Fitnesseinheit für den Vorsitzenden: Karl-Heinz Meiß rückte dem Schnee auf dem Reithallendach vom Korb eines Gabelstaplers aus mit Muskelkraft zu Leibe. Auch die Dachrinnen legte er frei um vorzubeugen. © Anne Winter-Weckenbrock
Schneemassen

Mit Video: Warum der Legdener Reitverein den Dächern seiner Reithallen einheizt

Statt Pferdewiehern ist in den Legdener Reithallen nur das Brummen eines Heizungsgebläses zu hören. Durch ein riesiges Rohr wird heiße Luft nach oben ans Dach gepustet. Das hat seinen Grund.

Cornelius von Ingersleben war am Donnerstag noch um 22.30 Uhr in der Halle und am Freitag um 7 Uhr gleich wieder: Heizung aus- und wieder anschalten hieß es für ihn. Der Geschäftsführer des Legdener Zucht-, Reit- und Fahrvereins hat in den letzten Tagen viel Zeit an den Reithallen verbracht: Die Schneemassen auf den Dächern machten ihm und seinen Vereinskollegen Sorgen.

Schmelze der Schneemassen auf dem Dach könnte Problem werden

Der Legdener schiebt die Tür zu den Reithallen auf und zeigt nach oben: Dort, wo die Dächer der beiden aneinander liegenden Reithallen zusammenstoßen, ist ein Metallkasten zu sehen. „Die Abflussrinne“, erklärt von Ingersleben. Genau dort, so die Befürchtung der Vereins-Aktiven, könnte es ein Problem geben, wenn die Schneeschmelze einsetzt. Dann rutscht alles auf diese Stelle zu und wird zu schwer.

Ein Dachdeckerbetrieb war schon am Mittwoch vor Ort. Als Erstes wurden mehrere Holzstützen aufgestellt an dem sensiblen Bereich. „Die kleine Halle mussten wir schon sperren“, sagt Cornelius von Ingersleben und deutet auf die Außenwand der Halle. „Die Koppelpfetten aus Holz biegen sich schon“, sagt er.

Von außen war da nichts zu machen: „Die Dachdecker gehen nicht aufs Dach, das ist viel zu gefährlich“, erklärt der Geschäftsführer. Überall sind Lichtplatten ins Dach eingebaut, die unter dem Schnee nicht zu erkennen sind und keinen Menschen halten würden.

Eine mit Öl angetriebene Heinzung, die sonst Festzelte wärmt, steht in der Legdener Reithallen: Der Tauvorgang auf dem verschneiten Dach soll kontrolliert ablaufen, das Tauwasser durch die große Abflussrinne zwischen den beiden Dächern abfließen.
Eine mit Öl angetriebene Heizung, die sonst Festzelte wärmt, steht in der Legdener Reithalle: Der Tauvorgang auf dem verschneiten Dach soll kontrolliert ablaufen, das Tauwasser durch die große Abflussrinne zwischen den beiden Dächern abfließen. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Deswegen kam die andere Idee zum Tragen: Eine Heizung, die sonst große Festzelte beheizt, wurde am Mittwoch in den Reithallen aufgestellt. „Die gehört einem Vereinsmitglied“, sagt Cornelius von Ingersleben. Das große Gebläse-Rohr ist nach oben ausgerichtet – an die Abflussrinne. „Das muss ans Laufen kommen“, fasst der Reitvereins-Geschäftsführer zusammen, wie sich die Aktiven die Problemlösung vorstellen.

So sah es an der Abflussrinne am Dach an der Verbindung zwischen den beiden Reithallen am Freitagvormittag aus dort, wo die Heizung noch nicht im Einsatz war.
So sah es an der Abflussrinne am Dach an der Verbindung zwischen den beiden Reithallen am Freitagvormittag aus, wo die Heizung noch nicht im Einsatz war. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Und es klappt: Am Donnerstagmorgen ist schon eine Drohne über die Halle geflogen und hat gefilmt. Ergebnis: „Die Hälfte ist frei.“ Also besteht berechtigte Hoffnung, dass die sensible Nahtstelle zwischen den Hallen dem Wintereinbruch standhält.

Dem Dach der kleinen Halle soll auch noch eingeheizt werden

Beim Dach der großen Halle sieht von Ingersleben sowieso eher nicht das Problem: Die ist nicht mehr mit Eternit gedeckt, die Statik ist aber nach deren Gewicht ausgelegt. Die hält jetzt den Schnee aus. Aber zur kleinen Halle soll die Heizung weiterwandern, wenn die Nahtstelle außer Gefahr ist.

Draußen wird derweil mit Muskelkraft daran gearbeitet, dass die doch ungewöhnlichen Schneemassen keinen Gebäudeschaden anrichten. Futtermeister Herbert Richters sitzt im Gabelstapler, Vorsitzender Karl-Heinz Meiß steht im Korb und lässt sich hochfahren. Mit einem speziellen Schneeschieber holt Karl-Heinz Meiß den Schnee von der Dachkante und befreit auch, so gut es geht, die Dachrinnen schon einmal.

Meter für Meter, Herbert Richters fährt ihn vorsichtig von Einsatzstelle zu Einsatzstelle. Der Schneeschieber hat auch eine Geschichte: „Wir haben in unserer WhatsApp-Gruppe nach Ideen gefragt“, erzählt Cornelius von Ingersleben. Da habe sich ein Vereinsmitglied gemeldet, das bei einem Fensterbauunternehmen in Rosendahl beschäftigt ist: Dort gebe es diese Schieber mit Teleskopstiel, der sich sechs Meter lang ausfahren lassen würde.

Ein Dachdeckerunternehmen hat im Inneren hölzerne Stützpfeiler aufgebaut. Zwischen den beiden Dächern. Dort könnten Schneemassen von beiden Dächern zusammenrutschen.
Ein Dachdeckerunternehmen hat im Inneren hölzerne Stützpfeiler aufgebaut. Zwischen den beiden Dächern. Dort könnten Schneemassen von beiden Dächern zusammenrutschen. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Den habe ich heute Morgen gleich geholt“, so der Geschäftsführer. Und mit Karl-Heinz Meiß fand sich gleich jemand, der ihn tatkräftig in die Hand nahm und ein paar Fitnesseinheiten für die Armmuskulatur absolvierte.

Wenn all der Einsatz aber nicht fruchtet und Gebäudeschaden entsteht – „wir haben Elementarschäden mitversichert“, betont Cornelius von Ingersleben. „Aber trotzdem muss das nicht sein und wir hoffen das nicht“.

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Anne Winter-Weckenbrock

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