Open Grid presst Rohre für Gasleitung unter K33 und Bahngleisen durch

dzZeelink-Leitung Legden

In den nächsten Wochen werden beim Projekt Zeelink die neuen Gasleitungen in Legden verlegt. Das Datum für den Abschluss des Großprojekts hängt auch von den Temperaturen im Winter ab.

Legden

, 30.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine breite Trasse durchzieht die Felder in der Nähe des Gasthofs Hermannshöhe zwischen Legden und Holtwick. Insgesamt misst sie in der Breite 35 Meter. Sechs Meter nimmt der aufgeschichtete Mutterboden ein, fünf die Plattenstraße für die Arbeitsfahrzeuge. Außerdem liegen die schweren dunklen Rohre schon bereit. Jedes wiegt etwa neun Tonnen und ist 18 Meter lang. Diese werden in den kommenden Monaten zunächst oberirdisch zusammengeschraubt, dann verschweißt und in den Boden gelegt.

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„Jedes Rohr wird eingelesen, damit es später mit seinen Kenndaten nachverfolgt werden kann“, erläutert André Graßmann, Engineering Manager für das Projekt Zeelink beim Energieversorger Open Grid Europe. Bei dem Projekt werden auf einer Länge von 216 Kilometern Leitungen für das hochwertige H-Gas von der belgisch-deutschen Grenze bei Lichtenbusch bis nach Legden verlegt. Das bis jetzt fließende L-Gas wird es in 20 Jahren nicht mehr geben.

Mit Meißel und Bohrer durch den Felsboden

Auf freien Flächen werden die Rohre 1,20 Meter tief liegen, sodass die Landwirte darüber die Felder bestellen können. Unter Bahngleisen müssen die Trassen durchgepresst werden. Dabei hält Open Grid einen Abstand von 3,40 Meter ein. Diese Pressungen stehen gerade auf dem Bauplan. Dafür werden drei kürzere Rohre (zwölf Meter) verbaut, die mit Glasfaser überzogen sind.

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Wenn die Genehmigung der Bahn vorliegt, kommt eine hydraulische Bohr-Press-Anlage zum Einsatz. „Da wir hier felsigen Boden haben, verwenden wir Felsmeißel und Felsbohrer“, sagt Bauleiter Erik Veldmann beim Ortstermin am Dienstag mit Blick auf die schwere Maschine, die die Rohre unter der K33 durchpressen wird. Eine solche Pressung dauert zwei bis drei Tage.

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Mit dem Felsbohrer wird bei der Pressung gearbeitet.

Mit dem Felsbohrer wird bei der Pressung gearbeitet. © Markus Gehring

Rohre sollen bis zum November verlegt sein

Bis zum November will Open Grid alle Rohre verlegt haben. Danach muss der Rohrgraben wieder gefüllt werden. Das Datum des letzten Schritts hängt auch von den Witterungsbedingungen ab. „Wenn es zu nass ist, können wir den Oberboden nicht wieder andecken“, weiß Erik Veldmann. Daher sei mit einem Ende des Bauprojekts voraussichtlich im März 2021 zu rechnen. 100.000 Tonnen Stahl werden beim Zeelink-Projekt insgesamt verbaut. Seit vergangenem März befindet sich das Projekt im fünften und letzten Bauabschnitt.

Im Baulos 5 wird die Gasleitung zwischen Dämmerwald und Legden verlegt.

Im Baulos 5 wird die Gasleitung zwischen Dämmerwald und Legden verlegt. © Open Grid

Wenn die Rohre verlegt sind, unterzieht Open Grid diese einer Stressdruckprüfung. Die Rohre werden einem Druck von bis zu 190 bar ausgesetzt, im Alltag sind 100 bar die Regel.

Immer wieder Kritik an Bauprojekt

Alle 250 Meter gibt es einen Verdichter, an dem Temperaturen bis zu 80 Grad erreicht werden. Ansonsten passt sich das transportierte Gas der Bodentemperatur an. Alle Bodenschichten werden rekultiviert. Das bedeutet vor allem für die Landwirte, dass sie direkt nach der Fertigstellung wieder auf dem Mutterboden arbeiten können. Dazu hat Open Grid den aufgetürmten Mutterboden bepflanzt.

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Den immer wieder geäußerten Unmut der betroffenen Landwirte versteht Open Grid durchaus. „Insgesamt kommen wir aber ganz gut miteinander aus“, meint André Graßmann. Aus seiner Sicht werden die Landwirte fair entschädigt. „Die Gemüsebauern schauen natürlich genau hin, was mit ihren Feldern passiert“, ist sich Erik Veldmann bewusst.

Ende Januar hatten die Gemeinde Legden und die Bürgerinitiative „Verdichterstation – Nein danke!“ ihre Einwände bei der Bezirksregierung in Münster eingereicht. Vom Landwirtschaftlichen Ortsverein wurde mehrfach die schlechte Kommunikation mit Open Grid bemängelt.

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