Linda Büter (32) und ihr Friseurteam nehmen Corona-Regeln gelassen hin

dzCoronavirus in Legden

Nach dem Sprung in die Selbstständigkeit landete Linda Büter hart: Nach drei Monaten musste die Friseurmeisterin erst einmal schließen. Wegen Corona. Blickt die Legdenerin optimistisch nach vorn?

Legden

, 30.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dezember 2019: Linda Büter wagt den Sprung in die Selbstständigkeit und übernimmt das „Friseurteam Legden“ am Kirchplatz. Sie investiert in eine Renovierung des Salons, in dem sie seit 2017 angestellt war, wird Chefin von vier, später fünf Mitarbeiterinnen. März 2020: Am Mittwoch, 18. März, ruft eine Freundin und Kollegin aus Heek sie abends an: „Hast Du schon gehört, wir müssen die Läden zumachen.“

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„Das war ein total super Start“, sagt Linda Büter Ende Juli 2020, und würde sie keinen Mundschutz tragen, würde man ein gequältes Lächeln sehen. Die gebürtige Legdenerin erinnert sich ungern an die Zeit des Lockdown. Jetzt sind die Friseurläden, und auch ihrer, seit fast drei Monaten wieder offen, und die Redaktion hat einmal nachgefragt: Wie fällt die Zwischenbilanz aus? Linda Büter ist zufrieden. „Wenn es so bleibt, ist das in Ordnung. Gesundheit ist wichtig“, fasst sie gelassen kurz zusammen, was den Alltag im Friseursalon ausmacht.

„Man wusste nicht, wie es weitergehen soll“

Am 4. Mai durfte Linda Büter wieder Kunden empfangen am Kirchplatz. Nach gut sechs Wochen ohne Einnahmen – „und die Kosten liefen weiter. Mein Vermieter ist Gastronom, der konnte auch nicht auf die Miete verzichten“, blickt die Friseurmeisterin zurück. Und nach der Renovierung waren ihre Rücklagen aufgebraucht. „Da waren schon Ängste, man wusste nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Linda Büter.

Sie beantragte Soforthilfe und bekam sie auch vom Land. Dann ging es um Kurzarbeit für die Mitarbeiterinnen. Bis dann Licht am Ende des Tunnels zu sehen war. Mit den Infos von der Innung, der Berufsgenossenschaft und der Handwerkskammer bereitete sie den Salon vor: Nur ein Platz vorne kann im Herrenbereich genutzt werden, bei den Damen weiter hinten sind es nur drei. Zwei Leute gleichzeitig können arbeiten – „wir haben in Schichten gearbeitet, sechs Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr“, erzählt Linda Büter.

Preise moderat angehoben – die Ausgaben steigen

Die Preise hat sie moderat angehoben: „Ich möchte ja, dass die Leute wiederkommen.“ Gemeckert habe auch noch niemand. Aber die Ausgaben zum Beispiel fürs Material sind auch höher: für Desinfektionsmittel, für Mundschutze für Mitarbeiter und manche Kunden, für mehr Shampoo ... Selbst Kindern müssen ja die Haare gewaschen werden vor dem Schneiden.

Die Zeitfenster für die Kunden sind ausgedehnt worden um jeweils zehn Minuten. So können über den Tag nicht nur wegen des Platzes, auch wegen der Zeit weniger Kunden mit einem Haarschnitt glücklich gemacht werden. Auch das wirkt sich auf den Umsatz aus, bestätigt Linda Büter. Und einige Kunden sind weggeblieben. „Manche älteren Männer mit wenigen Haaren schneiden sich jetzt vielleicht selbst die Haare. Und einige Frauen mehr färben auch selbst“, hat sie festgestellt. Andere verlängern die Intervalle. Auch das ein Ergebnis der Friseur-Zwangspause in Corona-Zeiten.

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„Einen Mundschutz zu tragen, ist sinnvoll“, betont die 32-Jährige. Sie und auch die Kunden hätten sich mittlerweile dran gewöhnt. Genauso wie an die Handdesinfektion gleich nach dem Eintreten. Findet sie etwas an den aktuellen Regelungen übertrieben? Viel später als Kosmetiker dürften Friseure jetzt auch Augenbrauen zupfen. „Aber nur mit FFP2-Maske und Visier“, erklärt die Legdenerin. Schade fand sie auch, dass sie offiziell über die nötige Schließung keine Nachricht bekommen hatte.

Aber sonst: „Ich bin glücklich, dass ich das geschafft habe“, blickt sie auf die vergangenen drei Monate zurück. „Es geht“, sagt sie mit Blick auf den Umsatz. „Wir können nicht meckern, haben gut zu tun.“ Aber sie wird auch deutlich: Sie hofft inständig, dass keine zweite Corona-Welle kommt. Wieder den Laden schließen zu müssen: „Ich wüsste nicht, wie ich das überstehen sollte.“

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