Pfarrer Siegfried Thesing übernimmt die Leitung der Pfarrei St. Brigida und St. Margareta in Legden. © Bischöfliches Generalvikariat Münster
Nein zur Segnung homosexueller Paare

Pfarrer Siegfried Thesing: „Schreiben aus Rom atmet Angst“

Pfarrer Siegfried Thesing hat eine ganz klare Haltung: Noch niemals habe er einen Segen verweigert. Da er damit auch Homosexuelle einschließt, steht er im deutlichen Widerspruch zum Vatikan.

Seit Februar ist Siegfried Thesing leitender Pfarrer von St. Brigida und St. Margaretha. Nicht erst in Legden aber hat er sich mit der Position der Katholischen Kirche zur Sexualität befasst. Und seitdem vor zwei Wochen das klare Nein aus Rom zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare öffentlich wurde, wurde die Entscheidung der Glaubenskongregation auch zum Thema vor Ort. Mit vielen Gläubigen sei er nach den Gottesdiensten ins Gespräch gekommen, zahlreiche Reaktionen hätten ihn erreicht, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Sein Eindruck: Die Mitteilung aus Rom sorge für großen Ärger auch unter den Gläubigen in Legden.

Widerspruch zum „Schöpfungsplan“

Worum geht es? Die Glaubenskongregation (eigentlich Kongregation für die Glaubenslehre), eine der zentralen Behörden der Römisch-katholischen Kirche, hatte erklärt, dass es keine Segnung geben könne „von Verbindungen, die nicht dem Schöpfungsplan Gottes entsprechen“. Pfarrer Thesing reagiert darauf mit Unverständnis und emotionaler Entrüstung: „Das Schreiben atmet Angst.“ Die Angst, die Ehe zu verwässern. Angst aber sei kein guter Berater.

Pfarrer Siegfried Thesing segnet jeden Menschen.
Pfarrer Siegfried Thesing segnet jeden Menschen. © Privat © Privat

Außerdem gebe es einen Unterschied zwischen dem Sakrament der Ehe, das sich die Eheleute selbst geben und einem Segen. Und: „Im Römerbrief steht sogar, dass man seine Verfolger, seine Feinde, segnen solle.“ Er selbst habe jedenfalls noch niemandem den Segen verweigert, der ihn darum gebeten habe. Auch bei Valentins-Gottesdiensten werde schließlich nicht geprüft, wer sich darunter befindet.

Auf Vertrauen und Argumente setzen

Er wird aber noch deutlicher und spricht von Macht, die eingesetzt werde, statt mit nachvollziehbaren Argumenten zu überzeugen. Seine Kritik: „Hier wird mehr kaputt gemacht als geklärt.“ Es gelte auch zu fragen, wer über den „Schöpfungsplan“ sprechen dürfe. Hier sei von theologischer wie von humanwissenschaftlicher Seite das letzte Wort noch nicht gesprochen. Thesing erwartet hier vielmehr eine Neubewertung von Kirche zur Sexualität allgemein: „Wir befinden uns nicht mehr im 18. oder 19. Jahrhundert.“

Für ihn ist es auf jeden Fall die falsche Antwort zur falschen Zeit. Eine Zeit, in der man sich im „synodalen Prozess“ befinde und in dessen Rahmen man sich in aller Ruhe austauschen solle – auch über Macht und Autorität. Er fordert dazu auf, „im Gespräch zu bleiben und Vertrauen und Argumente sprechen zu lassen. Siegfried Thesing ist auch um Sorge um eine Entwicklung, die mehr auf Abgrenzung setze statt auf „gelingendes Leben“.

Unterstützung vom Bischof

Von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., habe er mal den Rat bekommen, nicht auf die Briefe aus Rom, sondern am besten auf seinen Bischof zu hören. „Dann liegen Sie richtig“, habe der gesagt. Und von dem sieht sich Legdens Pfarrer aktuell bestärkt. Bischof Felix Genn hatte sich nämlich in seiner Reaktion auf die Nachricht aus Rom für eine Weiterentwicklung der Lehre und damit für einen „Dialog mit der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Einsichten der Humanwissenschaften“ ausgesprochen. Eine Richtung, die die katholische Kirche derzeit mit ihrem Reformprozess, dem „synodalen Weg“, beschreite. Ausdrücklich hatte Genn auch den Seelsorgerinnen und Seelsorgern gedankt, „die homosexuelle Menschen erfahren ließen, dass sie angenommen und begleitet werden“.

Münsters Bischof hatte außerdem klargestellt, dass es keine Konsequenzen, oder gar Sanktionen „gegen Priester gebe, die sich so verhalten, wie sie es aufgrund ihres seelsorgerischen Auftrags und ihres Gewissens im Dienst an den Menschen für richtig halten.“

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