Verdichterstation in Legden: Selbst Standort kann noch Thema sein

dzBezirksregierung Münster

Einwendung, Stellungnahme, Gegenäußerung – zwei Tage ging das so bei der Anhörung zur geplanten Verdichterstation in Legden. Jetzt beginnt die Arbeit der Bezirksregierung erst richtig.

Legden

, 15.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bereits im kommenden Winter will Open Grid Europe mit den Vorarbeiten für die Verdichterstation beginnen. Ob das gelingt, ist unklar. Denn mit dem Erörterungstermin der Bezirksregierung Münster in der vergangenen Woche beginnt erst deren Arbeit. Bei dem Termin wurde klar: Es gibt viel Dissens.

Vielleicht ein Jahr bis zum Planfeststellungsbeschluss

Wie lange es bis zum Planfeststellungsbeschluss dauern wird, kann Verhandlungsleiterin Christiane Rövekamp nicht sagen. Ein Jahr sei durchaus realistisch. Wenn der Vorhabenträger, also Open Grid Europe, alles perfekt vorbereitet habe, könne es auch kürzer dauern. Denn jetzt müssen alle Einwendungen, Stellungnahmen und Gegenäußerungen geprüft werden. Und natürlich wird geprüft, ob der gesamte Antrag des Fernleitungsnetzbetreibers genehmigungsfähig ist.

„Manche denken, der Erörterungstermin sei der Abschluss. Aber für uns ist es der Startpunkt“, sagt Christiane Rövekamp für die Bezirksregierung. Als Schwerpunkte bei der Anhörung nennt sie als drei Themen, die viel Platz eingenommen haben, „den Naturschutz, das Verkehrskonzept und die Erforderlichkeit der Maßnahme“.

Kritik der Gemeinde: Standortprüfung kam zu spät

Manches ist noch im Fluss. Bis zum endgültigen Bescheid der Bezirksregierung kann noch nachgebessert werden, kann es Forderungen geben. Für einzelne Bereiche kann unter Umständen auch noch einmal eine Offenlegung und Erörterung notwendig werden. Das Ergebnis des Verfahrens ist offen. Auch das betont die Verhandlungsleiterin.

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Bürgermeister Friedhelm Kleweken hat für die Gemeinde Legden etliche Einwendungen vorgetragen. Die wichtigste ist für ihn die Standortfrage. Die Anlage soll auf acht Hektar im Haulingort gebaut werden. Seine Kritik: „Erst nachdem uns die Pläne für die Verdichterstandorte vorgestellt wurden, auch erst nach dem Dialogmarkt im Herbst 2018 hat Open Grid Europe eine Standortprüfung durch einen Gutachter gemacht.“ Und das Gutachten habe wundersamerweise genau die beiden Standorte ergeben, die Open Grid schon vorher präsentiert habe.

Alternativen im großräumigen Umfeld, also im Umkreis von 50 Kilometern, seien nicht untersucht worden, so Kleweken. „Das ist aus meiner Sicht noch nicht ausgeräumt“, sagt er und hofft, dass sich die Bezirksregierung intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wird.

Gemeinde Legden fordert Gutachten zur richtigen Technologie

Dissens besteht auch bei der Technologie des Gas-Verdichters. Ein Gasantrieb ist für die beiden Turbinen vorgesehen. Bei Besichtigungsfahrten haben sich aber Kleweken und auch Vertreter der Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke!“ überzeugt, dass ein elektrischer Antrieb der Turbinen besser sei. „Wir hätten erwartet, dass es dazu ein Gutachten geben würde“, sagt er und ergänzt: „Der Dissens ist geblieben.“

Im Gespräch sind Open Grid Europe und die Gemeinde Legden noch wegen des Verkehrskonzepts, wie Christiane Rövekamp einen Punkt des Erörterungstermins schildert. Hier geht es darum, so der Bürgermeister auf Anfrage, dass nicht während der mehr als zweijährigen Bauphase Wirtschaftswege von den Baustellenfahrzeugen als Abkürzung benutzt und kaputt gefahren werden.

Nicht durchsetzen kann sich wohl die Vorstellung der Gemeinde Legden, für die Kompensation des Landschaftsverbrauchs den Legdener Mühlenbach ökologisch aufzubereiten, statt dafür weitere landwirtschaftliche Flächen zu nehmen. Das geht nicht, weil Rebhuhn und Kiebitz davon nicht profitieren würden.

Open Grid Europe überrascht mit neuen Plänen für Kompensationsflächen

Überrascht wurde Bürgermeister Kleweken dann aber von der Aussage von Open Grid Europe, die jetzt andere als ursprünglich vorgesehene Kompensationsflächen vorstellte. „Das muss aus meiner Sicht noch einmal offengelegt werden“, so Kleweken.

Nicht zufrieden ist er auch mit der Aussage von Open Grid Europe zum Thema Brandschutz. „Die Aussage, da kann nichts passieren, damit kann ich nichts anfangen“, so der Bürgermeister. Er hat weiter sicherheitstechnische Bedenken und fordert hier Konzepte auch mit Blick auf die Frei.

Zeelink-Gasleitung wird ab September in Legden gebaut

Viel Dissens also, mit dem sich die Bezirksregierung Münster in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Es wird also noch dauern, bis Open Grid Europe mit dem Bau einer Verdichterstation beginnen kann. Weiter im Zeitplan laufen die Arbeiten für die Zeelink-Gasleitung. Sie sind im nördlichsten Bauabschnitt der insgesamt 215 Kilometer langen Erdgasfernleitung angekommen. Auf knapp der Hälfte der 38,5 Kilometer langen Strecke wurde bereits der Mutterboden abgetragen. Auf sieben Kilometern wurden bereits Rohre zu einem Strang zusammengeschweißt.

Diese Verdichterstation von Open Grid Europe steht in Krummhörn.

Diese Verdichterstation von Open Grid Europe steht in Krummhörn. © Open Grid Europe GmbH

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bereits im April oder Mai auf Legdener Boden beginnen. Durch das nasse Wetter Anfang des Jahres und die Coronakrise wurden die Pläne geändert. Erst im September oder Oktober wird in Legden Mutterboden abgeschoben. Die abschließende Renaturierung wird dann 2021 sein.

Läuft bei der Verdichterstation alles wie Open Grid Europe es aktuell plant, würden zum Jahreswechsel die Vorarbeiten für dessen Bau im Haulingort erfolgen. Baubeginn wäre dann im Mai 2021. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2023 eingeplant. Allein der Bau wird also zweieinhalb Jahre dauern.

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