Versorgung für Frühchen gefordert

Legdener Resolution

LEGDEN . Gesundheitsminister Philip Rösler bekommt in diesen Tagen Post aus Legden - genauso wie die Fraktionsspitzen der Regierungs- und Oppositionsparteien in Berlin, Düsseldorf und in den Kreisen Borken und Coesfeld. Der Inhalt der 37 Briefe ist stets der gleiche: Der dringende Appell des Legdener Rates, eine Schließung der Frühchenstation in Coelsfeld zu verhindern.

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 25.11.2010, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Um die wohnortnahe Versorgung der extremen Frühchen weiterhin gewährleisten zu können, hat der Legdener Rat eine Resolution geschrieben.

Um die wohnortnahe Versorgung der extremen Frühchen weiterhin gewährleisten zu können, hat der Legdener Rat eine Resolution geschrieben.

Anlass für den Brandbrief aus Legden ist die Entscheidung des Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen (G-BA) vom Juni, die Versorgung von Frühchen nur noch Kliniken zu gestatten, die jährlich mindestens 30 dieser Frühgeborenen nachweisen können (Münsterland Zeitung berichtete).

In Coesfeld liegt die Zahl "um die 30", wie die Christopherus-Klinik GmbH, zu der das Vinzcenz-Hospital Coesfeld gehört, mitteilt - also in manchen Jahren auch darunter. Eine Schließung sei zwar 2011 auszuschließen, danach aber möglich.

Das zu verhindern, ist Ziel der Legdener Politiker. Nachdem Eltern das Thema im Rahmen der Bürgerfragestunde während der Ratssitzung am Montag vor einer Woche publik gemacht hatten, waren sich alle drei Fraktionen einig, eine Resolution auf dem Weg zu bringen - und das möglichst umgehend. Das ist jetzt erfolgt.

"Wir fordern den gemeinsamen Bundesausschuss auf, in Bezug auf das Coesfelder St. Vincenz-Hospital nicht nur die Mindestmenge als alleiniges Kriterium, sondern vorrangig das beispielhafte Klinikkonzept zu sehen", ist dort nachzulesen. Bürgermeister Friedhelm Kleweken und die drei Fraktionsvorsitzenden Berthold Langehaneberg (CDU), Heinz Gausling (UWG) und Sigrid Goßling (SPD) bitten "um eine Ausnahmeregelung für Kliniken mit erhaltungswürdigen Konzepten und einem hohen qualitativen Standard".

Dass der in Coesfeld anzutreffen sei, wissen die Absender der Resolution von denen, die es beurteilen können: Legdener Eltern, die ihre zum Teil deutlich unter einem Kilo wiegenden Neugeborenen in der nicht ganz 15 Minuten Fahrzeit entfernten Intensivstation bestens versorgt wussten.

Diese Hilfe, die sie und ihre Babys erfahren konnten, dürfe anderen Eltern nicht verwehrt werden, hatte Antje Wenning, Sprecherin der Lgdener Frühchen-Eltern, während der Ratssitzung betont. Ihre mündliche Eingabe hatte sie mit einem Schreiben an alle Fraktionen kombiniert, in dem sie, ihr Mann und Zwillinge zusammen mit sieben weiteren Legdener Familien um eine Resolution baten. Dieses Schreiben sowie ein Elternbrief, in dem Ehepaar Wenning ausführlich ihre guten Erfahrungen bei der Versorgung ihrer bei der Geburt winzigen Zwillinge schildert, sind dem Schreiben des Gemeinderates an die Verantwortlichen in Bund, Land und Kreisen beigefügt.

Die Absender der Resolution schildern auch, was eine Schließung der Frühchen-Intensivstation bedeuten würde: "Sollte das Coesfelder Krankenhaus die allerkleinsten Frühgeborenen bis 1250 Gramm nicht mehr betreuen dürfen, bedeutet dies (...) weite Wege für die werdenden Eltern" bis Datteln oder Münster.

Es bestehe "die große Gefahr, die Klinik nicht mehr rechtzeitig zu erreichen". Sobald das Baby auf der Welt sei, berge der Transport erhebliche Risiken wie Hirnblutung und andere lebensbedrohende Komplikationen.

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