“, sagt Ralf Mönsters. Und Dirk Reers achtet darauf, dass sich bestimmte Pflanzen hier nicht zu breit machen, zum Beispiel die Kanadische Goldrute, die als Neophyt (nicht heimische Pflanze) gilt. „Vielfalt ist das Ziel“, sagt Ralf Mönsters. Und die erreichen die Gemeindebauhof-Mitarbeiter auch durch Experimente bei den Blühstreifen. Mönsters: „Nicht jede Saatmischung ist für jeden Standort geeignet.“

Bewusstseinswandel bei Hobbygärtnern

Aus Sicht des Bauhofleiters wandelt sich gerade bei vielen Hobbygärtnern das Bild von einem lebendigen Garten. „Unsere Elterngeneration hat samstags noch jedes Blättchen aufgehoben.“ Er selbst habe jetzt auch einen Wildblumenstreifen in seinem Garten. Und die kostenlose Verteilaktion von Wildblumensaaten fand eine große Resonanz.

Werden künftig Wildblumen im öffentlichen Grün die Dahlie und Begonie verdrängen? „Auf keinen Fall“, sagt Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Die gepflegten Rabatten im Dorf würden auf jeden Fall erhalten bleiben, das sei das Dahliendorf seinen Besuchern auch schuldig.

Wildblumen an der Hauptstraße vor dem Bürgerservice

Wildblumen an der Hauptstraße vor dem Bürgerservice © Stefan Grothues

Aber die Vielfalt zählt. Das ist an der Hauptstraße in Legden gut zu erkennen. Die einst mit Schottersteinen abgedeckten Baumscheiben sind in diesem Jahr begrünt worden. „Das Bewusstsein hat sich gewandelt“, sagt Bürgermeister Friedhelm Kleweken. „Vor Jahren galten die geschotterten Baumscheiben als ordentliche Lösung. Jetzt wird naturnäher gedacht.“ Unter den anderen Straßenbäumen wachsen Eisbegonien, Geranien und Knöterich. Und vor dem Bürgerservice blühen symbolträchtig leuchtend violette Wildblumen.

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