Sexueller Übergriff auf Tanzfläche der Skala: „Ich fühlte mich wie ein Tier“

dzAmtsgericht Ahaus

Auf der Tanzfläche der Disko „Skala“ in Legden kam es zu einem sexuellen Übergriff. Einer 22-jährigen Studentin wurde von einem anderen Gast unter das Kleid und in den Intimbereich gefasst.

Legden

, 26.05.2020, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 22-jährige Studentin aus Havixbeck wurde im August 2019 auf der Tanzfläche der Diskothek „Skala“ in Legden sexuell belästigt. Täter soll laut Zeugen ein 23-jähriger Mann aus Aachen gewesen sein. Der fand sich am Dienstag auf der Anklagebank des Amtsgerichts Ahaus wieder, weil er gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte.

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Vorgeworfen wurde dem 23-Jährigen konkret, sich gegen 00.45 Uhr der Studentin und ihren zwei Freundinnen genähert zu haben. Mit seiner Hand habe er ihr dann von hinten unter das Kleid und in den Intimbereich gefasst, heißt es in der Anklageschrift. Der 23-Jährige bestritt die gegen ihn gerichteten Vorwürfe allerdings vehement. Er habe nur mit seinen Mannschaftskollegen gefeiert. „Wir hatten ordentlich Alkohol intus und sind dann bei einem Song ziemlich eskaliert“, erklärte er dem Richter.

Angeklagter bestreitet die Tat

Dabei sei einer seiner Kollegen gegen die Studentin gestoßen, was diese offenbar sehr ärgerte, wie der Angeklagte berichtete: „Als er sie unabsichtlich das zweite Mal stieß – und offenbar ihren Drink verschüttete – schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht.“ Er sei dann dazwischen gegangen und habe versucht, die Situation zu beruhigen. „Plötzlich kam die Security und hat uns abgeführt.“

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Als Beleg für seine Unschuld nannte der 23-Jährige die Täterbeschreibung der Studentin: „Ich habe keinen schwarzen Vollbart und bin auch keine 1,80 groß.“ Beides hatte die 22-Jährige bei der polizeilichen Vernehmung angegeben. Es könne sich also nur um eine Verwechslung handeln. Nach der Erklärung des Richters, dass er bei einem Geständnis glimpflich davon kommen könnte, erwiderte er: „Ich war es nicht. Da geht es auch um die Ehre.“

22-Jährige erkennt den Aachener wieder

Die 22-Jährige belastete den Aachener allerdings schwer. „Ich erkenne ihn definitiv wieder, jetzt, wo ich das Gesicht sehe.“ Er habe ihr damals unter das Kleid an die nackten Innenschenkel gefasst. Anschließend habe sie sich umgedreht und versucht, ihn mit den Händen abzuwehren. Dabei entdeckte sie ein Tattoo auf dem Unterarm – so eines, wie der Angeklagte es trägt.

Auf die kritische Nachfrage des Verteidigers, warum sie bei der Polizei angegeben hatte, eine Strumpfhose getragen zu haben und nun von nackten Beinen sprach, entgegnete sie: „Ich habe sie vorher auf der Toilette ausgezogen, weil es zu warm war. Außerdem ist es völlig irrelevant, was ich in dem Moment trug. Es hätte auch eine Jeans sein können und es wäre genauso falsch gewesen.“ Sie sei sich in dem Moment vorgekommen wie ein Tier.

Freundin bestätigt die Version der Studentin

Die Freundin der 22-Jährigen bestätigte diese Version. Sie könne zwar nach so langer Zeit nur zu „50 Prozent“ sagen, dass es sich wirklich um den jungen Mann auf der Anklagebank handle, aber die Beschreibung der Kleidung (rosa Poloshirt, Mütze) deckte sich. Ihre Freundin sei damals „völlig unter Strom“ gewesen. „Sie wollte sich losreißen und ihr damaliger Freund wollte auf den Typen los. Da bin ich schnell dazwischen gegangen“, sagte sie vor Gericht.

Nach einer erneuten Belehrung des Richters, was im Falle einer Verurteilung auf den 23-Jährigen zukommen könnte, zog sich dieser mit seinem Anwalt zurück. Auf ein Geständnis warteten die Beteiligten allerdings vergeblich. Stattdessen nahm der Aachener den Einspruch gegen den Strafbefehl teilweise zurück und beschränkte ihn darauf, dass die Höhe der 30 Tagessätze zu je 30 Euro bei seinem Einkommen zu hoch angesetzt sei. So wird das Verfahren nun gegen eine Zahlung in Höhe von insgesamt 450 Euro vorläufig eingestellt.

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