Pilotprojekt startet mit sechs E-Autos, die sich jeder leihen kann

dzElektromobilität

Mehr Menschen für E-Cars zu begeistern und gleichzeitig die Mobilität auf dem Land zu fördern, das ist das Ziel eines Pilotprojekts. Jetzt wird mit sechs Elektroautos gestartet.

Legden, Ahaus, Heek

, 03.04.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob in Asbeck so bald wieder so viele Elektroautos aufeinandertreffen, darf getrost bezweifelt werden. Der gesamte Fuhrpark des Leader-Projekts „Erneuerbare Elektro-Mobilität für die ländliche Region Ahaus-Heek-Legden“ parkte am Mittwoch am Dormitorium. Und auch einige der Beteiligten waren mit ihren Elektroautos gekommen.

Zwei Nissan Leaf, zwei E-Golf und zwei E-Smart surrten leise über das Kopfsteinpflaster. Sie alle können demnächst von jedem Interessierten ausgeliehen werden – vor allem am Wochenende und in den Abendstunden. Am 1. Mai soll das Projekt nach langer Vorbereitungszeit starten. Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken zeigte sich begeistert: „Dass wir als Kommunen den Mut zu so einem Pilotprojekt haben, das ist schon sensationell.“

Hemmschwellen abbauen

Um was geht es: „Es ist ein niederschwelliges Angebot“, sagt der Heeker Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff: „Wir schaffen die Möglichkeit, dass jeder mal ein Elektroauto ausprobieren kann.“ Damit sollen Hemmschwellen abgebaut werden. „Viele reden über E-Cars, aber die wenigsten wissen Genaueres.“

Pilotprojekt startet mit sechs E-Autos, die sich jeder leihen kann

Am Leader-Projekt sind drei Kommunen, die Wirtschaftsförderung des Kreises, die Stadtwerke und die Autovermietung Althoff beteiligt. © Ronny von Wangenheim

Wenn daraufhin jemand überlegt, statt des Zweit- oder Drittautos auf E-Carsharing zu setzen, ist ein Ziel erreicht. „Die meisten Fahrzeuge sind heute doch Standzeuge“, sagt der Ahauser Erste Beigeordnete Hans-Georg Althoff. So soll nicht nur E-Mobilität, sondern auch der Gedanke des Car-Sharings gefördert werden.

Nicht nur die Bürger der Region sind im Blick. „Wir hoffen, dass auch Unternehmen das Angebot testen“, sagt Franz-Josef Weilinghoff. Im besten Falle könnten sie ebenfalls in Elektromobilität investieren und vielleicht sogar einen Teil der Firmenflotte ebenfalls über das Projekt der Öffentlichkeit zum Mieten anbieten.

Strom kommt aus erneuerbaren Energien

Der Strom für die Fahrzeuge kommt aus erneuerbaren Energien. Damit wird eine Verbindung zur Energiegenossenschaft AHL geknüpft, deren Gründung das Ergebnis eines weiteren Leader-Projekts zur Förderung der Windkraft in der Region ist.

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Erst einmal sind es sechs E-Cars, die zu bestimmten Zeiten von jedem Autofahrer gemietet werden können. Bei drei der Autos sind die Stadt Ahaus und die Gemeinden Heek und Legden Ankermieter. Sie nutzen die E-Cars also zu ihren Dienstzeiten. Friedhelm Kleweken ist viel mit dem Smart unterwegs, sein Heeker Kollege Franz-Josef Weilinghoff war mit einem E-Golf zum Termin nach Asbeck gekommen.

Die Stadtwerke Ahaus, die Wirtschaftsförderung des Kreises Borken und die Autovermietung Althoff als weitere Partner nutzen die Fahrzeuge ebenfalls dienstlich. Zu allen anderen Zeiten kann jeder zum Zuge kommen. Die drei Rathäuser und die drei Firmensitze sind die Standorte für die Fahrzeuge.

Autos können schnell über eine App geliehen werden

Gemietet werden können die Fahrzeuge über eine App oder auf dem PC auf einer Buchungsplattform, nachdem man sich einmalig registriert und einmal mit Personalausweis und Führerschein vor Ort legitimiert hat. Einzelheiten dazu finden sich auf der Homepage der Leader-Region. Wie viel das Ganze kosten wird, steht noch nicht genau fest. Hans-Georg Althoff erläutert: „Es wird Strompakete geben, also die Miete inklusive des Stromverbrauchs.“ Ute Schwietering, die am 1. März die Arbeit als Projektkoordinatorin aufgenommen hat, geht davon aus, dass ein Sechs-Stunden-Paket zwischen 10 und 12 Euro kosten wird.

Pilotprojekt startet mit sechs E-Autos, die sich jeder leihen kann

Ute Schwietering ist die Projektkoordinatorin des Leader-Projekts "Erneuerbare-Elektro-Mobilität für die ländliche Region Ahaus-Heek-Legden. © Ronny von Wangenheim

Die Preise werden günstig sein. Geld verdienen will der Projektträger, die Lokale Aktionsgruppe (LAG) der Leader-Region „Kulturlandschaft Ahaus-Heek-Legden“ mit dem Projekt nicht. Es wird schließlich über zwei Jahre mit 50.000 Euro gefördert. Den Rest der Projektkosten von 76.800 Euro trägt die LAG.

„Ich kenne kein vergleichbares Projekt“, sagte am Mittwoch Bürgermeister Kleweken. Auch Regierungspräsidentin Dorothee Feller hat schon ihr Interesse bekundet. Denn Car-Sharing muss im ländlichen Raum ganz anders aussehen als in Ballungsgebieten, bietet aber gerade hier auch Chancen. Sollte das Angebot angenommen werden, könnte es um weitere Standorte und Autos erweitert werden.

Pilotprojekt startet mit sechs E-Autos, die sich jeder leihen kann

Ein Halt an der alten Zapfsäule in Asbeck war ein Muss für die E-Auto-Fahrer des Leader-Projekts. © Ronny von Wangenheim

Elektro-Mobilität wird zunehmen, die Autos werden mit weiter entwickelten Batterien größere Reichweiten haben. Da sind sich die Projektmacher sicher. Die Stadtwerke, so sagt deren Geschäftsführer, Karl-Heinz Siekhaus, reagieren darauf und werden mehr Ladesäulen einrichten. 15 sind es derzeit in Ahaus, jetzt sollen auch die Außenbereiche und Heek und Legden aufgerüstet werden.

Vom Pilotprojekt in die Zukunft

Und so sehen die Beteiligten bereits über die Grenzen des auf zwei Jahre angelegten Leader-Projekts hinaus. Es soll alltagstauglich werden und ein Anstoß sein. Und deshalb sprechen sie bereits von der Zukunft und von vielen E-Cars, die überall in den Wohngebieten stehen und von Nachbarn geteilt werden. Die sechs E-Cars sollen ein Anfang sein.

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